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Die Farbe der Schattenpandemie

Seit Ausbruch der Corona-Krise haben in vielen Ländern die Hilferufe bei Frauen-Helplines dramatisch zugenommen. Die Kampagne zum internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen macht mit der Farbe Orange auf das Problem aufmerksam.
Frau mit abwehrender Haltung
Seit Beginn der Corona-Krise ist eine "Schattenpandemie" der häuslichen Gewalt zu verzeichnen. © unsplash / Priscilla du Preez
Sexualisierte, körperliche und psychische Gewalt sind Menschenrechtsverletzungen. Dennoch ist Gewalt gegen Frauen und Mädchen ein globales Problem. Laut Schätzungen von UN Women erfuhr schon vor der aktuellen Gesundheitskrise jede dritte Frau einmal in ihrem Leben irgendeine Form von Gewalt. In Summe gehen die Vereinten Nationen weltweit von etwa 736 Millionen Opfern aus, daher Frauen und Mädchen welche entweder Gewalt in der Partnerschaft oder ohne Partner erleben mussten. Seit Ausbruch der Corona-Pandemie hat die Zahl der Betroffenen nochmal deutlich zugenommen. In manchen Ländern, so UN Women, haben sich die Notrufe seitdem sogar verfünffacht.
Einschüchterungen, Drohungen, Psychoterror, Stalking, Erniedrigungen, Beschimpfungen, Schläge, Treten, Stoßen, Würgen, sexuelle Übergriffe und Angriffe, Vergewaltigung, Mord - die Liste der möglichen Formen von Gewalt ist sehr lang und vielfältig. Die unterschiedlichen Ausprägungen treten zudem oft gemeinsam auf. "Die meisten dieser Gewalttaten sind Partnergewalt. Weltweit gibt fast ein Drittel (27%) der Frauen im Alter von 15-49 Jahren, die in einer Beziehung waren, an, von ihrem Intimpartner irgendeiner Form körperlicher und/oder sexueller Gewalt ausgesetzt gewesen zu sein", hält die WHO die erschreckenden Zahlen fest.
The Shadow Pandemic © UN Women
Die Gründe für eine Zunahme der gewalttätigen Auseinandersetzungen während der Pandemie sind auf die weitreichenden Einschränkungen des gesellschaftlichen Lebens zurückzuführen. Die plötzliche Unsicherheit in Bezug auf die gesundheitliche Sicherheit und ein Ausbleiben des regelmäßigen Einkommens fallen genauso darunter wie auch die Problematik der überdurchschnittlich langen gemeinsamen Zeit auf engen Raum. Das Konfliktpotential steigt durch diese Gegebenheiten, Übergriffe häufen sich. Frauen und Mädchen denen es vorher unter anderem möglich war an sicheren Orten Schutz zu suchen, bleiben aufgrund der wiederkehrenden Ausgangsbeschränkungen zuhause gefangen. Die Isolation mit den Tätern verschlimmert die Situation. Und ein Ende der Pandemie ist noch nicht absehbar.
Wir wissen, dass die vielfältigen Auswirkungen von COVID-19 eine "Schattenpandemie" mit zunehmender gemeldeter Gewalt aller Art gegen Frauen und Mädchen ausgelöst haben.
- Exekutivdirektorin von UN Women, Phumzile Mlambo-Ngcuka
"Aufgrund von COVID-19 gingen die Menschen nicht sofort nach dem Vorfall zur Polizei, um medizinische Beweise zu sammeln und Anklage gegen den Täter zu erheben. Die Leute dachten, dass solche Dienste während der Pandemie nicht verfügbar seien. Dies führte dazu, dass viele Vergewaltigungsfälle nicht gemeldet wurden und viele Frauen wiederholte Gewalt ertragen mussten", berichtet beispielsweise Simret Tesfaye, eine Krankenschwester des gemeinnützigen Vereins Association for Women's Sanctuary and Development in Addis Abeba, Äthiopien. Ähnliche Situationen finden sich weltweit.
end violence against women Banner
Die Vereinten Nationen rufen jährlich zur Teilnahme an der Kampagne "16 Tage gegen Gewalt an Frauen" auf. © UN Women
Auch in Österreich ist das Problem nicht unbekannt. Allein die Frauenmorde der letzten Monate zeichnen ein prekäres Bild der Situation hierzulande ab. Jede fünfte Frau, demnach rund 20 Prozent der in Österreich lebenden weiblichen Mitbürgerinnen, erfuhr seit dem 15. Lebensjahr körperliche und/oder sexuelle Gewalt, dokumentiert das Bundeskanzleramt. Die Dunkelziffer dürfte jedoch weit höher ausfallen. Denn Angst und Scham hindern viele Opfer noch daran, einen Übergriff zur Anzeige zu bringen.

Orange The World

Mit 2015 beschlossen die Vereinten Nationen mit der Farbe Orange auf das tabuisierte Thema "Gewalt gegen Frauen" aufmerksam zu machen. Im Zuge der Kampagne 16 Tage gegen Gewalt an Frauen - von 25. November bis 10. Dezember - erstrahlen unterschiedliche öffentliche und bekannte Gebäude in der speziellen Farbe und bekunden Solidarität mit den Opfern. Ziel der Licht-Aktion ist neben der Sichtbarmachung des Problems auch die Bewusstseinsbildung innerhalb der Gesellschaft.

Projekte und Initiativen haben zusätzlich zum Ziel, einerseits betroffene Frauen und Mädchen bestmöglich zu unterstützen, daher Zufluchtsorte und Schutzzentren auszubauen und die medizinische als auch psychologische Betreuung sicherzustellen. Andererseits müssen die Beweggründe der Täter bekämpft werden, welche vor allem in der gesellschaftlichen Ungleichheiten zwischen den Geschlechtern zu finden sind.

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