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Der unermüdliche Kampf gegen Masern

Trotz der sicheren und wirksamen Impfung ist die Viruserkrankung noch weit verbreitet. Und 2022 verzeichnet einen deutlichen Anstieg der gemeldeten Fälle.
Kind bekommt Masernimpfung verabreicht
Kinder werden schon in frühem Alter durch Impfungen vor Masern geschützt, wenn der Impfstoff zugänglich ist. © UNICEF / Frank Dejongh
Roter Ausschlag am ganzen Körper, Fieber, Schnupfen, Husten und Bindehautentzündung sind typische Anzeichen für eine Masernerkrankung. Die Krankheit, welche durch ein humanpathogenes RNA-Virus hervorgerufen wird, zählt als hochansteckend. Personen aller Altersgruppen, die nicht davor geschützt sind - sei es durch Impfung oder durchgestandene Erkrankung -, werden bei Kontakt mit infizierten Personen höchstwahrscheinlich auch krank. Das Virus wird dabei über die Luft beim Husten oder Niesen übertragen. Infizierte Personen sind schon Tage vor Auftreten des typischen Masernausschlags ansteckend. Die Behandlung erfolgt dann nur symptomatisch, ein spezielles Medikament gibt es nicht. "Die Masernerkrankung schwächt die Abwehrkräfte des Körpers dermaßen, dass über mehrere Jahre hinweg das Risiko, an einer anderen Infektionskrankheit zu sterben, erhöht ist", betont unter anderem das Sozialministerium. Bis zur Zulassung der Masernimpfung in den 1960er Jahren starben jährlich rund 2,6 Millionen Menschen an den Folgen der Viruserkrankung, so die WHO. Seit der Impfstoff-Zulassung ging die Zahl der Ansteckungen laufend zurück. Da das Virus nur von Mensch zu Mensch übertragen werden kann, wäre eine Ausrottung der Masern durch eine hohe Durchimpfungsrate möglich. Und trotzdem gelingt die Eliminierung nicht.
Der Masernausbruch 2022 trifft vor allem ungeschützte Kinder schwer. © UNICEF
Aufklärung und Impfkampagnen ermöglichten bis 2019, daher bis vor der Corona-Pandemie, einen stetigen Fall der Masernausbrüche. "Zwischen 2000 und 2018 verhinderte die Masernimpfung schätzungsweise 23,2 Millionen Todesfälle, was die Masernimpfung zu einer der besten Anschaffungen im Bereich der öffentlichen Gesundheit macht", hebt die Weltgesundheitsorganisation hervor. Die Masernimpfung führte demnach in dieser Zeit weltweit zu einem Rückgang der Maserntodesfälle um ganze 73 Prozent, mit diesem Fortschritt schien die Ausrottung der Krankheit für die WHO erreichbar. Weitere Länder, so die optimistische Prognose 2019, sollten bald als "masernfrei" gelten. Doch wie so vieles andere, litt auch dieses Ziel unter den Auswirkungen der Corona-Pandemie und die weltweite Gesundheitskrise versetzte der Eliminierung von Masern einen Rückschlag.

