Private Seenotrettung

Es war der tödlichste Juni im Mittelmeer seit fünf Jahren, wie aktuelle Zahlen der Internationalen Organisation für Migration (IOM) zeigen. Die Seenotrettung, hauptsächlich von Privaten gewährleistet, wird von der Politik zusehends erschwert.

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Die deutsche NGO Sea-Watch patrouilliert seit 2016 vor der libyschen Küste und rettet in Seenot geratene Menschen. © Sea-Watch.org
Die Ankünfte in Italien sinken, die Todesopfer im Mittelmeer steigen weiter an. Es ist eine dramatische Entwicklung, die sich aktuell wieder vor den Grenzen Europas abspielt. Die mediale Berichterstattung über diese Tragödie wird dabei nur noch peripher wahrgenommen, sind wir sie doch schon längst gewohnt.

Konkret seien es 629 Menschen, die im Juni 2018 bei ihrer Flucht über das Mittelmeer ums Leben kamen – ein Anstieg von 100% im Vergleich zu 2014 (318). Währenddessen ist die Zahl der Ankünfte im Juni auf 12.677 Personen gesunken – um 80% weniger als noch 2015 (23.851; für 2014 stehen keine Ankunfts-Zahlen zur Verfügung). Die Zahlen der Organisation für Migration der Vereinten Nationen (IOM) machen deutlich: in den letzten zwei Jahren verdoppelte sich die Todesrate entlang der Mittelmeerroute.

Weitere Bootsunglücke verhindern

Grund für diese katastrophalen Entwicklungen? Während die Seenotrettung im Mittelmeer großteils von Nicht-Regierungs-Organisationen wie Sea-Watch und MOAS gestemmt wird, erschwert die Politik deren Arbeit in den vergangenen Monaten zusehends. So wurde ihnen etwa das Anlegen in italienischen Häfen untersagt, weshalb MOAS seine Tätigkeit im Mittelmeer bereits vergangenen September einstellte. Aktuell verhindern Hafenblockaden in Malta das Auslaufen der Sea-Watch-, Sea Eye- und Lifeline-Schiffe, wieder andere befinden sich gerade in ihren Heimathäfen in Spanien und Frankreich, da nähergelegene Häfen die Geretteten nicht an Land gehen ließen.

„Die politische Entscheidung, die Häfen für die Ausschiffung Geretteter zu schließen, und das totale Chaos im zentralen Mittelmeer, haben zu noch mehr Toten geführt auf dieser ohnehin lebensbedrohlichsten Fluchtroute über das Meer“, erklärt Sophie Beau, Vizepräsidentin von SOS Mediterranée, die gemeinsam mit Ärzte ohne Grenzen ein Rettungsschiff betreiben. Anfang Juni blockierte Italien das Anlegen ihres Schiffes und verhinderte somit, dass die 630 geretteten Menschen an Land gehen konnten.

Keines der bekannten zivilen Rettungsschiffe patrouilliert gerade entlang der zentralen Mittelmeerroute. Die dadurch eingeschränkte Seenotrettung führte in den vergangenen Wochen zu mehreren Bootsunglücken mit Hunderten Todesfällen, wie auch die deutsche Sea-Watch betont. Die wenigen übrigen Rettungsschiffe verfügen kaum über ausreichend Ressourcen, weshalb NGOs vermehrt vor den tragischen Entwicklungen warnen. Mehr denn je sind diese Organisationen auf Spenden angewiesen, um weitere schwere Bootsunglücke verhindern zu können.

Spenden für die Seenotrettung

Die Aquarius von SOS Mediterranée und Ärzte ohne Grenzen (MSF) befindet sich seit Februar 2016 im Einsatz. Aktuell liegt das Rettungsschiff im Hafen in Marseille. Spenden

Die deutsche NGO Sea-Watch ist aktuell mit einem Rettungsschiff und einem Suchflugzeug aktiv. Beide werden jedoch gerade im maltesischen Valletta blockiert. Spenden

Der Verein Sea Eye führt seit 2016 Rettungsmissionen vor der libyschen Küste durch, wodurch allein 13.000 Menschen gerettet werden konnten. Aktuell befindet sich auch ihr Schiff in Valletta, wo es am Auslaufen gehindert wird. Spenden

Mit einem Vorgänger-Schiff der Sea-Watch startete Lifeline 2017 seine Rettungsmission. Auch dieses Schiff befindet sich aufgrund der Hafenblockade in Malta. Spenden

Die spanische Gruppierung Proactiva Open Arms ist seit Juni 2016 mit Rettungsschiffen im zentralen Mittelmeer tätig. Aktuell befinden sie sich in ihrem Heimathafen in Barcelona, um Schiffbrüchige auf dem spanischen Festland abzusetzen. Spenden

Abseits der zentralen Mittelmeerroute, vor der Küste Lesbos', ist das Schiff "Mo Chara" des Vereins Refugee Rescue unterwegs, um Flüchtlinge vor dem Ertrinken zu retten. Nachdem die Überfahrt über das zentrale Mittelmeer aufgrund fehlender Seenotrettung immer gefährlicher wird, ist anzunehmen, dass Menschen vermehrt auf das östliche und westliche Mittelmeer ausweichen werden. Refugee Rescue ist derzeit das einzig aktive Rettungsschiff in der Ägäis. Spenden
AutorIn:
Lisa Hummel
10.07.2018