Von Armut zu sozialer Ausgrenzung

Armut in Österreich hat viele Gesichter. Es beginnt mit Armutsgefährdung wegen zu geringem Einkommen und kann damit enden, dass Heizkosten oder Lebensmittel nicht mehr bezahlt werden können. Häufig vergessen wird dabei die soziale Komponente.

Österreich ist eines der reichsten Länder der Welt. Trotzdem ist Armut ein nicht zu unterschätzendes Thema im Land. 1.542.000 Menschen waren in Österreich im Jahr 2016 von Armut oder Ausgrenzung gefährdet. Das sind 18 Prozent der Gesamtbevölkerung. Um diese Zahlen richtig verstehen zu können, ist es wichtig zu wissen, was Armut in Österreich eigentlich bedeutet.
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In Statistiken werden drei Abstufungen von Armut unterschieden: Menschen, die von Armut gefährdet sind, Menschen mit keinem oder geringem Einkommen und materiell benachteilige Menschen. © spendeninfo.at / Quelle: Statistik Austria

Facetten von Armut

In Österreich wird zwischen drei Abstufungen von Armut unterschieden (siehe Grafik).
Armutsgefährdet sind Personen, deren Einkommen unter der Armutsgefährdungs-Schwelle liegt. Konkret liegt diese Schwelle in Österreich für einen Ein-Personen-Haushalt bei einem Einkommen unter 1.185 Euro pro Monat und erhöht sich mit zunehmender Zahl an Erwachsenen und Kindern im Haushalt. Personen mit einem Einkommen unter dieser Gefährdungsschwelle verdienen weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens in Österreich.

Haushalte, die ihr Erwerbspotential um weniger als 20 Prozent ausschöpfen, werden in Erhebungen als Haushalte mit keiner oder geringer Erwerbsintensität bezeichnet. Das heißt, dass die Personen im Haushalt zwischen 18 und 59 Jahren gemeinsam nur ein Fünftel der Summe verdienen, die dem österreichischen Median-Einkommen entsprechen würde.

Erheblich materiell depriviert bedeutet, dass sich ein Haushalt wesentliche Güter nicht leisten kann, weil das Einkommen zu gering ist. Hier werden konkret neun Merkmale definiert – treffen vier dieser Merkmale auf einen Haushalt zu, gilt er als erheblich materiell depriviert. Konkret geht es dabei um die Möglichkeit, unerwartete Ausgaben bezahlen zu können, eine Woche im Jahr Urlaub zu machen, eine Waschmaschine zu besitzen oder die Wohnung angemessen heizen zu können.

Armut macht krank

Wer Schwierigkeiten hat, seine Wäsche regelmäßig zu waschen oder sich kein Handy leisten kann, leidet nicht nur unter finanzieller Not. Menschen, die von Armut betroffen sind, können auch nur unter erschwerten Umständen am sozialen Leben teilhaben. Diese soziale Isolation und innerlicher Stress führen dazu, dass armutsbetroffene Menschen häufiger unter körperlichen und psychischen Krankheiten leiden. Diese soziale Komponente von Armut war dieses Jahr auch Schwerpunkt der jährlich stattfindenden Armutskonferenz, auf der unter dem Motto „Achtung“ über die Bedeutung von Anerkennung bei der Bekämpfung von Armut diskutiert wurde.

Diese Anerkennung spielt nicht nur im Alltag oder am Sozialamt eine Rolle. Auch Hilfsprojekte können so gestaltet werden, dass Betroffenen nicht nur materielle Hilfe, sondern auch soziale Wärme und Respekt entgegengebracht wird. Auf spendeninfo.at finden Sie Projekte, durch die von Armut betroffene Menschen Anerkennung erhalten.
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© Walter Grösel

Rotes Kreuz | Amber Med

Durch das Kooperationsprojekt von Diakonie Flüchtlingsdienst und Rotem Kreuz werden Menschen ohne Krankenversicherung unterstützt. Die Betroffenen können kostenlos ambulante medizinische Versorgung und soziale Beratung in Anspruch nehmen. Mehr...
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© Walter Grösel

Neunerhaus | Housing First

Grundgedanke des Projektes ist es, obdachlosen Menschen das Leben in einer eigenen Wohnung zu ermöglichen. Durch das Wohnen in einem stabilen Umfeld soll den Betroffenen die Möglichkeit gegeben werden, psychiatrische und/oder Sucht-Probleme in den Griff zu bekommen und neu durchzustarten. Mehr...
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© Walter Grösel

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Das Projekt "mittendrin" ermöglicht ehemaligen Obdachlosen, mit Studierenden gemeinsam in einem Wohnhaus am Alsergrund zu leben. Die BewohnerInnen sind in zehn Wohngemeinschaften untergebracht. Außerdem gibt es Gemeinschaftsräume, Werkstätten und Studienräume. Einige BewohnerInnen arbeiten auch immer wieder im Lokal "mittendrin". Mehr...
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Für Alleinerziehende ist es oft nur selten möglich, Zeit für sich selbst zu finden. Davon abgesehen fehlt in vielen Fällen das Geld für einen Urlaub. Die Vokshilfe Steiermark bietet Alleinerziehenden kostenlose Kinderbetreuung. Währenddessen können die alleinerziehenden Mütter und Väter zur Ruhe kommen und auch psychosoziale Betreuung in Anspruch nehmen. Mehr...
AutorIn:
Elisa Heißenberger
05.04.2018