Humanitäre Hilfe unter Beschuss

Einige Ergebnisse des diesjährigen Humanitären Kongresses in Wien unter dem Motto "Humanitarian Aid under Fire".

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Unter Beschuss © Amber Clay - Pixabay
Kommunikationsexperten der Ärzte ohne Grenzen, des Österreichischen Roten Kreuzes, von Care und vieler weiterer Hilfsorganisationen sowie zahlreiche Journalisten trafen im Zuge des Humanitarian Congress 2015 in Wien am 6. März zusammen. Auf dem Programm standen etwa die Eröffnungsansprache der beigeordneten UN-Generalsekretärin für humanitäre Angelegenheiten Kyung-wha Kang sowie Vorträge zu Themen wie "Gewalt im Mittleren Osten - Kein Raum für humanitäre Helfer?"

Weiters lag die Thematik des Nutzens und der Risiken neuer Technologien und sozialer Medien in Zusammenhang mit humanitärer Hilfe im Zentrum des Programms, wie in der Diskussionsrunde "Soziale Medien - Himmel oder Hölle?" mit Beteiligten wie Mahmoud Shabeeb, Social Media Experte und Kommunikationsbeauftrager der Syrien-Krise bei Care.

Ziel des Humanitären Kongresses war auch dieses Jahr das Sichtbarmachen der humanitären Arbeit sowie eine Sensibilisierung der Entscheidungsträger hinsichtlich der Bedeutung humanitärer Hilfe sowie der Zusammenarbeit auf nationaler und internationaler Ebene.

Fehlende Sicherheit für Helfer


Die steigende Anzahl bewaffneter Konflikte und die Zunahme von Gewalt fordern humanitäre Hilfsorganisationen vermehrt heraus. Eine Kooperation mit den terroristischen Parteien scheint immer häufiger unumgänglich um Kriegsopfern Hilfe zu leisten.

"Humanitäre Organisationen überdenken vermehrt ihre Strategien, insbesondere in Syrien und dem Irak, und versuchen alle Akteure in einen Dialog einzuschließen, um Zugang zu den Menschen in Not zu erhalten", so die stellvertretende Generalsekretärin der UN für humanitäre Angelegenheiten, Kyung-Wha Kang, in der Eröffnungsrede des Humanitären Kongresses in Wien.

Weiters äußert sich Kang zu der fehlenden Sicherheit der Helfer in den Krisenregionen: Bei rund 1,5 Milliarden Menschen die in Konfliktregionen leben, werden wohl oder übel vermehrt Medienberichte über getötete Helfer und unschuldige Zivilisten zu sehen sein. Allein 2013 wurden 474 Hilfsmitarbeiter Opfer von Angriffen, 155 verloren während ihres Einsatzes ihr Leben, so die Statistik der Aid Worker Security Database.
 

Social Media: Heaven AND Hell


Im Zuge der Diskussionsrunde "Social Media: Heaven or Hell?" trafen Mahmoud Shabeeb (Kommunikationsbeauftrager der Syrien-Krise bei Care), Ingrid Brodnig (Journalistin bei Profil), Timo Lüge (Journalist, Kommunikationsberater spezialisiert auf digitale Medien), Thomas Seifert (Journalist der Wiener Zeitung) unter Moderation von Lisa Stadler (Journalistin des Standards) zusammen.

Im Zuge seiner Keynote Speech eröffnete Mahmoud Shabeeb mit den Dos & Don'ts der Social Media-Nutzung für NGOs und nannte dabei insbesondere den hohen Stellenwert der Interaktivität und der Authentizität. Wesentlich sei es vorallem jeweils nur zu einem spezifischen Thema zu posten und dabei nicht zu aufdringlich zu sein.

Auf den negativen Aspekt der Nutzung Sozialer Medien ging Timo Lüge im Zuge seiner Rede anhand eines Vorfalls zum Zeitpunkt des Ausbruchs der Ebola Epidemie ein. So seien in Folge eines Social Media Postings, in welchem es um die Heilung von Ebola durch das massenhafte Trinken von Salzwasser sowie das Baden in solchem ging, mindestens zwei Menschen verstorben und dutzende Personen erkrankt.

Der Social Media Hoax führte laut Lüge folglich zur Gründung des erfolgreichen Ebola Alert Accounts auf Twitter, um Desinformation zu bekämpfen und zur Entmystifizierung der Krankheit zu verhelfen.

Thomas Seifert spricht demzufolge von einer world without filter - einer "ungefilterten Welt" - und meint, dass der direkte Zugang, als besonderes Merkmal der Social Media Kanäle, eben sowohl für einen guten als auch für einen negativen Zweck genutzt werden kann. Soziale Medien, so Seifert, seien sowohl Himmel als auch Hölle.
16.03.2015