Zivilgesellschaftliches Engagement auf dem Vormarsch

Nach einem erfolgreichen Wettbewerb im Jahr 2014 nominierte der Verein.Respekt.net nun zum zweiten Mal Gemeinden und Bürgerinitiativen zu "Orten des Respekts". Aus den neun Landessiegern wurde am Mittwoch (12.10.2016) der Bundessieger gekürt: "Willkommen Mensch! in Groß Gerungs und Langschlag" aus Niederösterreich darf sich über insgesamt 12.000 Euro freuen.

Wussten Sie, dass es in Österreich 449 "Orte des Respekts" gibt? Das sind Regionen und Gemeinden, Vereine und Initiativen, die positiv zum friedlichen Zusammenleben aller Menschen in Österreich beitragen und unter anderem Anti-Diskriminierungsarbeit leisten, sei es in Bezug auf Herkunft, Alter oder die sozio-ökonomische Situation der unterstützten Personen.

Zum zweiten Mal veranstaltet der Verein.Respekt.net nun den Wettbewerb "Orte des Respekts", aus den neun Landessiegern wurde am Mittwoch, dem 12. Oktober 2016, der Bundessieger gekürt. Eine schwere Entscheidung, denn jedes einzelne Projekt und insbesondere die Menschen, die dahinter stehen, haben die Anerkennung absolut verdient. Wenig überraschend sind fünf der neun Landessieger in der Flüchtlingshilfe tätig. Die Initiativen aus Wien und Salzburg widmen sich der Lebensmittelverteilung, der Kärntner Verein "Erinnern Gailtail" organisiert Spaziergänge gegen das Vergessen der NS-Zeit und die "Tiroler Gesellschaft für rassismuskritische Arbeit" (TIGRA) dokumentiert rassistisch motivierte Diskriminierung und Übergriffe.

Bundessieger kommt aus dem Norden

Wie bereits 2014 ernannte die Jury mit "Willkommen Mensch! in Groß Gerungs und Langschlag" aus dem niederösterreichischen Waldviertel auch diesmal ein Flüchtlingshilfeprojekt zum Bundessieger. Der Verein ist erst seit rund einem Jahr tätig, konnte aber in dieser kurzen Zeit einiges bewegen: Die neun Arbeitskreise organisieren beispielsweise Betreuungsangebote, Lernhilfe, Gesundheitsberatung und verwalten Sachspenden. Eine weitere Gruppe plant Freizeitprogramme und interkulturelle Veranstaltungen. Auf der Vereinswebsite fordert Obmann Gerhard Fallent die BürgerInnen zur Selbstreflexion auf:

"Sich Zeit nehmen, neugierig sein, die eigenen Denkmuster durchforsten, Respekt voreinander entwickeln und den Mut haben, sich auf "Anderes" und "Anderssein" einzulassen, das sind Anforderungen, an denen wir wachsen können." Gerhard Fallent, Vereinsobmann

Siegerprämerie hat sich mehr als verdreifacht

Bis zum Anmeldeschluss Mitte Juni 2016 wurden diesmal über 800 Projekte eingereicht. Als der Preis im Jahr 2014 vergeben wurde, hatte die achtköpfige Jury rund 600 Einsendungen zu bewerten. Damals hieß der Bundessieger "Wir brauchen diese Kinder", eine Bürgerinitiative aus Schruns in Vorarlberg, die das Bleiberecht für 13 Flüchtlingsfamilien erkämpft hatte. Erhielt das österreichweite Gewinnerprojekt vor zwei Jahren noch 3.000 Euro, ist die Prämie diesmal auf 10.000 Euro angestiegen. Die Landessieger bekommen je 2.000 Euro.

Die Jury setzt sich aus einer Reihe prominenter Namen zusammen. Neben Heide Schmidt, ORF-Fernsehdirektorin Kathrin Zechner, der Politikerin und Volksanwältin Terezija Stoisits und der Snowboard-Olympiasiegerin Julia Dujmovits sind mit Hartwig Löger (UNIQA Group) und Karl Sevelda (Raiffeisen Bank) auch zwei Sponsoren in der Jury vertreten. Für den Initiator Verein.Respekt.net haben die drei Vorstandsmitglieder Lena Doppel (derzeit auch geschäftsführende Präsidentin), Roland Wadl und Bettina Reiter entschieden.
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Auf www.ortedesrespekts.at finden Sie eine interaktive Karte mit allen 449 Nominierten. © respekt.net

Gesellschaftlichen Einsatz unterstützen

Zivilgesellschaftliches Engagement ist keine Modeerscheinung, aber gerade durch die aktuellen Flüchtlingsströme ist der Bedarf an freiwilligen HelferInnen akut gestiegen. Weil es keinesfalls selbstverständlich ist, dass sich Menschen in ihrer Freizeit für ein funktionierendes Miteinander einsetzen, versucht der Verein.Respekt.net seit 2010, hilfsbereiten Bürgern und Bürgerinnen ihren gesellschaftlichen Einsatz zu erleichtern.

Der Verein mit Sitz in Wien startete mit der Crowdfunding-Plattform respekt.net, über die mittlerweile fast 800 Projekte von Privatpersonen und kommerziellen Geldgebern unterstützt werden. Weitere Kampagnen, wie der Wettbewerb "Orte des Respekts", folgten. Zu den Mitgliedern zählen bekannte Persönlichkeiten wie Ex-Bundeskanzler Alfred Gusenbauer, Bauunternehmer Hans Peter Haselsteiner und der Schmuckhersteller Alexander Skrein.
AutorIn:
Hannah Hauptmann
12.10.2016