Die unbezahlbare Spende

Sie rettet Leben und ist zugleich unersetzbar: die Blutspende. 365 Tage im Jahr stellt sich der Blutspendedienst des Österreichischen Roten Kreuzes der Herausforderung, ausreichend SpenderInnen zu mobilisieren.

© spendeninfo.at / Kamera: Thomas Kronberger & Monika Knasmillner, Editing: Lisa Hummel
"Etwa alle 90 Sekunden wird eine Bluttransfusion an einen Patienten verabreicht", erklärt Ursula Kreil vom Österreichischen Roten Kreuz im Interview. "Und es könnte jede Person treffen, in die Not zu kommen, auf eine Blutkonserve angewiesen zu sein."

Denn Blut ist unersetzlich. Trotz jahrzehntelanger Forschung in diesem Bereich, wurde noch keine Alternative gefunden, die das gespendete Blut ersetzen könnte. Zudem ist jede Blutspende nur maximal 42 Tage lang haltbar, kann nicht unbegrenzt gelagert werden. Die Herausforderung: laufend genügend SpenderInnen finden. Denn rund 350.000 Blutkonserven werden in Spitälern hierzulande jährlich vergeben.

Obwohl Blutspenden so wichtig ist, geben dennoch nur 3,6% der spendenfähigen ÖsterreicherInnen ihr Blut. Das Österreichische Rote Kreuz (ÖRK) ist seit über 60 Jahren für die Vollversorgung der österreichischen Spitäler durch Blutkonserven zuständig. Um ununterbrochen ausreichend Konserven bereitstellen zu können, arbeitet die Organisation täglich daran BlutspenderInnen zu mobilisieren. Denn Blut wird für viele Zwecke benötigt. Die Versorgung von PatientInnen bei großen Operationen oder nach schweren Unfällen gehört genauso zu den Einsatzgebieten, wie auch die Gruppe chronisch kranker Menschen, die zum Beispiel aufgrund von Chemotherapie fortlaufen auf Blutkonserven angewiesen sind. "Wir müssen jederzeit ausreichend Blutspender finden, um diese Versorgung dann 365 Tage im Jahr aufrechtzuerhalten", betont Kreil, leitende Ärztin der Abnahme in der Blutspendezentrale Wien.
Blutkonserve wird für die Weiterverarbeitung vorbereitet. Blutkonserve wird für die Weiterverarbeitung vorbereitet. Blutkonserve wird für die Weiterverarbeitung vorbereitet. Blutkonserve wird für die Weiterverarbeitung vorbereitet. [1566546364454142.jpg]
Insgesamt werden rund 465ml Blut pro Spende abgenommen. © spendeninfo.at / Monika Knasmillner

Geringer Aufwand, große Wirkung

Und eine Blutspende ist eigentlich ganz simpel. Nach dem Ausfüllen eines Fragebogens und einem kurzen ärztlichen Gespräch samt Blutdruck messen und testen des Blutfarbstoffes geht es schon Richtung Abnahme. "Die Spende selber dauert 5 Minuten im Durchschnitt. Wir entnehmen 465ml und eine Reihe von Blutröhrchen, weil wir zu jeder Spende mehr als 20 Tests machen, um die Qualität, um die Sicherheit der Blutprodukte quasi zu unterstützen und zu gewährleisten", betont die engagierte Ärztin.

Im Anschluss daran erwartet die SpenderInnen auch eine Belohnung, wie Kreil erklärt. Neben dem klassischen "Spendermenü", bestehend aus Würstel und Mannerschnitten, versucht das ÖRK auch vorhandenen Trends zu folgen – so werden mittlerweile auch vegetarische Gerichte angeboten. Als weiteren Anreiz sieht die Ärztin auch die Möglichkeit, sich informieren zu lassen, wenn die Blutspende verwendet wurde, um dieses gute Gefühl des Helfens noch zu verstärken. "Als Blutspender hat man wirklich die Möglichkeit mit einem Aufwand von vielleicht einer halben Stunde etwas zu tun, das für eine Gruppe von Menschen, für schwerkranke Menschen, unersetzlich ist", fasst die Medizinerin zusammen.
Ursula Kreil  Leiterin der Abnahme in der ÖRK-Blutspendezentrale  im Interview.Ursula Kreil  Leiterin der Abnahme in der ÖRK-Blutspendezentrale  im Interview.Ursula Kreil  Leiterin der Abnahme in der ÖRK-Blutspendezentrale  im Interview.Ursula Kreil  Leiterin der Abnahme in der ÖRK-Blutspendezentrale  im Interview.[1566546365912910.jpg]
"Es ist eigentlich eine Win-win-Situation, wenn man Blutspenden geht", wie Ursula Kreil als Leiterin der Abnahme überzeugt ist. © spendeninfo.at / Thomas Kronberger

