Jemen: Luftangriff auf Gesundheitszentrum

Bereits zum zweiten Mal in diesem Monat wurde ein Standort der Ärzte ohne Grenzen bombardiert. Die von Saudi-Arabien geleitete Militärkoalition bestreitet Verantwortung.

Erst vor wenigen Wochen wurde das Trauma-Zentrum der Ärzte ohne Grenzen (MSF) im Nordosten Afghanistans von US-amerikanischen Streitkräften bombardiert, mindestens 30 Menschen kamen dabei ums Leben, eine unabhängige Aufklärung wurde gefordert. Nun wiederholten sich die dramatischen Szenen im Kriegsgebiet im Nordwesten Jemens.

In der Nacht von 26. auf 27. Oktober, kurz vor Mitternacht, fiel das Haydan Gesundheitszentrum von MSF in der Provinz Sa'ada zwei Luftangriffen zum Opfer, wodurch es gänzlich zerstört wurde. Dabei ist dieser Vorfall nur der jüngste einer Reihe von Angriffen auf Zivilpersonen seit Start der von Saudi-Arabien geleiteten Militärintervention im Jemen Ende März 2015.
 

Gesundheitseinrichtungen unter Beschuss

Der erste der beiden Luftangriffe traf ein Nebengebäude der MSF-Einrichtung, in welchem sich zu diesem Zeitpunkt niemand aufhielt. Die rund zehn Minuten, die zwischen erstem und zweitem Beschuss lagen, reichten aus, um das Hauptgebäude zu evakuieren, so dass sich beim zweiten Luftangriff auf dieses keiner der rund ein Dutzend MitarbeiterInnen und PatientInnen mehr in dem Haus aufhielt.

"Mindestens 200.000 Menschen haben nun keinen Zugang mehr zu lebensrettender medizinischer Versorgung", betont MSF und fordert eine Aufklärung des Vorfalls.
Inzwischen äußerte sich ein Sprecher der saudi-arabischen Koalition zu dem Vorfall und antwortete auf die Frage, ob ihre Truppen das Krankenhaus getroffen hätten, "keineswegs". Der Sprecher meinte weiter, dass nur eine Ermittlung die Ursache für den Luftangriff aufzeigen könnte.

Eine Statistik der WHO, die im Oktober 2015 veröffentlicht wurde, zeigt auf, dass in diesem Jahr bereits acht Angestellte in Gesundheitseinrichtungen ums Leben kamen und 20 Personen verletzt wurden. Insgesamt wurden 69 medizinische Einrichtungen beschädigt, wobei 27 Gesundheitseinrichtungen, zehn Spitäler und sechs Gesundheitszentren gänzlich zerstört wurden.

Konflikt im Jemen

Der nicht enden wollende Konflikt zwischen schiitischen Huthi-Rebellen und Anhängern des jemenitischen Präsidenten Hadi führte laut UNOCHA bereits zu rund 2,3 Millionen Binnenvertriebenen, 21,1 Millionen Menschen - 80% der Bevölkerung Jemens - sind auf humanitäre Hilfe angewiesen. Seit März 2015 eskaliert der Konflikt zusehends; als Präsident Hadi am 25. März aus dem Land flüchten musste, startete noch am selben Tag die von Saudi-Arabien geführte Militärintervention.

Erst Mitte Juli klagte UNHCR erneut über den fehlenden Zugang für humanitäre Ogranisationen sowie den Transport von Hilfsgütern in den umkämpften Gebieten Jemens.
27.10.2015