Voices for Refugees: Heinz Fischer

Die Ansprache des Bundespräsidenten anlässlich der Solidaritätskundgebung am 3. Oktober am Heldenplatz

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© Carina Karlovits/HBF
Ein ganz großes und ein ganz herzliches Dankeschön an euch alle. Wenn man da hier oben steht ist man wirklich überwältigt, so was hat es jahrelang nicht gegeben - vielleicht Jahrzehnte - und es ist eine so deutliche Sprache die hier gesprochen wird durch diese Veranstaltung, dass man das gar nicht übersehen und überhören kann.

Ein ganz großes Dankeschön auch den Veranstaltern, die den Mut und die Idee gehabt haben, hierher einzuladen. Einen so riesigen Platz zu füllen, dass kann auch schief gehen. Aber wenn man es für eine gute Sache tut, dann funktioniert das - und heute funktioniert das eindrucksvoll; Dankeschön.

"Voices for Refugees", das heißt einerseits, die Stimme zu erheben für Flüchtlinge, das heißt andererseits auch, den Flüchtlingen eine Stimme geben, ihnen Gehör verschaffen, zu zeigen, dass Flüchtlinge ja nicht nur eine anonyme Masse sind, sondern eine große Zahl von Flüchtlingen besteht aus lauter einzelnen Menschen. Aus Schwestern und Brüdern, aus Männern und Frauen, aus Vätern und Kindern, und das müssen wir sehen, damit wir die richtige Einstellung haben und das Herz öffnen können, gegenüber diesen Menschen.

Meine lieben Freunde und Freundinnen,

die österreichische Zivilgesellschaft hat in den letzten Wochen etwas bewiesen, was auch im Ausland registriert wird. Ich begrüße auch alle, die im Fernsehen zuschauen und Fernsehstationen aus vielen Ländern in ganz Europa und auch außerhalb Europas. Sie sollen das richtige Wien kennenlernen, die Wienerinnen und Wiener, die Österreicherinnen und Österreicher.

Was Menschen in Not brauchen, ist Zuwendung, ist Verständnis. Wir dürfen uns nicht abwenden und umdrehen, wir müssen uns ihnen zuwenden und Verständnis haben für Ihre Situation, damit jeder einzelne Mensch, jeder einzelne Flüchtling eine Chance hat, seine Situation zu meistern. Wieder Halt zu finden, wieder Wurzeln und ein menschenwürdiges Dasein zu finden.

Das ist unsere Aufgabe. Und ich sage aber mit Deutlichkeit auch und gerade hier: Ich wende mich auch nicht von jenen ab, die vielleicht Angst haben, die vielleicht Sorgen haben. Gerade mit denen muss man auch das Gespräch führen, man muss sie aufklären. Wo ich mich abwende, das sind diejenigen, die aus der Not von Flüchtlingen ein Geschäft machen wollen - irgendeines - ein finanzielles oder ein politisches.
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© Carina Karlovits/HBF

Liebe Freunde, meine Damen und Herren,

ich weiß, dass die Probleme, die es gibt, groß sind. Und ich weiß, dass sie große Anstrengungen erfordern werden. Aber ich bin fest überzeugt, sie sind nicht unlösbar: sie sind lösbar - und sie sind lösbar, wenn wir auf allen Ebenen tun, was notwendig ist. Auf der internationalen Ebene zum Beispiel diesen schrecklichen Krieg in Syrien zu stoppen. Auf der internationalen Ebene auch den Ländern, die schon Millionen Flüchtlinge aufgenommen haben - Libanon, oder Türkei, oder Jordanien - diesen Ländern zu helfen, das ist die eine Ebene.

Die europäische Ebene ist auch gefordert, und zwar dringend gefordert, und zwar alle Staaten der Europäischen Union ohne Ausnahme müssen hier beitragen. Auf österreichischer Ebene - auf nationaler Ebene - müssen wir uns auch anstrengen. Da kann man sich nicht weg ducken, da kann man nicht weg schauen. Ich bin gerade jetzt vor einer Minute gefragt worden, was kann denn ein Einzelner eigentlich tun: Meine Antwort ist: glaubt nicht, dass die Gesellschaft als Ganzes etwas anderes ist, als eine Summe von Einzelnen. Wenn wir von der Gesellschaft etwas erwarten, dann muss auch jeder Einzelne auf seine Art und nach seinen Möglichkeiten einen größeren oder einen kleineren, aber auf jeden Fall einen Beitrag leisten. Das ist notwendig.

Liebe Anwesende,

ihr habt ein so schönes und super Kulturprogramm, und so viele junge Menschen und Künstler, die hier den Abend mit euch verbringen. Ich will mich kurz fassen, ich will nur noch einmal sagen: Danke an alle die gekommen sind, danke an alle, die in den letzten Wochen und Monaten geholfen haben - jeder auf seine Art - und ich bin stolz auf Euch, ich bin stolz auf Wien, ich bin stolz auf Österreich. Vielen Dank!
05.10.2015