Jugendfreundschaft ohne Barrieren

Der "Aktionsraum" des Wiener Hilfswerks bietet Jugendlichen mit und ohne Behinderung einen Ort, an dem gemeinsame Freizeitaktivitäten stattfinden können. Nicht selten entstehen dabei auch Freundschaften, oder gar erste Liebesbeziehungen.

Projekt des Monats: Aktionsraum © spendeninfo.at / Kamera: Thomas Kronberger & Elisa Heißenberger, Editing: Elisa Heißenberger
Ergänzend zur "Spielothek" für Kinder und dem "Club 21" für Erwachsene, rundet der "Aktionsraum" das Angebot des Wiener Hilfswerks für Menschen mit Behinderung ab. Jugendliche im Alter von 12 bis 18 Jahren verbringen hier ihre Freizeit mit Basteln, Kochen oder Turnen, unternehmen gemeinsame Ausflüge oder machen, wonach ihnen sonst so gerade ist.

Das abwechslungsreiche Programm wird vom Aktionsraum-Team Monat für Monat neu geplant. Zugleich überlässt es den jungen BesucherInnen aber auch ausreichend Freiheiten und Mitentscheidungsmöglichkeiten. "Wir versuchen, den Jugendlichen einen Raum zu bieten, wo sie selbstbestimmt und selbstständig ihre Freizeit verbringen können, wo wir versuchen, auf ihre Wünsche und ihre individuellen Bedürfnisse einzugehen", wie Angelika Linder, langjährige Leiterin des Aktionsraums, erklärt. Die besondere Niederschwelligkeit des Angebots erlaube es den Jugendlichen schließlich, jeden Tag aufs Neue spontan zu entscheiden, ob sie die Freizeiteinrichtung besuchen wollen oder nicht.
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Als Leiterin des Aktionsraums erzählt Angelika Linder über Freundschaften und auch Liebesbeziehungen, die in der Einrichtung schon zustande kamen. © spendeninfo.at / Elisa Heißenberger

Ein Abnabelungsprozess

Der Nutzen dieses Angebots, das erste und bislang einzige dieser Art in Wien, liegt dabei auf der Hand: junge Erwachsene mit Behinderung verbringen ihre Freizeit mit Gleichaltrigen, tauschen sich aus, lernen etwas von- und übereinander. Die Einrichtung ermöglicht es ihnen, Neues zu erleben und gemeinsame Erfahrungen zu sammeln.

Und auch für die Angehörigen der Jugendlichen hat der Aktionsraum etwas zu bieten: Eltern, die im Gegensatz zur Spielothek im Aktionsraum nicht (mehr) mit dabei sind, erhalten dadurch auch die Möglichkeit, die Zeit für sich zu nutzen. "Es ist mitunter ein gar nicht so einfacher Abnabelungsprozess, der da passiert", betont Linder: "Natürlich sind die Leute unterschiedlich und es geht mal leichter und mal schwieriger. Trotzdem ist es unser Ziel, dass die Jugendlichen alleine bei uns sind."

Erleben die Eltern dann erstmal, wie sich ihre Kinder in die Gruppe einfinden, fällt es ihnen auch leichter, sie alleine zu lassen. "Es war nicht erst einmal ein Gespräch mit einer Mama, die dann gesagt hat: 'Mah, es ist wirklich das allererste Mal, dass ich Zeit am Nachmittag für mich hab, dass mein Kind irgendwo ist, wo ich es gerne lasse'", wie Angelika Linder die Mütter zitiert.
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Für die Jugendlichen bietet der Aktionsraum nicht zuletzt auch einen Ort, an dem sie sich ohne Eltern und Geschwister mit ihren Freunden treffen können. © spendeninfo.at / Elisa Heißenberger

Freundschaft, Liebe, Erwachsenwerden

Kontakte und Freundschaften mit Gleichaltrigen haben im Jugendalter freilich einen ganz besonderen Stellenwert. Nicht nur beginnt man, sich von den Eltern abzunabeln und seine Freunde für die weitaus "cooleren" Zeitgenossen zu halten. Vor allem haben Jugendfreunde auch einen maßgeblichen Einfluss auf die soziale Entwicklung.

Durch die neuen Erfahrungen mit anderen jungen Erwachsenen lernen sie, ihre Bedürfnisse besser auszudrücken. Die räumliche Trennung von den Eltern fördert die Selbstständigkeit und ist letztlich ein wichtiger Schritt in Richtung Erwachsenwerden. Der Aktionsraum biete neben den Freizeitaktivitäten schließlich auch einen Ort, an dem viele Jugendliche erstmals abseits von Schule oder Arbeit auf Gleichaltrige treffen. Die meisten Freundschaften, die hier geknüpft wurden, halten dabei schon über viele Jahre, erzählt Linder stolz. Und: "Es kann auch passieren, dass eine Liebe entsteht."

Zahlen & Fakten

Aktionsraum
  • 2008 erstmals in Büroraum der Zentrale des Wiener Hilfswerks ("Rampenlicht")
  • 2013 als eigene Einrichtung in Wien-Neubau eröffnet
  • Bindeglied zw. Spielothek für Kinder bis 12 Jahre und Club 21 für Erwachsene ab 18 Jahren
  • Freizeiteinrichtung für Jugendliche mit und ohne Behinderung (12-18 Jahre)
  • Programm u.a.: Kochworkshops, Sport, Ausflüge, kreative Spiele, monatliche Teenie-Disco
  • 2017 1.729 Besuche (5 MitarbeiterInnen, 3 Freiwillige)
  • Finanzierung durch Förderungen (Fonds Soziales Wien) und Spenden (auch Sach- und Zeitspenden):
 
Wiener Hilfswerk (Spenden steuerlich absetzbar)
Spendenzweck: "Aktionsraum"
IBAN: AT58 2011 1284 4290 7831
AutorIn:
Lisa Hummel
01.10.2018