SOS Kinderdorf

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© Walter Grösel

Hermann Gmeiners Idee hat von Tirol aus die ganze Welt erobert.

Um gleich ein Missverständnis auszuräumen: SOS steht für kein Notsignal, sondern für "Societas Socialis" (soziale Gesellschaft). So hieß der Verein, den Hermann Gmeiner gemeinsam mit Studienkollegen 1949 in Innsbruck gründete. Dieser Verein baute bei Imst das erste Kinderdorf für Kriegswaisen. Gmeiner wollte damit der Massenerziehung in Heimen etwas Neues entgegensetzen, ein Aufwachsen unter familienähnlichen Bedingungen ermöglichen.

Lachende, fröhliche Kindergesichter prägen das Image von SOS-Kinderdorf. Die weniger freundliche Vergangenheit von SOS-Kinderdorf hat der Tiroler Historiker Horst Schreiber im Buch "Dem Schweigen verpflichtet. Erfahrungen mit SOS Kinderdorf" aufgearbeitet. Beauftragt wurde er von SOS-Kinderdorf selbst, "um sich als lernende Organisation der eigenen Geschichte besser bewusst zu werden", begründet SOS-Kinderdorf.

"Der Ansatz des familienähnlichen Modells in den Kinderdörfern war patriarchal-autoritär", schildert Schreiber. Der Dorfleiter repräsentierte die väterliche Ordnung und Sanktionsgewalt. Für die Kinderdorf-Mütter gab es keine pädagogische Ausbildung, weil Gmeiner davon ausging, dass "Mütter die Erziehung von Kindern instinktiv in sich haben".

Schreiber berichtet auch über Gewalt und sexuellen Missbrauch in SOS-Kinderdörfern, betont aber, dass es in Kinderdörfern anders als in Kinderheimen keine systematische Gewalt gegeben habe.

Sehr vieles habe sich in den letzten Jahren gebessert, so Schreiber, die "Pädagogik des Herzens und des Bauchs, bei der lange Zeit das Hirn gefehlt hat" gehöre der Vergangenheit an. Heute sei SOS-Kinderdorf "eine sehr gute Organisation".

Und eine weltumspannende. Heute gibt es in 133 Staaten der Welt SOS-Kinderdörfer, die natürlich nicht überall Kinderdorf heißen, sondern SOS Villages d'Enfants, SOS Children's Villages oder Aldeas Infantiles SOS.

Zehn Kinderdörfer in Österreich

Zehn Kinderdörfer - in Altmünster und Rechberg (OÖ), Hinterbrühl (NÖ), Pinkafeld (B), Moosburg (K), Seekirchen (S), Stübing (St), Imst (T), Nußdorf-Debant (Osttirol) und Wien-Floridsdorf - stehen in Österreich. Exakt 766 Kinder leben in diesen zehn österreichischen SOS-Kinderdörfern.

In allen SOS-Kinderdorf-Einrichtungen in Österreich, neben den Kinderdörfern sind das 10 weitere Kinder- und Krisenwohngruppen, sieben Eltern-Kind-Wohngruppen, 33 (betreute) Jugendwohneinrichtungen, drei Gastfamilien, zwei Gesundheitszentren, vier Projekte für ambulante und mobile Familienarbeit, sieben Beratungs- und Nachbetreuungsstellen, elf (betreute) Wohngruppen für minderjährige Flüchtlinge, drei Kindergärten, ein Bildungsprojekt, ein Arbeitsprojekt, ein Begegnungscafé sowie das Integrationsprojekt "SOS-Kinder-Welt", wurden im Jahr 2016 rund 4.442 Kinder und Jugendliche betreut.

Gespendet wurden für SOS-Kinderdorf in Österreich 37,9 Millionen Euro, SOS-Kinderdorf ist damit nach Caritas und Rotem Kreuz die drittgrößte NGO in Österreich.

Eine wichtige Einnahmequelle von SOS-Kinderdorf Österreich sind Patenschaften, es kann aber natürlich - zum Beispiel via Homepage - auch einmalig gespendet werden.

Den Großteil des Geldes gibt SOS-Kinderdorf Österreich auch in Österreich aus, 2016 flossen insgesamt fast 90 Millionen Euro in heimische SOS-Kinderdorf-Einrichtungen und rund 9 Millionen Euro in weltweite Projekte. SOS-Kinderdorf Österreich unterstützt SOS-Kinderdorf-Einrichtungen in Bosnien, Uganda, Nepal, Thailand, Sri Lanka und Peru.

In den Jahren 2014 und 2015 konnte zudem in mehreren Projektländern Nothilfe geleistet werden: auf den Philippinen, in Sierra Leone, Guinea, Liberia, der Ukraine, in Nepal und Syrien

Bekannte Unterstützer von SOS-Kinderdorf sind der Dalai Lama, die Bayern-Stars Philipp Lahm & Dante, Angelina Jolie & Brad Pitt, Bestseller-Autor Henning Mankell, Andreas Ivanschitz, Alfred Dorfer oder Manchester-City-Kapitän Vincent Kompany.

Das Österreichische Spendengütesiegel hat SOS-Kinderdorf schon seit 2001, Spenden sind von der Steuer absetzbar.
13.11.2017