Zukunftsmodell kleinflächige Landwirtschaft

Kleinere, nachhaltig bewirtschaftete Anbauflächen und Viezuchtbetriebe als Schlüssel zur globalen Ernährungssicherheit? Das Programm der UN Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation sieht bis 2030 eine weltweite Reformation der Landwirtschaft vor. Der Welternährungstag am 16.10.2016 gibt jedoch allen Menschen Anlass dazu, sich mit Nachhaltigkeit auseinanderzusetzen.

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© Hannah Hauptmann
Wer an das weltweite Hungerproblem denkt hat fast unweigerlich Bilder von abgemagerten Kindern aus einem namenlosen, afrikanischen Land südlich der Sahara vor Augen. Jahrzehntelang setzten NGOs und Medien auf mitleiderregende Bilder, um auf den Kampf gegen den Hunger aufmerksam zu machen, der für einen dramatisch großen Teil der Weltbevölkerung tägliche Realität ist. Die Strategien haben sich mittlerweile etwas geändert, ebenso wie die internationalen Hilfsprogramme zu Ernährungssicherheit, die heute vor allem "Hilfe zur Selbsthilfe" leisten. Es werden also vermehrt kleinere Gruppen oder Familienverbände mit Know-How und Infrastruktur unterstützt, damit diese selbstständig wirtschaften können.

Am "Welthunger-" beziehungsweise "Welternährungstag", der seit über drei Jahrzehnten von der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen ("Food and Agriculture Organization of the United Nations"; FAO) am 16. Oktober begangen wird, kann zumindest festgehalten werden, dass die Zahl unterernährter Menschen in den letzten 25 Jahren etwas zurückgegangen ist: von über einer Milliarde auf 800 Millionen, obwohl die Weltbevölkerung weiter wächst. Wie die FAO erklärt, geht die größte Bedrohung nicht allein vom rasanten Bevölkerungswachstum aus – bis 2050 werden rund 9,6 Milliarden Menschen auf der Erde leben – sondern vom Klimawandel und der industriellen Landwirtschaft.
World Food Day 2016 - Climate is changing. Food and agriculture must too.

Kampf gegen die kommerzielle Lebensmittelindustrie

Die Vereinten Nationen verfolgen das ehrgeizige Ziel, bis 2030 das globale Problem Hunger vollständig eliminiert zu haben. Dazu legt die FAO eine Rechnung vor, deren Umsetzung ein radikales Umdenken aller Länder voraussetzt: Um alle Menschen ausreichend mit Nahrungsmitteln versorgen zu können, müsse nicht etwa mehr in die industrielle Landwirtschaft investiert werden – das Gegenteil sei der Fall. Kleinere Gemeinschaften sollen wieder Zugang zu Ressourcen erhalten und diese nachhaltig bewirtschaften, während "Global Players" und Großkonzerne aus dem Ackerbau, der Viehzucht und Fischerei zurückgedrängt werden müssen. Damit hat die FAO einen mächtigen Kontrahenten beim Namen genannt und muss sich auf intensive Arbeitsjahre einstellen, wenn sie ihr Ziel für 2030 annähernd erreichen möchte. Die Auswirkungen des Klimawandels, wie extreme Temperaturschwankungen bis hin zu Naturkatastrophen, die für einen Ernteausfall nach dem anderen verantwortlich sind, könnten so jedenfalls eingeschränkt werden:

Eines der größten Probleme im Zusammenhang mit dem Klimawandel ist Ernährungssicherheit. Die Ärmsten der Welt – von denen viele Bauern, Fischer und Hirten sind – sind am schlimmsten von den höheren Temperaturen und den zunehmenden wetterbedingten Katastrophen betroffen.
FAO (online 2016, aus dem Englischen übersetzt)

Wir alle sind gefragt

Es ist also nicht damit getan, internationale Hilfsprogramme finanziell zu unterstützen. Auch die Folgen der kommerziellen Lebensmittelindustrie (wie nährstoffarme Böden, Bodenerosion, die Zunahme an Treibhaus- und Metangasen durch Viehzucht sowie die Überfischung der Meere) sind vielen Menschen mittlerweile wohlbekannt. Doch das Wissen um Ursachen und Auswirkungen allein reicht nicht aus: unser Konsumverhalten muss auch an diese angepasst werden. Damit bestimmen wir die Zukunft der Erde mit und nehmen Einfluss darauf, ob alle Menschen Zugang zu Nahrungsmitteln erhalten.

Die FAO hat dazu eine Liste mit Tipps veröffentlicht, die über "kauft biologisch, fairtrade und regional" wie auch "verschwendet kein Wasser" hinaus gehen: So könnte sich CO2-reduziertes, ökologisches Reisen in näherer Zukunft zu einem sinnvollen Trend entwickeln. Darüber hinaus können wir alle in unserem Umfeld Bewusstsein schaffen, wie etwa der Poster- und Videowettbewerb der FAO zeigt. Kinder aus aller Welt wurden dazu aufgerufen, Poster zum Welternährungstag zu entwerfen. Die Ergebnisse aus den drei Altersgruppen (5 bis 8 Jahre, 9 bis 12 Jahre und 13 bis 19 Jahre) sind beeindruckend. Der Gewinner oder die Gewinnerin des Videowettbewerbs steht noch nicht fest. Und in Rom wird am 16. Oktober bereits zum zehnten Mal beim Zero-Hunger-Run der FAO für den guten Zweck um die Wette gelaufen.

Die FAO - über 70 Jahre aktiv

Wenige Wochen nach Beendigung des Zweiten Weltkriegs trafen in Kanada Vertreter aus 42 Ländern mit dem Ziel zusammen, der gesamten Weltbevölkerung eine Zukunft ohne Hunger und Mangelernährung zu ermöglichen. Im Zuge dieser Konferenz wurde am 16. Oktober 1945 die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation gegründet, die damit eine der ältesten UN-Sonderorganisationen ist. 1979 erklärte sie ihr Gründungsdatum zum Welternährungstag. Eine der Hauptaufgaben der FAO mit Sitz in Rom ist die Förderung nachhaltiger Landwirtschaftsprojekte insbesondere in jenen 54 Ländern, die als "Low-Income Food-Deficit Countries" eingestuft sind. 37 dieser Staaten liegen in Afrika, das entspricht etwa zwei Drittel aller Länder des Kontinents, der ebenfalls 54 Nationen zählt. Seit 2011 ist der brasilianische Ökonom José Graziano da Silva Vorsitzender der FAO.
16.10.2016