Kinderrechte – weltweit anerkannt, weltweit missachtet

Umfassende Verstöße gegen die UN-Kinderrechtskonvention sind immer noch traurige Realität. Doch kann UNICEF am internationalen Tag der Kinderrechte, der jährlich am 20. November begangen wird, auch auf viele positive Veränderungen zurückblicken, die sie seit seiner Einführung 1989 verwirklichen konnte.

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© Hannah Hauptmann
Boto ist erst 16 Jahre alt, als er sich einer lebensnotwendigen Operation unterziehen muss. Er ist Kindersoldat im Südsudan, bis ihn eines Tages eine Kugel am Hals trifft. Laut Angaben des Kinderhilfswerks der Vereinten Nationen (UNICEF) sind seit Beginn des Bürgerkriegs im Südsudan im Jahr 2013 auch 13.000 Kinder unter den Kämpfenden gewesen. Heute schmiedet Boto große Zukunftspläne: er möchte Arzt werden und zu einem Anführer seiner Gemeinschaft aufsteigen. So kann er anderen Menschen helfen und den Krieg hinter sich lassen.

Über Geschichten wie die Botos erfährt man auf der Themenseite #ENDviolence against children von UNICEF. Orte, an denen Kinder Gewalt, Unterdrückung und Missbrauch erfahren, lassen sich aber nicht bloß auf jene Länder reduzieren, in denen Krieg und Armut herrschen. Überall auf der Welt werden Minderjährige Opfer von Übergriffen und Misshandlung, doch geschieht vieles im Verborgenen, weshalb ihnen oft nicht entsprechend geholfen werden kann.

Schutz und Förderung in 54 Artikeln

Es ist erst 27 Jahre her, als die "Konvention über die Rechtes des Kindes" von den Vereinten Nationen verabschiedet wurde. 194 Nationalstaaten haben sie seither ratifiziert, in manchen ist die 54 Artikel umfassende Übereinkunft sogar in der Verfassung verankert worden. So auch in Österreich im Jahr 2011.

Neben dem Schutz vor Missbrauch und Gewalt ist die Förderung von Kindern ein zentrales Anliegen des UN-Kinderhilfswerks. Diese umfasst den Zugang zu Bildung ebenso wie die Veränderung der gesellschaftlichen Position von Kindern und Jugendlichen: Die Persönlichkeitsrechte von Minderjährigen werden seither vermehrt öffentlich diskutiert, ihrer Meinung mehr Beachtung geschenkt.

Der Weg ist noch weit, auch wenn schon viel erreicht wurde

Die Schaffung von Bildungsangeboten ist international eine der wichtigsten Interessen von UNICEF. Wegen der besonders gewaltvollen Konflikte, die aktuell viele Menschen zur Flucht zwingen, hat sich die Zahl der Schulabgängigen in nur wenigen Jahren stark erhöht. 2015 hatten 58 Millionen Kinder im Grundschulalter keinen Zugang zu Bildung, davon werden ihn, laut UNICEF, wohl auch 41 Prozent nie bekommen. 43 Prozent aller Kinder dieser Altersgruppe – die meisten leben in Asien und Afrika – leiden an Blutarmut, die durch Mangelernährung bedingt ist. Und nach einer aktuellen Schätzung sind 168 Millionen im Alter von fünf bis 17 Jahren Opfer von Kinderarbeit. Das entspricht weltweit elf Prozent aller Kinder und Jugendlichen.

Diese Liste ließe sich noch lange fortführen, so etwa in den Bereichen Gesundheit, Menschenhandel und Kinderprostitution. Umfassende Verstöße gegen die UN-Kinderrechtskonvention sind immer noch traurige Realität. Doch kann UNICEF am internationalen Tag der Kinderrechte, der jährlich am 20. November begangen wird, auch auf viele positive Veränderungen zurückblicken, die sie seit seiner Einführung 1989 verwirklichen konnte. Die Sterblichkeitsrate der unter 5-Jährigen hat sich beispielweise seit Anfang der 1990er halbiert. Da sich der Zugang zu Bildung und Gesundheitsversorgung für Frauen stark verbessert hat, sind sie auch eher in der Lage, ihre Kinder zu schützen und zu unterstützen.
UNICEF Sonderbotschafter Liam Neeson über #ENDviolence © UNICEF

Missachtung von Kinderrechten – ein globales Problem

Schon im Vorfeld des UN-Aktionstages konnten in Österreich einige Veranstaltungen besucht werden. Die Wiener Volkshochschulen haben 2017 gar zum "Jahr der Kinderrechte" ernannt und am Sonntagvormittag die kommende Programmreihe vorgestellt. In den nächsten Tagen werden noch einige Termine folgen. So wird die Kinderschutzorganisation die möwe am 22. November ihren Bericht "Aktuelle Studienergebnisse zu Bewusstsein und Einstellung der ÖsterreicherInnen zum Thema Gewalt und Missbrauch an Kindern im Jahr 2016" präsentieren. Denn wie der neue Spot von UNICEF (siehe Video) und die Kampagne #ENDviolence against children zeigen, werden Kinder und Jugendliche überall Opfer von Übergriffen und Misshandlung, auch in Österreich.

Was beinhaltet die UN-Kinderrechtskonvention?

Die UN-Kinderrechtskonvention wurde am 20. November 1989 von der Generalversammlung der Vereinten Nationen verabschiedet. Es sollte noch drei weitere Jahre dauern, ehe sie von den einzelnen Mitgliedsstaaten ratifiziert wurde. Die 54 Artikel der Konvention basieren auf vier Prinzipien, die weltweit jedes Kind schützen und fördern soll, über ethnische, religiöse und soziale Unterschiede hinweg:
 
  • Das Recht auf Gleichbehandlung
  • Wohl des Kindes hat Vorrang
  • Das Recht auf Leben und Entwicklung
  • Achtung vor der Meinung des Kindes

Kinder haben somit Bürgerrechte und sind als eigenständige Persönlichkeiten anzuerkennen. Ihre Situation ist daher nicht nur von gesellschaftlicher Moral abhängig – die Länder sind verpflichtet, Kindern ein Leben unter menschenwürdigen Bedingungen zu garantieren. Ausnahme sind die USA und der Südsudan: sie haben die UN-Kinderrechtskonvention nicht unterschrieben.
AutorIn:
Hannah Hauptmann
20.11.2016