Schwerer Zyklon trifft Jemen

Der vom anhaltenden bewaffneten Konflikt erschütterte Jemen wurde in kurzer Zeit von gleich zwei seltenen Zyklonen getroffen.

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3. November 2015, Zyklon Chapala über dem Jemen. © NASA Goddard Space Flight Center
In der Nacht zum 3. November traf Zyklon Chapala auf die Südostküste des Landes, nachdem der tropische Wirbelsturm zuvor bereits über die vorgelagerte Insel Sokotra zog. Mit Windgeschwindigkeiten von 130 Stundenkilometer hinterließ Chapala schwere Schäden sowohl auf der rund 350 Kilometer entfernten Insel als auch am Festland Jemens.

Die enormen Regenfälle bedingten schwere Überflutungen, mindestens acht Menschen kamen dabei ums Leben, zumindest 60 Personen wurden verletzt. Insgesamt mussten über 51.000 Menschen ihre Häuser verlassen - davon 18.000 Einwohner Sokotras (ein Drittel der Inselbewohner) -, gab UNOCHA am Freitag bekannt.

Zyklon Megh

Nur wenige Tage später, am 8. November, traf ein weiterer Zyklon auf die bereits von Chapala überfluteten und zerstörten Gebiete. Auf der nahezu selben Route traf Zyklon Megh auf die Insel Sokotra, wodurch weitere 18 Personen ums Leben kamen, 60 Menschen verletzt und über 500 Häuser gänzlich zerstört wurden.

Zwei Tage darauf sollte der tropische Wirbelsturm Megh östlich von Aden auf das Festland Jemens treffen. Während sich Zyklon Megh für die Bewohner Sokotras als noch folgenschwerer als Wirbelsturm Chapala erwies, blieben signifikanter Sturm und Niederschlag am jemenitischen Festland diesmal aus.

Als sehr seltenes Vorkommnis wurde bereits Zyklon Chapala definiert. Mit einer derart großen Menge an Niederschlag in manchen Regionen, die regulär in fünf bis zehn Jahren anfällt, sei es der erste Zyklon mit Hurrikane-Stärke im Jemen seit Beginn der Wetteraufzeichnungen, beschrieb etwa Meteorologe Bob Henson.

Das Auftreten des nun zweiten schweren Zyklons in so kurzer Zeit sei "ein absolut außergewöhnliches Ereignis", bekräftigt Clare Nullis, eine Sprecherin der Weltorganisation für Meteorologie der Vereinten Nationen.

Folgen

Dieses außergewöhnliche Ereignis wird besonders schwerwiegende Folgen für jenen Teil der Bevölkerung nach sich ziehen, der bereits zuvor verstärkt unter dem bewaffneten Konflikt und der vorherrschenden humanitären Krise im Land litt. Rund 21,1 Millionen Menschen und somit rund 80% der Bevölkerung Jemens waren bereits vor den Zyklonen auf verschiedenste humanitäre Hilfe angewiesen. (siehe Humanitarian Response Plan - Yemen 2015 der UNOCHA)

Angefangen bei den nun Tausenden zerstörten Häusern, den weggeschwemmten Viehbeständen und Fischerbooten der vielen kleinbäuerlichen Familien bis hin zu den schwerwiegenden gesundheitlichen Folgen.

So hatten bereits zuvor Millionen Menschen im Land keinen Zugang zu sauberem Wasser, durch das starke Hochwasser könnten sich nun Durchfallerkrankungen besonders rasch verbreiten, auch Hepatitis A und Augeninfektionen sind Erkrankungen, deren rasche Ausbreitung nun zu erwarten sind, erklärt Dr. Ahmed Shadoul, Repräsentant der WHO im Jemen.

Wirft man einen Blick auf die längerfristigen gesundheitlichen Folgen, könnten außerdem Stechmücken, die sich aufgrund der Überschwemmungen vermutlich besonders rasch vermehren, Malaria- und Denguefieber-Ausbrüche bedingen, beschreibt Shadoul weiter.

Hilfe

Zahlreiche Hilfsorganisationen leisten bereits seit vielen Jahren humanitäre Hilfe im Jemen.

Unicef liefert Hilfsgüter und versorgt die Bevölkerung im Zuge dessen mit medizinischen Hilfsmitteln, Mikronährstoffpulver als auch mit Hilfsgütern für die Wasserversorgung. (Mehr)

Ärzte ohne Grenzen (MSF) leistet umfassende humanitäre Hilfe in acht Gouvernements Jemens. MSF behandelte von März bis Juni 2015 mitunter 3.800 Kriegsverletzte und versorgt Binnenflüchtlingen mit Wasser und Hilfsgütern. (Mehr)

Jugend eine Welt unterstützt die seit 28 Jahren im Jemen vertretenen Salesianer Don Boscos. Fünf Priester sind noch im Land und kümmern sich um die wenigen Kirchen und Katholiken im Jemen. (Mehr)
10.11.2015