Deutschkurse für AsylwerberInnen

Das Integrationshaus bietet in Wien kostenlose Sprachkurse an.

"Die sollen erst mal Deutsch lernen": Ein Vorwurf, der im Zuge der Integrationsdebatte häufig erhoben wird. Die meisten AsylwerberInnen haben jedoch keinen Zugang zu Bildung.

Für AsylwerberInnen in der Grundversorgung ist es besonders schwierig, Deutschkurse oder weiterführende Ausbildungen zu machen, da sie - bis auf wenige Ausnahmen - in der Praxis vom Arbeitsmarkt und diversen Ausbildungsprogrammen ausgeschlossen sind. Sie haben kaum Geld fürs tägliche Leben, geschweige denn Geld, um sich einen Kurs auf dem freien Markt leisten zu können. In Wien finanziert die öffentliche Hand keine Sprachkurse für AsylwerberInnen.

Warum sie einen Deutschkurs beim Integrationshaus machen? "Fuß fassen zu können durch mehr Deutschkenntnisse", "die Zeit sinnvoll zu nützen", "sich nach einer Krise neu zu organisieren", "die eigenen Probleme selber lösen zu können" oder "bei Arztbesuchen keinen Dolmetscher mehr zu brauchen" bis "ein Zertifikat für das Asylverfahren oder die Aufenthaltsberechtigung zu erhalten", "einen besseren Stand im Verfahren zu haben", "einen Beruf zu erlernen" oder auch "studieren zu können".

Nicht wenige von ihnen haben einen Beruf aus ihrem Land mitgebracht, an den sie anknüpfen wollen. So waren unter den TeilnehmerInnen 2014 ein Sprachlehrer aus Ägypten, ein Magistratsbeamter aus Bagdad, ein Programmierer aus Nigeria, eine Köchin aus einem feinen Restaurant aus dem Kongo, ein Journalist aus dem Iran, Studierende aus dem Iran und Bangladesch, eine Konditorin aus Tschetschenien, ein Musiker aus Tadschikistan, der auch Jahre in einer Tischlerei in Moskau gearbeitet hat. Gemeinsam haben sie den Wunsch, irgendwann wieder in ihrem oder einem anderen Beruf arbeiten zu können, um ein normales, selbstverantwortliches Leben in Österreich zu führen.

Der Kurs

Die Deutsch-Kurse des Integrationshaus sollen ihnen vor allem in der mündlichen Alltags-Kommunikation (Flüssigkeit und Korrektheit beziehungsweise Wortschatz und Gebrauch der Sprachstrukturen) helfen.

Der Kurs ist so gestaltet, dass die TeilnehmerInnen Angstbarrieren der fremden Sprache gegenüber überwinden, Selbstvertrauen und mehr Selbstständigkeit gewinnen, Orientierung im öffentlichen Leben erhalten, sozialen Anschluss bekommen und nicht zuletzt den Einstieg in einen für viele ungewohnten Lernprozess finden. Viele TeilnehmerInnen absolvieren eine Prüfung zu einem Österreichischen Sprachdiplom Deutsch (ÖSD).

Kenntnisse der deutschen Sprache vereinfachen nicht nur den Alltag in Österreich, sie haben auch eine große Bedeutung für die Erteilung von Aufenthaltstiteln aufgrund des Privat- und Familienlebens.

Neben anderen Kriterien, wie der Aufenthaltsdauer oder der Selbsterhaltungsfähigkeit, ist der Nachweis von Deutschkenntnissen durch anerkannte Diplome entscheidend.

Entscheidet die Behörde, dass ein Aufenthaltstitel zu erteilen ist, hängt es wiederum von den Deutschkenntnissen ab, ob ein unmittelbarer Zugang zum Arbeitsmarkt besteht (in der Regel nur bei Vorlage eines Deutschdiploms auf dem Niveau A2).

Der Nachweis von Deutschkenntnissen ist jedoch nicht nur bei Personen mit einem "Bleiberecht" verfahrensrechtlich relevant, sondern auch subsidiär Schutzberechtigte müssen Deutschkenntnisse auf dem Niveau B1 für die Bewilligung des Antrags auf einen unbeschränkten Aufenthalt belegen.
01.10.2014