Lernen über Generationen hinweg

2009 aus einer Nachbarschaftsinitiative heraus entstanden, feiert das OMA/OPA-Projekt des Vereins NL40 dieses Jahr sein 10-jähriges Jubiläum. Über 80 Kinder und Jugendliche und mehr als 100 freiwillige SeniorInnen profitieren von dem psychosozialen Lernhilfeprojekt.

Projekt des Monats: Oma/Opa-Projekt - Verein NL40 © spendeninfo.at / Kamera: Thomas Kronberger, Editing: Lisa Hummel
Begonnen hat alles mit dem Zusammenschluss engagierter Einzelpersonen. Aus einer anfänglichen Nachbarschaftsinitiative entwickelte sich die Idee einer "Allianz der Generationen" schnell zu dem interkulturellen Projekt des Vereins "NL40" (Neulerchenfelder Straße 40).

"Daraus ist ein großes, schönes Projekt entstanden, an drei verschiedenen Standorten – jetzt in Krems, in Amstetten und hier in Wien. Und aus vier Lernpaaren sind heute über 80 Kinder und über 100 Freiwillige geworden, die sich gegenseitig unterstützen", erzählt die engagierte Ko-Projektleiterin Sonja Rappold.
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Christin und Sonja sind als Ko-Projektleiterinnen des OMA/OPA-Projekts für die Finanzierung, Koordinierung und Freiwilligenbetreuung zuständig. © spendeninfo.at / Thomas Kronberger

Lernhilfe, nicht Nachhilfe

Das Konzept ist simpel. Aus einem Kind und einzelnen SeniorInnen wird ein Lernpärchen gebildet. Gemeinsames Lernen, Hausaufgaben bewältigen, aber auch Spiele und Gespräche stehen an der Tagesordnung. Unterstützt werden sie von einem professionellen Projektteam. Auf der einen Seite profitieren die Kinder von der Hilfestellung, der für sie individuell ausgewählten Bezugsperson. Auf der anderen Seite finden SeniorInnen eine sinnvolle und erfüllende Beschäftigung und führen ihren persönlichen Lernprozess weiter. Eine Win-win-Situation für alle Beteiligten.

Dabei steht keinesfalls strikte Nachhilfe im Fokus des Projekts, sondern der Beziehungsaufbau zwischen den TeilnehmerInnen. Ein vertrauensvoller Umgang zwischen SchülerInnen und LernhelferInnen und die intensive und wertschätzende Eins-zu-eins-Zuwendung wirken nachhaltig. Sowohl auf schulische Erfolge, als auch auf das individuelle Befinden der Kinder. "Es ist eine Mischung aus Spiel, Arbeit, sich gern haben und vor allem Geduld", unterstreicht Rappold. Daher sind alle Freiwilligen willkommen, ganz egal ob sie den Schulstoff der jeweiligen Klassen beherrschen oder nicht. Es geht darum, gemeinsam einen Lösungsweg für Problemstellungen zu finden, kontinuierlich miteinander zu arbeiten und nicht die schulischen Defizite, sondern die Erfolgserlebnisse hervorzuheben.

Die Kinder kommen vorwiegend aus sozial benachteiligten Familien, haben Flüchtlings- und Migrationshintergrund oder auch alleinerziehende Eltern, die sich teils aus Sprachschwierigkeiten, teils aufgrund der beruflichen Situation nicht optimal um die schulischen Angelegenheiten kümmern können. Um die beste Unterstützung bieten zu können, ist sowohl ein Austausch mit den Eltern relevant, als auch pädagogische Schulungen und Weiterbildungen für die LernhelferInnen.
Das Lernteam Brigitte und Basima erledigen die Mathematikhausaufgaben. Das Lernteam Brigitte und Basima erledigen die Mathematikhausaufgaben. Das Lernteam Brigitte und Basima erledigen die Mathematikhausaufgaben. Das Lernteam Brigitte und Basima erledigen die Mathematikhausaufgaben. [155654422187834.jpg]
Gemeinsam versuchen die Lernhelferin Brigitte und ihr Schützling Basima für jede Hausaufgabe einen Lösungsweg zu erarbeiten. © spendeninfo.at / Thomas Kronberger

Fokus auf Erfolge

Angefangen bei den Hausaufgaben, bis zu Turneinheiten in den Pausen. Den Hula-Hoop-Reifen für ein paar Mal um die Hüfte kreisen lassen oder eine schöne Zeichnung auf die Tafel malen, werden genauso positiv anerkannt, wie eine mathematische Aufgabe zu lösen. Ein Miteinander, das eine durchwegs positive Atmosphäre schafft. Und dies zugunsten der Entwicklung der Kinder und des Engagements der SeniorInnen.

Und die Warteliste ist lang. Durch die Zusammenarbeit mit Volksschulen und den guten Ergebnissen des Projekts melden sich immer mehr Kinder für eine Lernpartnerschaft an. Deshalb sei man stets auf neue Freiwillige angewiesen, um der Nachfrage gerecht werden zu können. Ob jung, ob alt. Ein- bis zweimal wöchentlich für etwa zwei Stunden genügen, um an dem Projekt teilnehmen zu können. Ein unverbindlicher Anruf und schon können in einem anschließenden persönlichen Gespräch mit Sonja Rappold die wichtigsten Fragen abgeklärt und der Verein erstmals kennengelernt werden. Unbürokratisch und einladend. Wie auch das gesamte OMA/OPA-Projekt.

Zudem sei man trotz öffentlicher Förderungen auf Spenden angewiesen. Jeder noch so kleine Betrag ist gern gesehen. Denn für die zusätzliche gesunde Jause für die Kinder, Mütterrunden – in denen die Mütter der Kinder mit den LernhelferInnen zusammengebracht werden – oder Ausflüge ins Museum, sei man dringend auf private Hilfsgelder angewiesen. "Und wir hätten noch viele Ideen, sozusagen im Hintergrund, die wir gerne umsetzen würden", betont die Ko-Projektleiterin mit einem Lächeln.

"Projekt des Monats" - Zahlen & Fakten

OMA/OPA-Projekt (Verein NL40)
  • Lernhilfe für Kinder und Jugendliche, interkulturelles Generationenprojekt
  • Anfänglich Nachbarschaftsinitative von engagierten Einzelpersonen
  • 2009 Start als Pilotprojekt des Vereins NL40 in Wien
  • Weitere Standorte: Krems seit 2011 und Amstetten seit 2013
  • 2018 über 80 Kinder und mehr als 100 freiwillige HelferInnen
  • 1-2mal wöchentliche Lernhilfestunden im vereinseigenen Räumlichkeiten
  • finanziert durch öffentliche Förderungen und Sponsoren
  • Spendenbedarf für Zusatzangebote (Ausflüge, gesunde Jause, Mütterrunden,...)
  • Stetiger Bedarf an Freiwilligen (Lange Warteliste mit Kindern und Jugendlichen)

Spendenkonto: Verein NL40
IBAN: AT42 1200 0523 4000 0303
AutorIn:
Monika Knasmillner
02.05.2019