Die Akademie der Zivilgesellschaft stellt sich vor

Für Menschen, die in der Freiwilligenarbeit tätig sind oder sein möchten, gibt es in Wien ein neues Angebot: Am Mittwoch, den 9. März, hat die kürzlich gegründete Akademie der Zivilgesellschaft zu einem Infoabend in die Urania geladen. Ab April bietet die Akademie, als Teil der Wiener Volkshochschulen, Lehrgänge für all jene, die eine eigene Initiative starten wollen.

"Schwer beeindruckt" zeigte sich Mario Rieder, Geschäftsführer der Wiener Volkshochschulen, angesichts des sozialen Engagements der Wienerinnen und Wiener, welches sich im letzten Jahr insbesondere im Bereich der Flüchtlingshilfe gezeigt habe. Die VHS Wien habe folglich den Mangel an institutionalisierten Strukturen erkannt, welche die Grundlagen der Freiwilligenarbeit vermittelt. Als Bildungszentrum aber auch als Plattform wolle man mit der am 1. Februar 2016 gegründeten Akademie der Zivilgesellschaft Unterstützung für engagierte Privatpersonen sowie für NGOs, Vereine und Initiativen bieten.

Unterstützung bei der NGO-Gründung

"Willkommen jene, die etwas tun wollen – für andere Menschen!". Brigitte Pabst begrüßt als Direktorin der Akademie die Gäste des Infoabends. Die bereits bestehenden Initiativen und Organisationen sehe die Akademie als potentielle Partner für hier neu entstehende Projekte, wie Papst betont. Denn das Angebot der Akademie umfasst, neben der Aus- und Weiterbildung und der Unterstützung bei der Gründung spezifischer Projekte, insbesondere auch die Vernetzung mit etwaigen Kooperationspartnern. Ziel der Akademie sei es letztlich, Personen, "die etwas Neues beginnen, etwas beitragen wollen zu einem guten Zusammenleben in Wien", bei der Realisierung ihres Projekts zu unterstützen.
Schon am 5. April startet die Akademie mit zwei Klassen. Brigitte Pabst stellt 16 Lern-Module vor  durch die den KursteilnehmerInnen notwenige Kompetenzen vermittelt werden sollen. © spendeninfo.at/Hannah HauptmannSchon am 5. April startet die Akademie mit zwei Klassen. Brigitte Pabst stellt 16 Lern-Module vor  durch die den KursteilnehmerInnen notwenige Kompetenzen vermittelt werden sollen. © spendeninfo.at/Hannah HauptmannSchon am 5. April startet die Akademie mit zwei Klassen. Brigitte Pabst stellt 16 Lern-Module vor  durch die den KursteilnehmerInnen notwenige Kompetenzen vermittelt werden sollen. © spendeninfo.at/Hannah HauptmannSchon am 5. April startet die Akademie mit zwei Klassen. Brigitte Pabst stellt 16 Lern-Module vor  durch die den KursteilnehmerInnen notwenige Kompetenzen vermittelt werden sollen. © spendeninfo.at/Hannah Hauptmann[1457621532061556.jpg]
Schon am 5. April startet die Akademie mit zwei Klassen. Brigitte Pabst stellt 16 Lern-Module vor, durch die den KursteilnehmerInnen notwenige Kompetenzen vermittelt werden sollen. © spendeninfo.at/Hannah Hauptmann

In 16 Modulen zur eigenen Organisation

Der Lehrgang der Akademie der Zivilgesellschaft wird am 5. April in die erste Runde gehen. "Wir unterstützen Sie, wenn Sie freiwillig aktiv werden wollen", erklärt Papst zu Beginn der Präsentation des Lehrplans. Dieser umfasst 16 Module, die jeweils an einem Kurstag durchgenommen werden. Dabei sollen die TeilnehmerInnen die notwendigen Kompetenzen erlernen, um in Folge ihre eigene Initiative aufzubauen. Die Modul-Struktur "bietet zwei wesentliche Vorzüge: Erstens das Lernen in der Gruppe und zweitens, dass trotzdem eine klare Struktur mit professionellem Lehrkörper und fixem Zeitplan" gegeben ist, fügt Pabst hinzu.

