Pro Juventute

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© Walter Grösel

Betreibt Kinderdörfer in Österreich.

Juventute ist der Ablativ von Juventus, Pro Juventute aber kein Fanclub der "Alten Dame" aus Turin. Im Gegenteil: Das lateinische Pro Juventute bedeutet "für die Jugend".

Apropos nichts am Hut: 1912 wurde in der Schweiz die Stiftung "Pro Juventute" zur Bekämpfung der Tuberkulose bei Kindern und Jugendlichen gegründet. Das Schweizer "Pro Juventute" hat mit dem österreichischen aber nichts zu tun. "Weder rechtlich, finanziell noch organisatorisch bestehen Zusammenhänge oder Abhängigkeiten", betont Pro Juventute Österreich.

Der österreichische Verein wurde 1947, zwei Jahre vor SOS Kinderdorf, als "Österreichische Kinderdorfvereinigung" gegründet. Im Unterschied zu SOS Kinderdorf ist Pro Juventute ausschließlich für Kinder in Österreich tätig.

Bis 1955 wurden im steirischen Rottenmann die ersten vier Häuser gebaut, in denen Kriegswaisen in familienähnlichen Gruppen, betreut von Pflegeeltern, aufwachsen konnten.

"Wir geben Kindern wieder ein Zuhause", ist das Motto von Pro Juventute. Aktuell leben 276 Kinder und Jugendliche in 31 pädagogisch betreuten Wohnhäusern in sechs österreichischen Bundesländern: Im Burgenland, in Nieder- und Oberösterreich, in Salzburg, in der Steiermark und in Tirol. Betreut werden sie von 368 MitarbeiterInnen (Teil - und Vollzeit), die auch 28 Kindertagesplätze betreuen und im Jahr 2016 899 Beratungsgespräche führten.

"Diese Kinder können aus unterschiedlichen Gründen nicht mehr bei ihren Eltern wohnen. Unsere pädagogisch bestens ausgebildeten und erfahrenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter fangen diese Kinder auf, indem sie die Aufgaben der Eltern übernehmen: Sie geben ihnen Schutz und Geborgenheit", erklärt die Hilfsorganisation.

Keine Geborgenheit bekamen drei Buben und zwei Mädchen in einer von Pro Juventute betreuten Familienwohngruppe in Bad Mitterndorf. Die fünf Kinder, die vom Jugendamt von den Eltern weggebracht worden waren, sollen von ihrer Pflegefamilie jahrelang gequält worden sein, laut Anklage mussten die Kinder bei den kleinsten Verfehlungen barfuß im Schnee stehen und Essensentzug über sich ergehen lassen. Manchmal seien sie gezwungen worden, Erbrochenes oder Regenwürmer zu essen. 2013 wurden die Heimleiterin und ihre Stellvertreterin am Landesgericht Leoben zu 17 Monaten teilbedingter Haft verurteilt, ihr Ehemann zu neun und ein Praktikant zu sieben Monaten bedingter Haft.

Pro Juventute hatte 2010 nach einem Hinweis eine Untersuchung in dem Heim eingeleitet und dann Anzeige erstattet. Pro Juventute hat nicht versucht, den Fall zu vertuschen. Die Heimleiterin war fristlos entlassen worden, ihr ebenfalls beschäftigter Ehemann sowie die stellvertretende Leiterin gekündigt.

Pro Juventute ist seit 2002 Trägerin des österreichischen Spendengütesiegels, rund ein Fünftel der Einnahmen kommt aus Spenden. Spenden an Pro Juventute sind von der Steuer absetzbar.
06.10.2017