Spenden auf Höchststand

2015 erneut Anstieg des Spendenaufkommens: ÖsterreicherInnen geben 600 Millionen Euro, jeder Vierte engagiert sich in der Flüchtlingshilfe.

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Ehrenamtliche Helfer des Flüchtlingsnetzwerks Perchtoldsdorf geben Flüchtlingen Deutschunterricht. © Flüchtlingsnetzwerk Perchtoldsdorf
Zum sechsten Mal veröffentlichte der Fundraising Verband Austria am Dienstag die wichtigsten Kennzahlen zum österreichischen Spendenwesen. Wie bereits in den Vorjahren ist auch 2015 wieder ein Anstieg des Spendenaufkommens zu verzeichnen; von 570 Millionen Euro 2014 wird sich das Aufkommen bis Ende dieses Jahres um geschätzte 30 Millionen Euro gesteigert haben.

Prägend für das diesjährige Spendenverhalten waren humanitäre Katastrophen wie das Erdbeben in Nepal und die Flüchtlingssituation in Europa. Die intensive Berichterstattung im Zuge dieser einschneidenden Ereignisse bewirkte einen allgemeinen Anstieg des Spendenaufkommens auch abseits dieser Spendenzwecke. 64% der ÖsterreicherInnen haben 2015 gespendet.

Österreichs SpenderInnen im Vergleich

Innerhalb des Landes zeichnen sich auch 2014 Jahr wieder einige Unterschiede im Bundesländer-Vergleich hinsichtlich Spendenbeteiligung und -höhe ab. Im Vergleich spenden OberösterreicherInnen mit sechs von zehn Personen und im Schnitt 154 pro Spende um 11% häufiger und um 55 Euro mehr als KärntnerInnen und SteirerInnen. Wien liegt mit 108 Euro pro Spende im Mittelfeld und konnte den Anteil der SpenderInnen von 56% auf 66% steigern.

Im Ländervergleich liegt Österreich im europäischen Mittelfeld und wird auch dieses Jahr nicht Spendenweltmeister. Spendeneuropameister ist mit 313 Euro pro EinwohnerIn Großbritannien, im Durchschnitt 19 Euro pro Person wird in der Tschechischen Republik gespendet, ÖsterreicherInnen geben je 70 Euro an Spendenorganisationen. Zum Vergleich: im Land der Spendenweltmeister, den USA, werden pro Einwohner im Schnitt 1.017 Euro gespendet.

Zu den Hauptgründen für eine Geldspende zählen für ÖsterreicherInnen die "Sicherheit, dass ihre Spende ankommt", die "Sympathie der Organisation" sowie die "Solidarität mit den Armen". Ein signifikanter Anstieg ist 2014 hinsichtlich des Motivs "Mitleid" zu verzeichnen, welches von jedem zweiten Befragten genannt wurde. Für ein Drittel der Befragten ist überdies das Spendengütesiegel des spendenwerbenden Vereins mitunter ausschlaggebender Beweggrund für eine Spende.

Zeitspende im Trend

Neben der klassischen Geldspende - weiterhin am liebsten per Erlagschein - spielt immer mehr auch das freiwillige Engagement der ÖsterreicherInnen eine wichtige Rolle. So engagiert sich laut aktuellem Freiwilligenbericht über ein Viertel der Bevölkerung im formellen Bereich der Freiwilligenarbeit (Vereine, Organisationen). 4% aller ÖsterreicherInnen arbeiten etwa ehrenamtlich bei Vereinen im Sozial- und Gesundheitsbereich, 5% im Bereich der Katastrophenhilfs- und Rettungsdienste, für Vereine im Umwelt- und Tierschutzbereich engagieren sich 3% ehrenamtlich.

Dieser Trend zeigt sich aktuell insbesondere in Bezug auf die Flüchtlingshilfe, wobei laut einer Online-Studie (September 2015) des Markt- und Meinungsforschungsinstituts marketagent.com 23% der ÖsterreicherInnen angeben, sich bereits in der Flüchtlingshilfe engagiert zu haben.

Von jenen Personen, die sich für Flüchtlinge einsetzen, gaben wiederum 17% an, freiwillig in Notunterkünften und Flüchtlingsheimen mitgearbeitet zu haben. Den Großteil der Flüchtlingshilfe in Österreich machen jedoch Sach- und Geldspenden aus. Von den in der Flüchtlingshilfe tätigen Personen, gaben sieben von zehn an, sich durch Sachspenden beteiligt zu haben, rund vier von zehn Personen engagierten sich mittels monetärer Zuwendungen.

Von Juni bis Anfang November 2015 wurden in Österreich alleine zwölf Millionen Euro zum Zweck der Flüchtlingshilfe gespendet - dieser Wert wird erfahrungsgemäß bis Ende des Jahres noch steigen, denn die Spenden im letzten Quartal machen rund ein Viertel der Jahresspendensumme aus. Auch Erich Fenninger, Geschäftsführer der Volkshilfe, betont die steigende Solidariät mit geflüchteten Menschen, wobei vermehrt nach dem Motto "Ich helfe, deshalb bin ich" gehandelt werde.

Überblick österreichischer Flüchtlingshilfe-Initiativen

Seit Sommer 2015 steht Ihnen unter spendeninfo.at/fluechtlingshilfe eine interaktive Karte mit aktuell über 180 Privatinitiativen sowie Projekten von NGOs im Bereich der Flüchtlingshilfe in ganz Österreich zur Verfügung. Die von uns erfassten Initiativen und Projekte zeigen Ihnen Möglichkeiten auf, sich mittels einer Zeit-, Sach- oder Wohnraumspende für Flüchtlinge in Ihrer Region zu engagieren und bieten damit eine Alternative zum klassischen monetären Spendenzweck.
 
AutorIn:
Lisa Hummel
02.12.2015