Gründe dafür waren einerseits die pandemiebedingten Unterbrechungen von Impfkampagnen und andererseits die zunehmende Ungleichheit beim Zugang zu Impfstoffen, betont die WHO. Vor allem Kinder leiden unter diesen Umständen, da ihnen der Schutz vor Masern und anderen durch Impfung vermeidbare Krankheiten komplett fehlt. "Im Jahr 2020 verpassten 23 Millionen Kinder grundlegende Kinderimpfungen durch routinemäßige Gesundheitsdienste, die höchste Zahl seit 2009 und 3,7 Millionen mehr als 2019", so ein Statement der Weltgesundheitsorganisation. Bis 1. April 2022 konnten 57 Impfkampagnen gegen vermeidbare Krankheiten in 43 Ländern aufgrund pandemiebedingter Verschübe nicht durchgeführt werden, ein Versäumnis dass insgesamt 203 Millionen Menschen betrifft. "Bei 19 dieser Kampagnen handelt es sich um Masernkampagnen, so dass 73 Millionen Kinder aufgrund versäumter Impfungen von Masern bedroht sind", betont die WHO dazu.
Masern sind mehr als nur eine gefährliche und potenziell tödliche Krankheit. Sie sind auch ein frühes Anzeichen dafür, dass es Lücken in unserem weltweiten Impfschutz gibt, Lücken, die sich gefährdete Kinder nicht leisten können. - Catherine Russell, UNICEF-Exekutivdirektorin
Anlaufstelle für Verabreichung des Masernimpfstoffes.
Die Bekämpfung der Viruserkrankung ist nur mit Impfung möglich. © UNICEF / Daylin Paul
Seit Beginn des Jahres 2022 ist ein starker Anstieg von gemeldeten Masernerkrankungen weltweit zu verzeichnen. Allein in den ersten beiden Monaten Jänner und Februar stiegen die Fälle im Vergleich zum Vorjahr um 79 Prozent an. Über 17.000 Personen erkrankten an Masern in diesem Zeitraum.

Am stärksten betroffen seien die Länder Somalia, Jemen, Nigeria, Afghanistan und Äthiopien, welche mit dem Ausfall der Impfungen und der noch immer deutlichen hohen Ansteckung von Masern zu erklären sei. "Die Behörden sind besorgt, dass Masernausbrüche auch ein Vorbote für andere Krankheiten sein könnten, die sich nicht so schnell verbreiten", betonen UNICEF und die WHO in ihrem Beitrag zudem.
Person trägt Transportbox für Impfstoff
ÄrztInnen und medizinisches Personal legen oft lange und beschwerliche Wege hinter sich, um PatientInnen impfen zu können. © UNICEF / Mark Naftalin

Impfung einziger Ausweg

Alle WHO-Regionen - daher die Regionalbüros in Afrika, Amerika, Südostasien, Europa, Naher Osten und Westlicher Pazifik - haben gemeinsam eine Eliminierung der Masern beschlossen. Ziel sei es Fälle frühzeitig zu identifizieren, Infektionsketten zu unterbrechen und mithilfe einer sehr hohen Durchimpfungsrate die Ansteckung zu vermeiden. Gemeinsam mit Staaten und Hilfsorganisationen versucht die Weltgesundheitsorganisation dieses Ziel seit Jahrzehnten unermüdlich umzusetzen und passende Strategien auszuarbeiten.

Österreichische NGOs unterstützen das Vorhaben:
UNICEF führt unter anderem groß angelegte Impfkampagnen in der Demokratischen Republik Kongo durch. Allein im Jahr 2019 konnten landesweit mehr als 18 Millionen Kinder unter fünf Jahren gegen Infektionskrankheiten geimpft werden. "Da mehr als 117 Millionen Kinder gefährdet sind Masernimpfungen zu versäumen, setzen wir uns dafür ein, dass besonders die verletzlichsten Kinder weiterhin geimpft werden", betont der Verein in Bezug auf die coronabedingten Impfausfälle.

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Amref Health Africa bildet in etwa Kenia sogenannte "GesundheitsexpertInnen" aus, um die medizinische Versorgung für die BewohnerInnen, welche hauptsächlich dem Hirtenvolk Masaai angehören, zum Positiven zu verändern. Sowohl das Angebot von Impfungen, als auch die Aufklärung zu Präventionsmaßnahmen für Kinder und schwangere Frauen soll die Sterbequote verringern.

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Neben der gesundheitlichen Grundversorgung und Informationsvergabe über Präventionsmaßnahmen, führt Ärzte ohne Grenzen auch Impfkampagnen durch, unter anderem gegen Masern. "Großangelegte Impfkampagnen haben die Anzahl der Erkrankten und Todesfälle drastisch verringert. Dennoch bleiben zahlreiche Menschen dem Erreger ausgeliefert, weil sie nicht geimpft sind", so der Verein. Im Jahr 2019 konnten durch das Programm rund 1,3 Millionen Menschen gegen Masern geimpft werden.

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