Wege aus der Kinderarbeit

Jedes zehnte Kind weltweit ist von Kinderarbeit unter schädlichen Bedingungen betroffen.

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Ein Junge, der in einer Schmiedewerkstatt arbeitet © International Labour Organization (ILO)
Arbeit, die psychisch, physisch, sozial oder moralisch gefährdend und schädlich für Kinder ist und wodurch Kinder ihrer Schulausbildung entweder gänzlich beraubt werden, diese vorzeitig abbrechen müssen oder dazu gezwungen werden, neben dem Schulbesuch harter Arbeit nachzugehen. So etwa definiert die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) als Sonderorganisation der Vereinten Nationen den Begriff Kinderarbeit.

Laut Schätzungen (Bericht "Marking Progress against child labour") der ILO aus dem Jahr 2012 sind 168 Millionen Kinder im Alter von fünf bis 17 Jahren weltweit von diesen Umständen betroffen, also rund 11% aller Kinder dieser Altersgruppe. 85 Millionen Kinder arbeiten gar unter stark gefährdenden Bedingungen. Am höchsten ist das Risiko von Kinderarbeit in Subsahara-Afrika, wo rund 20% der Minderjährigen Kinderarbeit nachgehen.

Die Entwicklung der veröffentlichten Zahlen der ILO und ihrem Internationalen Programm zur Beseitigung der Kinderarbeit (IPEC) zeigt, dass Kinderarbeit im Zeitraum 2000-2012 weltweit um beinahe ein Drittel abgenommen hat; die Zahlen der Mädchen verringerten sich um 40%, jene der Buben um 25%.

Während die meisten der weltweit arbeitenden Kinder in Asien und dem Pazifikraum leben (77,72 Mio.), liegt der prozentuell höchste Wert der Verbreitung der Kinderarbeit mit 21,4% in Subsahara-Afrika (59,03 Mio.). Statistiken zur sektoralen Verteilung zeigen weiters, dass im Jahr 2012 rund 59% der Kinderarbeit im Landwirtschaftssektor stattfindet, 7% im industriellen und 32% im Dienstleitungssektor.

Natürlich sind dies nur Schätzungen, denn gefährdende Arbeitsbedingungen für Kinder sind nur selten sichtbar. Oft versteckt sich Kinderarbeit in der Familie, Abertausende Kinder arbeiten und leben auf der Straße. Auch finden die schlimmsten Formen der Ausbeutung wie etwa Kinderprostitution und Zwangsarbeit im Verborgenen statt und sind somit schwer zu beziffern.

Alternativen schaffen


Die Zweischneidigkeit der Kinderarbeit liegt in der prekären Lage der betroffenen Kinder und ihrer Familien. Sie stammen aus sozial benachteiligten Gesellschaftsschichten wie etwa den untersten Kasten Indiens oder sind Angehörige indigener Völker. Aufgrund der schwerwiegenden Armut müssen die Kinder zum Familieneinkommen beitragen, Schulbilldung - als Chance, der Armut langfristig zu entkommen - bleibt ihnen somit verwehrt.

Kindergewerkschaften in Bolivien kämpften hingegen für ihr Recht auf Arbeit und gegen ein Verbot der Kinderarbeit. Der Grund: Während ihrer augeübten Tätigkeit werden die Kinder oft um ihre Bezahlung gebracht, ausgebeutet, denn sie haben keine Rechte beim Nachgehen der illegalen Kinderarbeit. Eine der komplexen Fragen lautet nun: Inwiefern können Kinder selbst beurteilen, ob ihnen das Ausüben eines Berufes schadet?

Im Juli vergangenen Jahres wurde in Bolivien schließlich ein neues Kinder- und Jugendgesetz beschlossen, demnach es Kindern erlaubt ist, ab dem Alter von zehn Jahren einer selbstständigen beruflichen Tätigkeit nachzugehen, wenn diese auch eine Schule besuchen und eine Sondergenehmigung der staatlichen Kinder- und Arbeitsschutzbehörde eingeholt haben.

Möchte Kinderarbeit also nachhaltig bekämpft werden, müssen Alternativen geschaffen werden. Grundversorgung, Zugang zu qualitativer Schulbildung und Betreuungsmöglichkeiten müssen etwa gewährleistet sein, um die Armut der betroffenen Familien und Kinder nicht zu verschärfen.
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Waisenkind in Sucre, Bolivien © James Southorn

Hilfsprojekte

Internationale Hilfsorganisationen wie Unicef, SOS Kinderdorf, Jugend Eine Welt und Kindernothilfe engagieren sich nachhaltig im Kampf gegen Kinderarbeit und bieten betroffenen Kindern und deren Familien umfassende Hilfestellungen.

Jugend Eine Welt hilft Kindern unter prekären Arbeitsbedingungen in indischen Ziegelfabriken und bietet ihnen nahrhafte Mahlzeiten als auch Zugang zu Schulbildung (Mehr), bietet umfassende Hilfe für Buben als Opfer von Kinderprostitution in Sri Lanka (Mehr) sowie für Kinder als Sklavenarbeiter in den Steinbrüchen Indiens (Mehr).

Die Kindernothilfe richtet ein Hilfsprojekt an 350 Kinder der indischen Tamilen im Hochland Sri Lankas. Ziel ist es, Kinderarbeit zu bekämpfen, Kinder vor Gewalt und Missbrauch zu schützen und ihnen anstelle der Arbeit auf den Teeplantagen Zugang zu Schulbildung zu gewähren (Mehr).

Franz Hilf setzt sich für die arbeitenden Kinder in den Diamantminen der Demokratischen Republik Kongo ein. Die Kinder leiden durch die schwere Arbeit in den Minen häufig an Verletzungen, welche in der errichteten Gesundheitsstation ordentlich versorgt werden können (Mehr).

Die Dreikönigsaktion bietet im Zuge dieses Hilfsprojekts Unterstützung für obdachlose Kinder die auf den Straßen im bolivianischen El Alto leben und arbeiten (Mehr).

In Ägypten engagiert sich der Entwicklungshilfeklub für die arbeitenden Kinder Kairos. Nahrungsmittelversorgung, psychologische und medizinische Betreuung und Schulausbildung sind die Schwerpunkte des Projekts (Mehr).

Die Volkshilfe bietet 400 von Kinderarbeit betroffenen Buben und Mädchen im indischen Madurai Betreuung und Schulbildung (Mehr).
27.05.2015