Vorteile für SpenderInnen & EmpfängerInnen

Natürlich profitieren vor allem die EmpfängerInnen der Blutkonserven von den freiwilligen Spenden. Denn diese werden schließlich nur dann eingesetzt, wenn es wirklich keine Alternative mehr gibt und das Blut de facto als Lebensretter fungiert. Aber es gibt noch weitere Vorteile aufseiten der SpenderInnen, neben kostenloser Mahlzeit und gutem Gefühl. "Wir machen diverse Untersuchungen bei jeder Blutspende, auf Infektionskrankheiten aber auch sehr gezielte Untersuchungen auf viele Faktoren die Blutgruppe betreffend. Da bekommt der Spender auch einen Blutgruppenausweis", hebt die Abnahmeleiterin hervor. "Und die Daten die wir zu dem Spender haben, sollte er selbst mal in die Situation kommen eine Blutkonserve zu benötigen, sind dann bei uns natürlich bereits vorhanden und sehr schnell abrufbar."
Eine Reihe von Ampullen und eine Blutkonserve liegen auf einem Tisch.Eine Reihe von Ampullen und eine Blutkonserve liegen auf einem Tisch.Eine Reihe von Ampullen und eine Blutkonserve liegen auf einem Tisch.Eine Reihe von Ampullen und eine Blutkonserve liegen auf einem Tisch.[1566546356283858.jpg]
Nach der Blutabnahme werden noch zirka 20 Tests durchgeführt, um die Sicherheit des Blutes zu überprüfen. © spendeninfo.at / Thomas Kronberger

Kritische Zeiten und Ausschlusskriterien

Generell können Frauen und Männer ab 18 Jahren, die im Großen und Ganzen gesund sind, Blut spenden. Dennoch gilt: die Sicherheit von SpenderInnen als auch EmpfängerInnen hat höchste Priorität. Aus diesem Grund sind Blutspenden einerseits unentgeltlich, um getäuschte Angaben aufgrund finanzieller Not vorzubeugen. Andererseits gelten Ausschlusskriterien, die Personen eine Zeit lang an einer Blutspende hindern. Reisen in ferne Länder, die beispielsweise Malariarisiko aufweisen, gewisse Medikamente oder auch Viren fallen darunter. "Das heißt, auch so banale Infekte wie Husten, Schnupfen, Fieberblase führen zu einer zeitlich begrenzten Rückstellung, die einfach der Sicherheit des Patienten gilt", erklärt Kreil.

Deshalb sei es auch wichtig, vor jeder Blutabnahme den Fragebogen auszufüllen und das ärztliche Gespräch zu führen, um diese Bedenken beseitigen zu können. Bei Unsicherheiten vor dem Weg zu einer Blutspende könne auch telefonisch beim Blutspender-Service nachgefragt werden. Vor allem im Sommer oder zur Grippezeit fallen aus den genannten Gründen viele SpenderInnen aus. Umso wichtiger ist die Mobilisation neuer Freiwilliger.

Gutes tun und Unersetzliches leisten, mit geringen Zeitaufwand scheint kaum einfacher. "Wir sehen die Blutspende auch als einen Akt der gelebten Solidarität. Es sind die Blutspender die für die, zumindest für den Zeitpunkt, schwächere Gruppe der Patienten freiwillig eine Leistung erbringen, Blut spenden. Das ist im wahrsten Sinne des Wortes ohnehin unbezahlbar und unersetzbar", so Kreil.

"Projekt des Monats" - Zahlen & Fakten

Österreichisches Rotes Kreuz (ÖRK) - Blutspendedienst
  • Kein Ersatzmittel für Blut – kann ausschließlich vom Körper (nach)gebildet werden
  • Blutkonserven sind max. 42 Tage lang haltbar
  • Jährlich werden rund 350.000 Blutkonserven österreichweit benötigt
  • Ca. 220.000 aktive BlutspenderInnen
  • Nur 4% der spendenfähigen ÖsterreicherInnen spenden Blut
  • Mindestalter 18 Jahre
  • Frauen können 4-5 Mal, Männer 6 Mal pro Jahr Blut spenden
  • Blutspende erfolgt freiwillig und unentgeltlich
  • Dauer der Blutspende ca. 30 Min. (Voruntersuchung, ärztliches Gespräch, Blutabnahme, Verköstigung)
ÖRK - Österreichisches Rotes Kreuz
Blutspendezentrale Wien
Wiedner Hauptstraße 32, 1041 Wien-Wieden
Öffnungszeiten Mo&Fr 8.00-17.30, Di-Do 8.00-20.00
Hotline: 0800/190-190
AutorIn:
Monika Knasmillner
02.09.2019