Ob soziales Engagement, Natur- oder Tierschutz – Die Bereiche, in denen eine NGO tätig sein kann, sind zahlreich. Dennoch macht Pabst klar, welche Projekte die Akademie nicht unterstützen wird: Nämlich jene, die nicht zum Zusammenleben in Wien beitragen und solche, hinter denen sich eine Erwerbsabsicht verbirgt.
Das Team der Akademie der Zivilgesellschaft (v.l.n.r.): Brigitte Pabst  Peter Prantl  Tanja Todorovic-Kuzmanovic. © VHS WienDas Team der Akademie der Zivilgesellschaft (v.l.n.r.): Brigitte Pabst  Peter Prantl  Tanja Todorovic-Kuzmanovic. © VHS WienDas Team der Akademie der Zivilgesellschaft (v.l.n.r.): Brigitte Pabst  Peter Prantl  Tanja Todorovic-Kuzmanovic. © VHS WienDas Team der Akademie der Zivilgesellschaft (v.l.n.r.): Brigitte Pabst  Peter Prantl  Tanja Todorovic-Kuzmanovic. © VHS Wien[1457945620953313.jpg]
Das Team der Akademie der Zivilgesellschaft (v.l.n.r.): Brigitte Pabst, Peter Prantl, Tanja Todorovic-Kuzmanovic. © VHS Wien

Vernetzungsplattform für Ehrenamtliche

Ein vergleichbares Angebot zur Unterstützung ehrenamtlicher Projekte gäbe es im deutschsprachigen Raum bislang nicht, erzählt Peter Prantl, PR-Manager der Akademie der Zivilgesellschaft im Gespräch mit SPENDENINFO.AT. In Deutschland würden einige Institute bereits Vergleichbares auf die Beine stellen.

Auch wenn die Zielgruppe des Lehrgangs grundsätzlich all jene Personen miteinschließt, die durch ehrenamtliche Arbeit etwas in der Stadt bewegen wollen: Dass finanzielle Auskommen der TeilnehmerInnen sollte gegeben sein. So gilt es zu Beginn etwa die persönlichen zeitlichen Ressourcen zu analysieren, die für die Freiwilligenarbeit auch langfristig zur Verfügung gestellt werden können. "Wir haben Ihnen keine Jobs zu bieten, dass es gesagt ist", bringt es Brigitte Papst dahingehend auf den Punkt.

Ziel ist es ebenso, dass sich KursteilnehmerInnen und AbsolventInnen der Akademie im Zuge monatlicher Treffen vernetzen. Die VHS Wiener Urania hat sich bereit erklärt, dafür Räumlichkeiten zur Verfügung zu stellen. Außerdem soll die Website der Akademie ergänzend als Vernetzungsplattform dienen, wie Peter Prantl gegenüber SPENDENINFO.AT erörtert.

In der Pension aktiv sein

Schon in der Vergangenheit hatte es Bestrebungen gegeben, engagierte BürgInnen bei der Gründung einer ehrenamtlichen Organisation professionell zu unterstützen. So ist im Jahr 2004 die MuseumsAGEntur Wien ins Leben gerufen worden, die Seniorinnen und Senioren als freiwillige Mitarbeiter an Wiener Museen und Archive weitervermittelt.

