Kinder im Krieg: Eine verlorene Generation?

Einst Sinnbild für jene Heranwachsenden, die in und unmittelbar nach dem Ersten Weltkrieg aufwuchsen, verdeutlicht der Terminus der "verlorenen Generation" heute die drohende Perspektivlosigkeit von Millionen Kindern und Jugendlichen als Betroffene weltweiter Konflikte.

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Kinder in einem Flüchtlingscamp in Bangui, Zentralafrikanische Republik (Juni 2014). Unter den aktuell 31 bewaffneten Konflikten weltweit erhält eine Vielzahl kaum mediale Aufmerksamkeit. © UN Photo/Catianne Tijerina
31 kriegerische Auseinandersetzungen weltweit – so lautet die Bilanz der Arbeitsgemeinschaft Kriegsursachenforschung der Universität Hamburg für das Jahr 2017 (siehe Karte). Die Zahl jener Menschen, die sich aufgrund von Kriegen, Konflikten und Verfolgung auf der Flucht befinden, erreichte 2016 einen neuen Rekord. 65,6 Millionen Vertriebene, mehr als die Hälfte dabei aus nur drei Ländern: Syrien, Afghanistan und Südsudan.

Während es den Menschen in den Krisengebieten an nahezu allem fehlt, leisten NGOs lebenswichtige Nothilfe. Sie transportieren Wasser, Lebensmittel, Medikamente in umkämpfte Gebiete. Helfen den Menschen in ihrer scheinbar ausweglosen Lage, und begeben sich dabei nicht selten selbst in Gefahr. Vehement warnen Hilfsorganisationen unterdessen auch vor oft unterschätzten Spätfolgen – insbesondere für die junge Generation.

Jemen: Im Krieg geboren

Speziell für jene Kinder, die eine andere, friedliche Welt nicht kennen, sollen die nachhaltigen Auswirkungen verheerend sein, wie ein aktueller Bericht des UN-Kinderhilfswerks Unicef warnt. "Born into War", so der Titel des zehnseitigen Reports, veranschaulicht den grausamen Alltag jener drei Millionen Buben und Mädchen, die seit Beginn der aktuellen Auseinandersetzungen im Jemen geboren wurden. Seit rund 1.000 Tagen – mit März 2015 als Beginn des gewaltvollen Konflikts – leben sie im jemenitischen Kriegsgebiet, das laut Unicef zu einem der weltweit schlimmsten Orte für Kinder überhaupt zähle.

"Eine ganze Generation von Kindern im Jemen kennt nichts anderes als Gewalt. Sie leiden unter den verheerenden Konsequenzen eines Krieges, für den sie nicht verantwortlich sind. (…) Die Überlebenden tragen die physischen und psychischen Folgen des Konflikts für den Rest ihres Lebens." - Merixtel Relano, Unicef-Leiterin im Jemen

In diesen 1.000 Tagen des Krieges seien rund 5.000 Kinder verletzt oder getötet worden. Elf Millionen Heranwachsende seien auf humanitäre Hilfe angewiesen, rund der Hälfte davon fehle es selbst an Zugang zu sauberem Wasser und sanitären Anlagen. Zwei Millionen Kinder im Jemen können laut Unicef keine Schule besuchen.

Perspektiven schaffen

Die weitreichenden Folgen für diese Generation liegen auf der Hand: Kriegstraumata, chronische Erkrankungen, mangelnde Perspektiven. Um eben diese bestmöglich einzudämmen, setzen NGOs vor Ort auf Maßnahmen nach dem Konzept der "Hilfe zur Selbsthilfe". Es gilt, Perspektiven zu schaffen, für eine ganze Generation, deren einzige Welt aus Krieg und Gewalt besteht.

Durch psychosoziale Betreuung, die Errichtung von Notschulen, Aufklärungskurse und weitere nachhaltige Maßnahmen soll die Gefahr einer sogenannten "verlorenen Generation" abgewandt werden, doch sind die Gelder zur Gewährung dieser Hilfe stets rar. Im Anschluss stellen wir Ihnen eine Auswahl solcher Projekte vor, die ihren Fokus auf den Bildungszugang in Kriegs- und Krisengebieten legen.
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© Walter Grösel

Unicef | Schulbildung in Kriegs- und Krisengebieten

124 Millionen Buben und Mädchen weltweit haben laut Unicef keinen Zugang zu Schulbildung. Die Gründe dafür sind vielfältig: Armut, Krieg, gefährliche oder weite Wege zur Schule. Um Kindern mit einem Schulbesuch nicht nur Struktur und Schutz zu bieten, sondern ihnen insbesondere bessere Zukunftschancen zu eröffnen, werden beispielsweise Notschulen in Zelten errichtet. Zum Projekt
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© Walter Grösel

Entwicklungshilfeklub | Zukunftshoffnung für Flüchtlingskinder

Mehr als die Hälfte aller syrischen Flüchtlingskinder im Libanon besucht keine Schule, mehrere Jahre haben die Kinder zum Teil keine Schulklasse mehr von innen gesehen. Der Entwicklungshilfeklub nimmt sich dieser Problematik an, ermöglicht den Kindern nicht nur Unterricht in Lesen, Schreiben und Rechnen, sondern auch psychosoziale Betreuung. Zum Projekt
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© Walter Grösel

World Vision | Kindern ihre Kindheit zurückgeben

Unter dem Projekttitel "Kindheitsretter" unterstützt World Vision Kinder und Jugendliche in Krisenregionen. So werden etwa einstige Kindersoldaten in der DR Kongo professionell betreut und erhalten eine berufliche Ausbildung. In Jordanien profitieren palästinensische und syrische Flüchtlingskinder von Früherziehungsangebot und Spielzentren. Zum Projekt
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© Walter Grösel

Samariterbund | Schulbildung für saharauische Flüchtlinge

Über 100.000 Saharauis mussten seit den 1970ern aus der von Marokko besetzten Westsahara fliehen. Sie leben vor allem in Camps rund um die algerische Wüstenstadt Tindouf. Im Rahmen dieses Samariterbund-Projekts reisen ExpertInnen der Pädagogischen Hochschule Wien nach Algerien und erstellen gemeinsam mit künftigen LehrerInnen Unterrichtsmaterialien. 4.500 Kinder sollen infolge eine Grundschulausbildung erhalten. Zum Projekt
AutorIn:
Lisa Hummel
25.01.2018