Luxusgut Wasser

Obwohl sich die Lage der weltweiten Wasserversorgung in den letzten Jahren verbessert hat, leben dennoch über zwei Milliarden Menschen ohne Zugang zu sicherem Wasser, wie Untersuchungen aus 2019 zeigen.

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Etwa 297.000 Kinder sterben jährlich an den Folgen von Durchfallerkrankungen, ausgelöst durch kontaminiertes Wasser. © David Mark / pixabay.com
Leitungswasser trinken, täglich duschen, Blumen gießen, Wäsche waschen und im Sommer das Pool einlassen – das alles natürlich mit günstigem und vor allem auch sauberem Wasser. Durch österreichische Leitungen fließt reines, frisches Hochquellwasser und versorgt uns verlässlich mit der lebensnotwendigen Substanz. Zu jeder Tageszeit, bei allen Temperaturen, für jeden zugänglich. Purer Luxus, der uns nur zu oft erst bei Reisen in ein anderes Land so richtig bewusst wird. Dem Wasser ist hier nur in sicher versiegelten Flaschen zu vertrauen, selbst Obst und Gemüse mit Vorsicht zu genießen. Denn das Leitungswasser könnte verunreinigt sein, zu unterschiedlichen Erkrankungen führen.

Jede dritte Person ohne sicheren Wasserzugang

Die Selbstverständlichkeit einer funktionstüchtigen und sicheren Wasserversorgung, wie jener in Österreich, ist für eine Vielzahl an Ländern nur Wunschdenken, wie der Weltwasserbericht der Vereinten Nationen (UNO) im März sowie der im Juni erschienene Bericht von UNICEF und Weltgesundheitsorganisation (WHO) festhalten. Denn noch immer leben rund zwei Milliarden Menschen und damit jede dritte Person weltweit ohne Zugang zu sicherem Wasser, die Hälfte davon am afrikanischen Kontinent. Sie trinken aus ungeschützten, oft kontaminierten Quellen und von verschmutztem Oberflächenwasser.

Zusätzlich besteht für 4,3 Milliarden Menschen keine Möglichkeit, sichere Sanitäranlagen zu nutzen. Die Notdurft wird im Freien verrichtet, was die Verschmutzung des Grundwassers zur Folge hat. Insgesamt jeder zehnten Person fehlt es an grundlegender Trinkwasserversorgung, 785 Millionen Menschen werden damit von der Nutzung sicheren Wassers und grundlegener Hygiene ausgeschlossen. Die fatalen Auswirkungen: Krankheiten wie Cholera, Typhus und Kinderlähmung werden übertragen, was wiederum geschätzte 485.000 Todesfälle im Jahr fordert. Davon alleine 297.000 Kinder unter fünf Jahren, die aufgrund einfach vermeidbarer Durchfallerkrankungen sterben.
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Verschmutztes Wasser ist eine Übertragungsquelle von gefährlichen Krankheiten wie Cholera oder Typhus. © Hakan Atceken / pixabay.com

Ärmere Bevölkerung stärker betroffen

WASH - ein Sammelbegriff für Wasser, Sanitär und Hygiene - hält die gegenseitige Abhängigkeit der Thematiken fest. Ohne Toiletten entsteht kontaminiertes Grundwasser. Ohne sauberem Wasser können wichtige Hygienemaßnahmen gegen die Verbreitung von Krankheiten nicht eingehalten werden. Ein Teufelskreis, der vor allem ohnehin benachteiligte Menschengruppen betrifft. Diskriminierung durch regionale Unterschiede zwischen Stadt und Land, zwischen armer und reicher Bevölkerung, zwischen den Geschlechtern und bei unterschiedlichem sozioökonomischen Status sei ein großes Problem laut des UNO-Berichts. Zudem zahlen ärmere Menschen für verschmutztes Wasser verhältnismäßig gar mehr, als reiche Menschen für sauberes Wasser.

Die Untersuchung der Vereinten Nationen zeigt beispielsweise, dass im Jahr 2015 63 Prozent der Haushalte in städtischen Bereichen und nur 9 Prozent in ländlichen Gebieten an ein Abwassersystem angeschlossen waren. Vor allem auch in den Flüchtlingslagern sei die schlechte Versorgung besorgniserregend. Aber: Zugang zu sauberem Wasser ist ein Grundbedürfnis jedes Menschen, ein Menschenrecht und für Ernährung, Ernteerträge und somit das Überleben ausschlaggebend.

Erste Erfolge

Neben den erschütternden Fakten hält der Bericht "Progress on drinking water, sanitation and hygiene 2000-2017" der UNICEF und WHO aber ebenso große Fortschritte in diesem Bereich fest. Beispielsweise habe sich die Bevölkerung, die sicheres Wasser nutzt, von 61 auf 71 Prozent gesteigert. Ganze 1,8 Milliarden Menschen erhielten Zugang zu mindestens einer Grundversorgung und die Nutzung von sanitären Einrichtungen stieg von 28 auf 45 Prozent. Erfolge, die dennoch zeigen, dass ein langer Weg vor uns liegt. "Leaving no one behind", wie das erklärte Ziel der Vereinten Nationen lautet, bezieht sich auch auf die adäquate Wasserversorgung der 2,2 Milliarden bislang benachteiligten Menschen. Um eine sichere Wasserversorgung zu ermöglichen. Nah und leistbar.
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© Alois Wohlfahrt / pixabay.com
Viele Organisationen arbeiten unermüdlich daran, die Wasserversorgung zu verbessern - vor allem in ländlichen und ärmeren Gebieten der Erde. Folgend eine Auswahl laufender Spendenprojekte:

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AutorIn:
Monika Knasmillner
12.08.2019