Menschen für Menschen

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© Walter Grösel

Die von Karlheinz Böhm gegründete Äthiopienhilfe.

Es begann mit einer Wette im Fernsehen. In der dritten Ausgabe von "Wetten, dass...?" sagte Schauspieler Karlheinz Böhm: "Ich wette, dass nicht einmal ein Drittel der Fernsehzuschauer aus Deutschland, Österreich und der Schweiz eine Mark, sieben Schilling oder einen Schweizer Franken für die notleidenden Menschen in der Sahelzone geben wird." Sollte er die Wette gewinnen, würde er selbst nach Afrika gehen und helfen, versprach Böhm am 16. Mai 1981.  

Er gewann die Wette. Die 18 Millionen ZuschauerInnen spendeten nur 1,2 Millionen DM - oder 8,4 Millionen Schilling. Dennoch flog der damals 53-Jährige im Oktober 1981 erstmals nach Äthiopien, im November 1981 gründete Böhm Menschen für Menschen.

Der österreichische Verein Menschen für Menschen wurde 1983 gegründet, in Deutschland und der Schweiz ist Menschen für Menschen als Stiftung organisiert, mittlerweile gibt es auch in Belgien einen Menschen für Menschen-Verein.

Nur in Äthiopien tätig

"Gerade in der Konzentration auf ein Land liegt unsere besondere Stärke", erklärt Rupert Weber, geschäftsführender Vorstand der Hilfsorganisation. In Äthiopien beschäftigt Menschen für Menschen 699 MitarbeiterInnen, von denen lediglich vier nicht aus Äthiopien stammen.

Die Arbeit konzentriert sich auf ländliche Gebiete sowie die fünf Bereiche: Wasser, Landwirtschaft, Bildung, Gesundheit und Einkommen.

Ziel ist es, die Menschen ganzer Regionen durch die Vermittlung von Wissen und Techniken auf lange Sicht unabhängig von fremder Hilfe zu machen und ihre Ernährung nachhaltig zu sichern. Zehn der 21 erschlossenen Projektregionen konnten bis 2018 abgeschlossen und zur Gänze in die Verantwortung der Bevölkerung übergeben werden.

Laut Eigenaussage hat Menschen für Menschen in Äthiopien schon über fünf Millionen Menschen geholfen, 2.500 Brunnen und Quellfassungen und 400 Schulen erbaut, 66.000 Augenoperationen durchgeführt, knapp 140.000 ÄthiopierInnen nahmen an Landwirtschaftskursen von Menschen für Menschen teil.

Charisma

30 Jahre lang leitete Karlheinz Böhm Menschen für Menschen persönlich. Sein Charisma, seine Glaubwürdigkeit bewegten viele Menschen für den Verein zu spenden.

Böhm fand in Äthiopien eine zweite Heimat. Dort lernte der ehemalige Franz-Joseph-Darsteller in den Sissi-Filmen auch seine vierte Ehefrau Almaz kennen, die ihm 2011 an die Spitze von Menschen für Menschen nachfolgte.

"So schwer mich sein Verlust trifft, so sehr gibt mir der Glaube an seine Vision Kraft, sein Lebenswerk weiterzuführen", teilte Almaz Böhm nach Karlheinz' Tod im Mai 2014 mit und unterstützte den Verein noch weitere zwei Jahre tatkräftig. Almaz hatte sich bereits zuvor in eine ehrenamtliche Rolle zurückgezogen. Offiziell, um ihren schwerkranken Mann zu pflegen. Inoffiziell spielten wohl auch die Vorwürfe des ehemaligen Großspenders Jürgen Wagentrotz eine Rolle, der Menschen für Menschen Bilanzfälschung und Verschwendung vorwarf. Vorwürfe, die entkräftet werden konnten.

2018 wurden in Österreich rund 3,08 Millionen Euro für Menschen für Menschen gespendet; 17% weniger als im Vorjahr (-30% zu 2016).

Das Österreichische Spendengütesiegel führt Menschen für Menschen seit seiner Einführung 2001 ununterbrochen, Spenden an die Organisation sind von der Steuer absetzbar.
02.07.2019