Schulstart am internationalen Tag der Wohltätigkeit

Diesen zwei Terminen einen gemeinsamen Artikel zu widmen ist weniger weit hergeholt, als es vielleicht den Anschein hat. Denn zahlreiche Familien sind jedes Jahr auf Unterstützung angewiesen, um den Schulstart ihrer Kinder finanzieren zu können. spendeninfo.at hat für Hilfesuchende eine Projektliste zusammengestellt.

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Am 5. September beginnt in Ostösterreich wieder die Schule. © Johannes Staffans
Bislang zog der internationale Tag der Wohltätigkeit noch nicht viel mediale Aufmerksamkeit auf sich. Kein Wunder, wird er an diesem 5. September erst zum vierten Mal begangen. Das Datum für den Aktionstag wurde von der Generalversammlung der Vereinten Nationen nicht zufällig gewählt: gleichzeitig soll Mutter Teresa gedacht werden, die am 5. September 1997 in Kalkutta verstarb. Erst gestern ernannte Papst Franziskus die indische Ordensschwester albanischer Herkunft zur Heiligen Teresa von Kalkutta.

Die UN-Resolution zum Aktionstag aus dem Jahr 2012 hält fest, dass immer noch unzählige Menschen aus aller Welt aus unterschiedlichen, meist sozio-ökonomsichen Gründen ihr Auskommen nicht allein bestreiten können und daher auf Wohltätigkeit angewiesen sind. So investierte die Austrian Development Agency im Jahr 2015 knapp 112 Millionen Euro in weltweite Hilfsprojekte, während Herr und Frau Österreicher insgesamt 600 Millionen Euro an heimische wie internationale Hilfsorganisationen spendeten. Laut Fundraising Verband Austria gingen über 12 Millionen Euro an Flüchtlingshilfe-Projekte.

In Europa und Nordamerika erhalten besonders jene Vereine und Stiftungen viel Aufmerksamkeit (und im weiteren finanzielle Unterstützung), die sich der Prävention, Erforschung und Bekämpfung von Krankheiten widmen. Dabei ist Armut ebenso ein weltweites Problem, von dem auch hierzulande unzählige Menschen betroffen sind. Nach Angaben der österreichischen Armutskonferenz mussten in den letzten Jahren etwa 14 Prozent aller ÖsterreicherInnen von einem Einkommen unter der Armutsschwelle leben, darüber hinaus ist jede bzw. jeder Fünfte armuts- oder ausgrenzungsgefährdet.

Schulstart macht Armut in Österreich sichtbar

In diesem Jahr fällt der Schulbeginn in Ostösterreich ebenfalls auf den 5. September. Nach den langen Sommerferien betrachten viele Kinder und Jugendliche diesen Tag wohl mit gemischten Gefühlen, während er für zahlreiche Eltern vor allem eines ist: eine finanzielle Belastung. Durchschnittlich 300 Euro kostet der Schulstart laut Volkshilfe und die Arbeiterkammer Steierkmark berechnete, dass Eltern im Schuljahr 2013/14 1.417 Euro pro Kind ausgeben mussten.

Zu den heutigen zwei Anlässen – dem internationalen Tag der Wohltätigkeit und dem Beginn des neuen Schuljahres – macht spendeninfo.at auf unterstützenswerte Programme aufmerksam, die den Schulstart für SchülerInnen und Eltern in Österreich so reibungslos wie möglich machen möchten. Für nur 25 Euro kann für bedürftige Kinder eine Caritas-Schultasche gespendet werden, gefüllt mit allerlei nützlichen Lernutensilien. Die Volkshilfe kooperiert zum selben Zweck mit einer bekannten Büro- und Schulbedarfskette: Eltern, deren Einkommen unter der Armutsschwelle liegt, erhalten Libro-Gutscheine für ihre Kinder. Mit insgesamt 60.000 Euro werden bedürftige Familien heuer unterstützt. Care Österreich vergibt zum Schulbeginn 50-Euro-Gutscheine an 350 Flüchtlingskinder an Wiener Schulen und die Stadtdiakonie Wien hat ein eigenes Spendenkonto zur Akuthilfe eingerichtet.

Es ist aber nicht nur die Anschaffung neuer Lernunterlagen und Schreibutensilien, die vielen Familien finanzielle Sorgen bereitet: Wie orf.at im Mai dieses Jahres berichtete, sind 230.000 Kinder und Jugendliche auf Nachhilfeunterricht angewiesen, also 23 Prozent aller SchülerInnen. Insgesamt würde für private Nachhilfe 110 Millionen Euro jährlich ausgegeben werden, rund 790 Euro pro Kind. Es gibt aber kostenlose Alternativen, wie etwa LernLeo des Arbeiter-Samariter-Bunds und die Lerncafés der Caritas.

spendeninfo.at hat für Hilfesuchende eine nützliche Projektliste zu den Themen Schulstart, Nachhilfe und Kinderarmut zusammengestellt. Zudem nehmen die Organisationen gerne Spendenzahlungen entgegen und sind laufend auf der Suche nach ehrenamtlichen HelferInnen.

Anmerkung, 07.09.2016

Wie die Tageszeitung Der Standard berichtet, hat die Arbeiterkammer Österreich am Mittwoch, den 7. September 2016 eine Schulkostenstudie vorgestellt. Bis zu 1.300 Euro zahlen Eltern pro Kind und Jahr im Österreich-Durschnitt. Zusätzlich haben die Bundesländer Wien, Niederösterreich, Steiermark, Salzburg und Tirol eigene Zahlen veröffentlicht. Der Bericht des Burgenlandes folgt am Freitag, den 23. September.
AutorIn:
Hannah Hauptmann
05.09.2016