Spendenweltmeister Österreich?

Aber nicht nur in Österreich, auch in Deutschland oder der Schweiz fühlt man sich öfter mal als Spendenweltmeister.

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Siegerpodest © Svilen.milev - http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Victory_podium.png#globalusage
Dieses Bild hält sich hartnäckig, und in der Selbstwahrnehmung sind und bleiben wir Österreicher Spendenweltmeister. Die „Hilfsbereitschaft der Österreicher bei Katastrophen“ ist etwas, worauf wir stolz sind. Zwar nicht ganz so stolz wie auf unsere landschaftliche Schönheit oder die österreichische Küche, aber immerhin stolzer als auf unsere Sehenswürdigkeiten oder gar die politische Stabilität im Lande. Das ergab zumindest eine Umfrage des Standards zum Nationalfeiertag 2012.

Warum und seit wann wir „Spendenweltmeister“ sind, weiß wohl keiner mehr. Auch sind wir es nicht allein. Alle Jahre wieder und natürlich zur Weihnachtszeit geistert dieser Stehsatz durch die Medien des Landes. Wie der alljährliche Stau am Osterwochenende oder steigende Spritpreise zu Ferienbeginn. Nicht nur in Österreich, sondern auch in Deutschland und der Schweiz fühlt man sich öfter mal als Spendenweltmeister.

Ein nüchterner Blick auf die Zahlen hilft weiter: Der World Giving Index 2013, eine Art Rangliste der Wohltätigkeit unter Berücksichtigung von Geldspenden, freiwilliger Arbeit und prinzipieller Hilfsbereitschaft, listet Österreich immerhin an 15. Stelle, sieben Plätze vor Deutschland, drei hinter der Schweiz. Weltranglisten-Erster sind die USA.

Der Spendenbericht 2014 des Fundraising Verbandes Austria (FVA) beziffert das durchschnittliche Spendenaufkommen pro Einwohner mit 64,94 Euro. Immerhin knappe fünf Euro mehr als im Vorjahr. Damit spendet der imaginäre Durchschnitts-Österreicher weniger als sein deutscher (91,79 Euro) und schweizerische Nachbar (174,29 Euro). In dieser Statistik liegen auch die USA vorne. 849,80 Euro pro Einwohner spendet man durchschnittlich im Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Wobei die Spendenkultur in den Staaten sicherlich eine andere ist. Weniger Staat, mehr privat – eine Sichtweise, die sich auch im Spendenvolumen niederschlägt.

Der FVA erwartet für 2014 ein ähnliches Spendenvolumen wie 2013, rund 550 Millionen Euro. 60 % der Österreicherinnen und Österreicher spenden, demnach beträgt die durchschnittliche Höhe einer Spende rund 110 Euro. Und am liebsten für Kinder, Tiere und Katastrophenhilfe im Inland. Ganz allgemein formuliert, spendet Herr und Frau Österreicher am liebsten anlassbezogen, eher für hungernde Kinder denn für pflegebedürftige Alte, lieber für Opfer einer Naturkatastrophe denn für jene eines Bürgerkrieges. Und je näher - geographisch gesehen - die Katastrophe, umso größer die Spenden- und Hilfsbereitschaft.

Der Tsunami 2004 löste die bis dato größte Spendenwelle überhaupt aus. Einerseits geschah die Katstrophe zu Weihnachten, zu einer Zeit in der in etwa 20 % aller Spenden eingehen, andererseits gab es eindrucksvolle Bilder der Katastrophe. Nicht zuletzt fand diese Katstrophe zwar mehr oder weniger am anderen Ende der Welt statt, aber in einer beliebten Urlaubsregion, die vielen persönlich bekannt war. All dies schlug sich in der Höhe der Spenden nieder.

Weiblich, älter, religiös

Statistisch kann man nicht nur belegen, wofür gespendet wird, sondern auch von wem. Und der Jackpot eines jeden Spendenwerbers in Österreich, die heimatliche Superspenderin, wäre demnach über 64 Jahre alt, verwitwete Hausfrau, Kirchgängerin, aus dem Westen Österreichs, mit höherer Schulbildung und einem Haushaltseinkommen über 2.000 Euro.

Im Land der selbsternannten Spendenweltmeister lassen sich auch gewisse Unterschiede ausmachen. Denn in Salzburg, Tirol und Vorarlberg spendet man durchschnittlich 191 Euro, in der Steiermark (67 Euro pro Spende) und Kärnten (62 Euro pro Spende) deutlich weniger. In Niederösterreich und Burgenland spenden statistisch geschehen die meisten Menschen, 71 % der Bevölkerung, um die 10 % mehr als in Westösterreich, allerdings etwas weniger. 111 Euro beträgt die Durchschnittsspende im Jahr in den diesen beiden Bundesländern.
26.01.2015