Multikultureller Austausch im Happy.Market

Während das Gros der 2015 ins Leben gerufenen Flüchtlingshilfe-Initiativen mittlerweile wieder aufgelöst wurde, formierte sich so manch eine freiwillige Gruppierung zu einem Verein. Happy.Thankyou.Moreplease!! erfüllt mit dem Happy.Market speziell auch einen integrativen Zweck.

Projekt des Monats: Happy Market von Happy.Thankyou.Moreplease!! © spendeninfo.at / Elisa Heißenberger
Seinen Anfang nimmt alles in Traiskirchen. Es ist eine dieser vielen privaten Initiativen, die sich im Sommer 2015 aus der großen Not heraus ergibt. Den HelferInnen rund um den später entstandenen Verein Happy.Thankyou.Moreplease!! geht es damals konkret darum, die Geflüchteten im Erstaufnahmezentrum Traiskirchen rasch mit dem Allernötigsten zu versorgen: Es werden Kleider, Schuhe und Hygieneartikel verteilt, aber auch Fahrscheine und Windeln gekauft, wenn es die Geldspenden denn erlauben. Neben den Menschen in Traiskirchen werden wenig später auch Personen in zahlreichen Notunterkünften mit Sachspenden beliefert. Rund ein Jahr darauf entsteht dann ein erweitertes Konzept: der Happy.Market.
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Monika Binder (links) und Tamara Koplmüller arbeiten seit mehreren Jahren ehrenamtlich für den Verein Happy.Thankyou.Moreplease!!. © spendeninfo.at / Elisa Heißenberger

Bedarfsorientierte Spendenvergabe

In dieser Zeit entstehen auch zahlreiche hitzige Diskussionen; eine davon betrifft den angeblich geringschätzenden Umgang mit Sachspenden. Während in den Medien rasch Bilder kursieren, auf denen Wiesenflächen in Traiskirchen mit Kleidung übersät sind, bemühen sich Freiwillige um eine verbesserte, bedarfsorientierte Sachspendenvergabe.

"Im Gegensatz zu den größeren Organisationen, haben wir das System des Verteilens perfektioniert - weil wir gemerkt haben, dass es ein großes Problem war mit dem Müll", erinnert sich Monika Binder als Vereinsmitglied heute. Die InitiatorInnen von Happy.Thankyou.Moreplease!! führten so etwa Bedarfslisten ein, um auch wirklich nur das zu liefern, was dringend benötigt wurde, betont Binder. Ein weiterer Schritt in der Optimierung des Hilfsangebots folgte dann schließlich im Frühjahr 2016. Die Überlegung: "Wir machen einen Markt, wo sie einfach kommen und sich selber aussuchen können, was sie haben wollen", wie die hauptberufliche Sonderpädagogin weiter ausführt.  

Mit der Eröffnung des Happy.Market - zuerst mit Sitz in Wien-Favoriten, später in Hernals - ermöglichte die Initiative von da an nicht nur eine ressourcenschonendere Spendenvergabe. Insbesondere die Selbstbestimmtheit der Hilfesuchenden, die sich im Spendenlager nun in Ruhe etwas aussuchen konnten, stand im Zentrum dieses neuen Ansatzes.
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Shekib Surajsada ist einer der vielen Helfer des Vereins, der anfangs selbst das Angebot der Initiative in Anspruch nahm. © spendeninfo.at / Elisa Heißenberger

Integrativer Zweck

Das Angebot des Sachspenden-Marktes würde auch heute noch überwiegend von Menschen mit Fluchthintergrund in Anspruch genommen. Generell sei jedoch die "Bedürftigkeit" der ausschlaggebende Faktor, erklärt Depotleiterin Tamara Koplmüller. So können ebenso einkommensschwache Personen, mit Mobilpass oder Sozialmarktkarte, im Happy.Market "einkaufen".

Die BesucherInnen des Marktes kommen aber keineswegs nur, wenn sie Gewand benötigen. Der integrative Zweck des Projekts wurde in den Jahren immer mehr zu einem wichtigen Bestandteil - der Happy.Market sei dabei mehr auch "Dreh- und Angelpunkt nicht nur für die Helfer" geworden, beschreibt Monika Binder den sozialen Mehrwert für alle BesucherInnen. So kämen viele etwa auch einfach um Deutsch zu sprechen: "Wir sind ja oft viele verschiedene Nationen und der einzige gemeinsame Punkt ist dann Deutsch zu sprechen."

Ein großer Teil des heutigen Teams von Happy.Thankyou.Moreplease!! nahm einst selbst das Angebot des Happy.Market in Anspruch. Vielfach entwickelten sich auch Freundschaften aus HelferInnen und Schutzsuchenden, wie Tamara Koplmüller abschließend hervorhebt: "Wir profitieren davon am allermeisten. Ich hätte wahrscheinlich sonst nie die Gelegenheit gehabt, in so einen multikulturellen Austausch zu kommen. Und das ist eine irrsinnige Bereicherung im Leben."

Zahlen & Fakten

Happy.Thankyou.Moreplease!!
  • Sommer 2015: Freiwillige schließen sich im Zuge der Flüchtlingswelle zusammen, um den Schutzsuchende in Traiskirchen mit Kleidern und anderen wichtigen Gütern zu versorgen
  • Herbst 2015: Vereinsgründung; Sachspenden werden weiterhin in Traiskirchen sowie in zahlreichen Notunterkünften verteilt
  • Sommer 2016: Einrichtung des Happy.Market im Spendenlager in Wien-Favoriten
  • Frühjahr 2017: Übersiedlung des Happy.Market nach Hernals in die Ottakringer Straße 44

Happy.Market
  • Ressourcenschonende Kleidungsdrehschreibe für Menschen mit Fluchthintergrund sowie Personen mit Mobilpass bzw. Sozialmarktkarte (siehe Ablauf & Anmeldung)
  • Spendenmöglichkeiten: Zeitspenden (z.B. Mitarbeit im Markt, siehe Facebook-Gruppe), Sachspenden (Kleidung, Haushaltsgeräte, etc., siehe Bedarfsliste), Geldspenden (z.B. für Miete des Geschäftslokals)

Happy.Thankyou.Moreplease (Spendenabsetzbarkeit vorauss. ab Sept. 2018)
AT20 2011 1827 4619 5900
AutorIn:
Lisa Hummel
01.06.2018