Indien: Mit Bananenfasern aus der Armut

Über 750 Frauen sollen durch das Hilfsprojekt in 22 Dörfern um Bhagalpur eine gesicherte Zukunft erhalten.

Die Verhältnisse, in denen die Bewohner des indischen Bundesstaates Bihar leben, zeugen von besonders großer Armut. Der Bundesstaat gilt demnach nicht nur als ärmster sondern auch als instabilster Indiens, weist die höchste Bevölkerungsdichte wie auch die niedrigste Alphabetisierungsrate des Landes auf.

Fast 90 Prozent der Bevölkerung Bihars lebt in ruralen Gebieten, die allermeisten davon leben von der Landwirtschaft. Die Armut der Einwohner Bihars wird durch die häufigen Monsunregenfälle noch verstärkt, Millionen Menschen sind regelmäßig von den dadurch bedingten Überschwemmungen betroffen und den Naturkatastrophen zumeist schutzlos ausgesetzt.

Selbst im Vergleich zum indischen Durchschnitt sind die Frauen in Bihar besonders benachteiligt. Aufgrund der Frauendiskriminierung werden weibliche Föten häufiger abgetrieben, was zu einem verzerrten Geschlechterverhältnis führt. Von der niedrigen Alphabetisierungsrate sind Frauen überdurchschnittlich stark betroffen.

Um den Frauen in 22 Dörfern im Norden Bhagalpurs ein selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen, werden mithilfe des Entwicklungshilfeklubs und der Partnerorganisationen Naujanlok und Misereor 63 Selbsthilfegruppen zu je zwölf Frauen gebildet. Bis zu 750 Frauen erlernen dabei in den Gruppen die Gewinnung von Fasern aus bereits abgeernteten Bananenstauden, deren Verarbeitung und die Herstellung verschiedener Produkte anhand dieser Fasern. Im weiteren Verlauf werden die Frauen mit der Vermarktung der Produkte und dem Umgang mit Gewinn vertraut gemacht.

Durch die Arbeit mit den Bananenfasern erhalten die Frauen die Möglichkeit auf ein geregeltes Einkommen und eine sichere Zukunft. Die Kosten für die Unterstützung betragen pro Frau und Jahr 26 Euro, ein Mikro macht 238 Euro aus und ermöglicht die Förderung von drei Frauen für drei Jahre.
05.09.2016