Leiterin Lore Streiter stellt am Infoabend ihre Organisation vor. Die MuseumsAGEntur wende sich vor allem an aktive ältere Menschen, für die eine Pensionierung und somit das altersbedingte Ausscheiden aus der Erwerbstätigkeit noch kein Anlass ist, der Arbeitswelt den Rücken zu kehren. Das zeigt auch die Zahl jener, die in den vergangenen zwölf Jahren über die Organisation vermittelt wurden: Waren es zu Beginn 20 Personen, zählt die MuseumsAGEntur heute 100 freiwillige Mitarbeiter.
Einer der zahlreichen Gäste ist Helmut Gruber. Der studierte Sozialarbeiter möchte die Vernetzung von Freiwilligen  ProjektträgerInnen und potentiellen GeldgeberInnen fördern. © spendeninfo.at/Hannah HauptmannEiner der zahlreichen Gäste ist Helmut Gruber. Der studierte Sozialarbeiter möchte die Vernetzung von Freiwilligen  ProjektträgerInnen und potentiellen GeldgeberInnen fördern. © spendeninfo.at/Hannah HauptmannEiner der zahlreichen Gäste ist Helmut Gruber. Der studierte Sozialarbeiter möchte die Vernetzung von Freiwilligen  ProjektträgerInnen und potentiellen GeldgeberInnen fördern. © spendeninfo.at/Hannah HauptmannEiner der zahlreichen Gäste ist Helmut Gruber. Der studierte Sozialarbeiter möchte die Vernetzung von Freiwilligen  ProjektträgerInnen und potentiellen GeldgeberInnen fördern. © spendeninfo.at/Hannah Hauptmann[145762153934331.jpg]
Einer der zahlreichen Gäste ist Helmut Gruber. Der studierte Sozialarbeiter möchte die Vernetzung von Freiwilligen, ProjektträgerInnen und potentiellen GeldgeberInnen fördern. © spendeninfo.at/Hannah Hauptmann

Engagierte unterstützen und gegenseitig inspirieren

Die Akademie möchte vor allem Personen ansprechen, die schon ein konkretes Ziel vor Augen haben und im Laufe des Kurses eine Initiative gründen wollen. Denn der Lehrstoff soll – wenn möglich – nicht an theoretischen Beispielen erprobt werden, sondern an einem realen Projekt.

Einer der zahlreichen Gäste, die in die Urania gekommen sind, ist Helmut Gruber. Schon in der Vergangenheit ist er für mehrere Initiativen aktiv gewesen und ist besonders daran interessiert, die Vernetzung zwischen Freiwilligen, Projekten und möglichen GeldgeberInnen zu verbessern: "Es geht darum, "Changemakers" über Videos zu portraitieren und ihnen Patenschaften zu ermöglichen. Damit bekommen sie bestenfalls ein Grundeinkommen, wodurch sie sich nicht nur ehrenamtlich sondern hauptberuflich um ihr Anliegen kümmern können". Unternehmen oder Private würden einer engagierten Person (einem "Changemaker") ihren Einsatz finanzieren und dadurch ebenfalls einen Beitrag zur Zivilgesellschaft leisten.

Gruber ist von der neuen Akademie der Zivilgesellschaft begeistert. Allerdings hat er mittlerweile die Erfahrung gemacht, dass sich Junge Menschen vor allem im Internet vernetzen würden. Auf ihre eigene, ganz chaotische Weise und mit jeder Menge Willenskraft würden sie viel bewegen. Daher sei es gut, dass der modulare Lehrplan der Akademie auch auf die Bedürfnisse der Kursteilnehmer Rücksicht nehme, denn die "Generation 2.0" sei beim Thema Freiwilligkeit nicht besonders an strukturierter, theoretischer Wissensvermittlung interessiert, so Gruber weiter. Seine Erwartungen richten sich daher weniger an den konkreten Lehrplan: Die Akademie biete einen Ort der gegenseitigen Inspiration und des Austausches und das ist, woran Gruber teilhaben möchte.

Infos

Kosten des Lehrgangs: € 2.667.-
Kosten für Privatpersonen*: € 98.-
Kosten für Studierende: € 49.-

Kursangebot: Wochen- (Dienstag) und Wochenendkurs (Freitag und Samstag), je 20 TeilnehmerInnen.
Die Plätze werden nach dem "First come, first serve"-Prinzip vergeben. Zusätzlich werden persönliche Gespräche in Gruppen zu je sechs Personen geführt.

Anmeldung per Mail an zivilgesellschaft@vhs.at
Telefon: 01/891 74 – 100 181

* Personen, die sich ehrenamtlich in einem Projekt engagieren oder selbst eine Initiative gründen möchten.
11.03.2016