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Krieg in der Ukraine verschärft Hungerkrise

Nach Berechnungen des World Food Programme könnten bis zu 323 Millionen Menschen im Jahr 2022 von Ernährungsunsicherheit betroffen sein.
Traktor steht auf Weizenfeld
Die Kosten für Grundnahrungsmittel wie Weizen steigen durch die Corona-Krise und den Krieg stetig. © Pexels / Tom Fisk
Die Auswirkungen des Krieges zwischen Russland und der Ukraine gehen weit über deren Grenzen hinweg. Neben den mittlerweile über 4,6 Millionen Flüchtlingen, die in Österreich und in anderen Ländern Zuflucht suchen, zeigen sich die Folgen auch am Weltmarkt. Nicht nur die Preise für Baustoffe wie Holz und Aluminium oder Strom steigen gefühlt täglich, auch Lebensmittel werden immer teurer. Der Grund: Ein Großteil von etwa Weizen und Mais, zwei wichtigen Grundnahrungsmitteln, kommt aus dem Krisengebiet. Auch Öl, Gas und Düngemittel werden von vielen landwirtschaftlichen ProduzentInnen normalerweise aus zum Beispiel Russland bezogen. Die rasant steigenden Kosten für LandwirtInnen bewirken, dass diese Anschaffungen minimieren oder sogar darauf verzichten müssen. Und der Verzicht auf etwa Dünger zieht reduzierte Erträge nach sich. Zusätzlich sorgen Klimakatastrophen wie Überflutungen oder Dürren zu weltweit geringeren Ernteerträgen, betroffene Nationen, wie etwa China, sind daher verstärkt auf Importe angewiesen.

Ernährungsunsicherheit steigt seit Pandemiebeginn

Schon mit Beginn der Corona-Pandemie zeigte sich ein klarer Anstieg der an Hunger leidenden Menschen. Lockdowns mit zusammenhängenden Jobverlusten, Lieferrestriktionen und wirtschaftlichen Krisen versetzten vulnerable Familien in schwierige Lagen. Lebensmittelpreise steigen aufgrund der Folgen und der kriegerischen Auseinandersetzungen zurzeit unaufhaltsam. Allein in Jemen war WFP etwa zu Beginn des Jahres schon gezwungen, "die Nahrungsmittelrationen für acht Millionen Menschen zu kürzen, weil die Finanzierung nicht ausreichte". Der Krieg belastet die von Import abhängige Region jetzt zusätzlich. Nur für das krisengebeutelte Land benötige das Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen fast 900 Millionen US-Dollar, um 13 Millionen Menschen in den nächsten sechs Monaten mit Ernährungshilfe zu unterstützen. Denn Grundnahrungsmittel erreichen Preise, welche bedürftige Familien nicht mehr finanzieren können. "Laut dem Lebensmittelpreisindex der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) erreichten die Lebensmittelpreise im Februar 2022 ein Allzeithoch", beschreibt die Hilfsorganisation, welche 2020 115,5 Millionen Menschen in 84 Ländern mit Nahrungsmitteln versorgte, die Lage. Durch den anhaltenden Krieg werden etwa ukrainische LandwirtInnen die neue Anbausaison und somit die nächsten Erträge verlieren.
Im Jemen ist Speiseöl um 36 Prozent teurer geworden, in Syrien 39 Prozent. Der Preis für Weizenmehl ist im Libanon um 47 Prozent gestiegen, in Libyen um 15 Prozent und in Palästina um 14 Prozent. - WFP
Weizenfeld
Das Brotgetreide Weizen dient in vielen Ländern als Grundnahrungsmittel. © Pexels / Antony Trivet
World Food Programme zeichnet in einem aktuellen Bericht nun zwei unterschiedliche Hochrechnungen mit erschreckenden Ergebnissen - einerseits wenn der Krieg mit April endet, andererseits wenn er über dieses Monat hinaus andauert. "Für die 81 Länder mit WFP-Operationen stellen wir fest, dass der akute Hunger im ersten Szenario um weitere 33 Millionen Menschen und im zweiten Szenario um weitere 47 Millionen Menschen zunehmen wird, ausgehend von einer Vorkriegsbasis von 276 Millionen Menschen, die bereits unter akutem Hunger litten", erläutert WFP. In beiden Szenarien am stärksten betroffen Afrika südlich der Sahara. Insgesamt könne demnach die Anzahl an den von akuter Ernährungsunsicherheit Betroffenen im Jahr 2022 auf bis zu 323 Millionen Menschen steigen.

Um die Situation abzufangen sei es laut WFP wichtig die vier Grundursachen des Hungers zu berücksichtigen – steigende Lebensmittelpreise, Konflikte, die Klimakrise und die Folgen der COVID-19-Pandemie. Langfristig ist es demnach national und global wichtig Maßnahmen als auch Richtlinien einzuführen, die dazu beitragen können, etwa die Auswirkungen von Konflikten auf die Ernährungssicherheit der ganzen Welt abzuschwächen. Ein Beispiel dafür sei laut World Food Programme die vorherrschende Energie- und Landwirtschaftspolitik zu überdenken, um die Importquellen für Lebensmittel und Brennstoffe zu diversifizieren und Abhängigkeiten zu reduzieren.

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