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Die Krankheit mit 1.000 Gesichtern

Österreichweit sind rund 14.000 Personen von Multipler Sklerose betroffen.
MRT Gehirn
Multiple Sklerose hat je Person unterschiedliche Symptome und Auswirkungen. Weltweit sind rund zwei Millionen Menschen von der Erkrankung betroffen. © Pexels / Anna Shvets
Die Multiple Sklerose - kurz MS - wird als Autoimmunerkrankung klassifiziert. Dies bedeutet, dass das eigene Immunsystem gegen bestimmte Strukturen des Nervensystems vorgeht bzw. dieses angreift. Infolgedessen werden Nervenzellen durch das Immunsystem geschädigt und zerstört. Die neurodegenerative Erkrankung tritt meist im jungen Erwachsenenalter zwischen dem 20 und 40 Lebensjahr auf. Frauen erkranken um ein vielfaches häufiger als Männer. In Österreich sind rund 14.000 Menschen von MS betroffen. Globalen Untersuchungen zufolge nimmt die Erkrankungshäufigkeit mit der Entfernung zum Äquator zu, was unter anderem mit einem Vitamin D Mangel zusammenhängen könnte. Warum Menschen an MS erkranken, ist jedoch noch nicht vollständig geklärt. Zum jetzigen Erkenntnisstand ist Multiple Sklerose nicht heilbar.
Die Multiple Sklerose beeinflusst die Lebenserwartung nur minimal. In mehreren Untersuchungen waren 25 Jahre nach Ausbruch der Erkrankung noch über 75% der Patienten am Leben. - MS Gesellschaft Wien
MRT Untersuchung
Mithilfe der Magnetresonanztomographie (MRT) kann Multiple Sklerose abgeklärt werden. © Pexels / Mart Production
Der Verlauf und die Symptome von MS sind von Mensch zu Mensch sehr unterschiedlich ausgeprägt und der Grund warum die Autoimmunerkrankung oft auch als "Krankheit mit 1.000 Gesichtern" bezeichnet wird. Für das Krankheitsbild übliche neurologische Symptome treten zu Beginn meist in Schüben auf. Erste Anzeichen können beispielweise Sensibilitätsstörungen, Taubheitsgefühle und Kribbeln in den Extremitäten oder akute Sehverminderung sein. "Plötzliches, unscharfes Sehen, Schleier bis zu einem akuten Sehverlust können die Folgen der Entzündung sein", so die MS Gesellschaft Wien. Aber auch Fatigue, daher eine abnorme Ermüdbarkeit bei normalem Tagesablauf, und Gangstörungen gehören zur Symptomatik. Eine Gewissheit, ob eine MS-Erkrankung vorliegt, kann mittels einer Magnetresonanztomographie und einer Untersuchung der Gehirn- und Rückenmarksflüssigkeit (Liquoruntersuchung) erfolgen.

Wenn eine eindeutige Diagnose gestellt ist, können PatienInnen neben einer medikamentösen Behandlung während den Schüben, auch eine medizinische und psychologische Langzeitbehandlung beginnen. "In den letzten Jahren wurde eine Reihe von Medikamenten entwickelt, welche die Häufigkeit der schubförmigen Verschlechterungen reduzieren und die Zunahme der bleibenden neurologischen Ausfälle verzögern können", erklärt MS Gesellschaft Wien. Der Einsatz von der Kombination verschiedener Maßnahmen, so die Forschung, kann den Verlauf der Krankheit günstig beeinflussen. Durch die individuell angepasste Therapie wird die Lebenserwartung von Betroffenen durch die Krankheit nur wenig beeinflusst.
Bewegungsgruppe in einem Saal
Regelmäßige gezielte Übungen helfen MS-PatientInnen dabei die Bewegungsfähigkeit zu erhalten. © Unsplash / Anupam Mahapatra

Ein Leben mit MS

Ein langes Leben mit Multipler Sklerose ist möglich. Die MS Gesellschaft Wien ist eine der Organisationen die es sich zur Aufgabe gemacht haben Betroffene und auch Angehörige in allen Bundesländern bestmöglich zu unterstützen. Angefangen von umfassender Beratung, um alle Fragen bezüglich der Erkrankung abzuklären, kann etwa auch rechtliche Unterstützung in Anspruch genommen werden.

Zu Beginn der Diagnose stehen die meisten PatientInnen verständlicherweise unter Schock, vor allem aufgrund der Ungewissheit was den Krankheitsverlauf betrifft. Umso wichtiger ist die laufende psychotherapeutische Betreuung von Betroffenen und auch dem Umfeld. Die MS-Gesellschaft Wien bietet deshalb kostenlose Einzel-, Paar- sowie Familientherapien für Personen jedes Alters an. Das Projekt "Superhands" der Johanniter richtet Beratung, Information, Unterstützung und Vernetzung hingegen an pflegende Kinder und Jugendliche.

Caritas Socialis ist auf die Betreuung an Multipler Sklerose Erkrankter spezialisiert und bietet etwa im Sozialzentrum Rennweg ein Tageszentrum und eine neurologische Langzeitstation an. Und auch körperliche Betätigung ist für PatientInnen wichtig, aufgrund dessen die MS-Gesellschaft Wien jedes Semester physiotherapeutische Turngruppen organisiert.