Österreichisches Rotes Kreuz (ÖRK)

Rotes Kreuz ©Walter Grösel Rotes Kreuz ©Walter Grösel Rotes Kreuz ©Walter Grösel Rotes Kreuz ©Walter Grösel [140974114506152.jpg]
© Walter Grösel

"Aus Liebe zum Menschen." Seit 2009 kommuniziert das ÖRK mit diesem Slogan nach innen wie nach außen und bringt es damit gekonnt auf den Punkt.

Die Geschichte des Roten Kreuz ist eng mit jener Österreichs und seiner Nachbarländer verbunden. Solferino ist der Geburtsort, der Geburtstag der 24. Juni 1859. An diesem Tag wurde die kleine Ortschaft südlich des Gardasees Schauplatz eines fürchterlichen Gemetzels. Italienische und französische Truppen trafen auf jene Österreichs, die Generäle führten auf beiden Seiten jeweils über 110.000 Soldaten in die Schlacht. Was in den Morgenstunden begann, endete gegen 18 Uhr mit der Niederlage Österreichs.

Henry Dunant, ein Schweizer Unternehmer, wollte sich in geschäftlichen Angelegenheiten direkt an Napoleon III. wenden und machte sich daher auf den Weg nach Solferino, wo der französische Kaiser sein Hauptquartier hatte. So kam es, dass er in den Abendstunden jenes Tages das Schlachtfeld erreichte, auf dem 38.000 Verwundete, Sterbende und Tote sich selbst überlassen wurden. Tatenlos konnte er dem Sterben nicht zusehen und kurzentschlossen organisierte er mit Unterstützung der Zivilbevölkerung notdürftigste Hilfe.

Die Eindrücke jenes Tages hinterließen tiefe Spuren, wurden in einem Buch verarbeitet ("Eine Erinnerung an Solferino") und gebaren schließlich eine Idee: freiwillige und neutrale Hilfsorganisationen in allen Ländern sollen den Verwundeten im Krieg helfen. Aus dieser Idee entstand 1863 das "Internationale Komitee der Hilfsgesellschaften für Verwundetenpflege". Als Erkennungszeichen für die freiwilligen Helfer diente ein rotes Kreuz auf weißem Hintergrund - die Umkehrung der Schweizer Flagge. Das Rote Kreuz war geboren.

Das Internationale Rote Kreuz umfasst heute das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK), die Internationale Föderation der Rotkreuz- und Rothalbmond-Gesellschaften (Föderation) und die nationalen Gesellschaften vom Roten Kreuz und Roten Halbmond.

Das Österreichische Rote Kreuz (ÖRK) entstand aus der 1880 gegründeten "Österreichischen Gesellschaft vom Rothen Kreuze". Diese lange Tradition spiegelt sich auch in der heutigen föderalistischen Organisationsform wider. An der Spitze steht das Generalsekretariat, pro Bundesland gibt es einen - rechtlich wie wirtschaftlich unabhängigen - Landesverband, darüber hinaus 137 Bezirks- und 711 Ortstellen. Das Österreichische Jugendrotkreuz ist eine weitere Teilorganisation des ÖRK. Allen gemeinsam sind die sieben Grundsätze:

  • Menschlichkeit
  • Unparteilichkeit
  • Neutralität
  • Unabhängigkeit
  • Freiwilligkeit
  • Einheit
  • Universalität

73.500 freiwillige MitarbeiterInnen

Die Tätigkeitsbereiche des ÖRK sind wohl ebenso vielseitig, wie bekannt. Ohne den Rettungs- und Krankentransportdienst wie dem Blutspendedienst des ÖRK wäre das österreichische Gesundheitssystem kaum vorstellbar. Ähnliches gilt für das österreichische Sozialwesen. Die Hilfseinsätze im In- und Ausland im Katastrophenfall prägen natürlich auch das Bild des Roten Kreuzes in der Öffentlichkeit. Nicht umsonst ist das Rote Kreuz eine der wenigen nichtstaatlichen Völkerrechtssubjekte. Der Suchdienst des Roten Kreuzes war in Österreich besonders nach dem Zweiten Weltkrieg für die Familienzusammenführung von Bedeutung.

Neben der Caritas ist das ÖRK die größte Hilfsorganisation im Land, was folgende Zahlen aus dem Jahr 2015 eindrucksvoll belegen: 3.038.470 Einsatzfahrten im Rettungsdienst, 1.036.191 unterstützende Mitglieder und SpenderInnen, 224.501 Blutspenden, 73.598 freiwillige und 8.236 hauptberufliche MitarbeiterInnen, um nur einige wenige Kennzahlen zu nennen.

Das österreichische Spendengütesiegel führt das ÖRK nicht.

Seitens des ÖRK besteht allerdings eine Selbstverpflichtung sparsam und wirkungsvoll mit den anvertrauten Spendenmitteln umzugehen. Die Verwaltungskosten betragen nach eigenen Angaben 8-12 %. Die Landesverbände und das Generalsekretariat müssen sich zwar jährlich einer externen Wirtschaftsprüfung unterziehen, deren Ergebnisse werden aber ebenso wenig veröffentlicht wie zum Beispiel die Gehälter der MitarbeiterInnen.

Wie groß dennoch das Vertrauen der ÖsterreicherInnen in das Rote Kreuz ist, beweisen die jährlichen Einnahmen aus Spenden und Mitgliedsbeiträgen. 2016 nahm das ÖRK dadurch 67,1 Millionen Euro ein.
29.06.2017