CARE Österreich

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© Walter Grösel

Die internationale NGO wurde in Österreich durch die in der Nachkriegszeit versandten CARE-Pakete bekannt.

Die Idee war simpel. FreundInnen, Bekannten und Verwandten im hungerleidenden Europa sollte geholfen werden. Zu diesem Zweck taten sich am 27. November 1945 22 US-amerikanische Hilfsorganisationen zusammen und gründeten CARE.

Treffender war selten ein Name. Das englische "Care" bedeutet Sorge, Obhut und Pflege. Das Akronym CARE ("Cooperative for American Remittances to Europe") gab die Zielsetzung bekannt.

Die Pakete waren 14 kg schwer, Kostenpunkt 15 US-Dollar und waren eigentlich gar nicht für ZivilistInnen gedacht. Die CARE-Pakete der ersten Generation waren nichts anderes als aufgekaufte Restbestände der Marschverpflegung der US-Armee. Deren Inhalt war für zehn Soldaten pro Tag vorgesehen und enthielt:

  • 4,1 Kilo Fleisch und Innereien
  • 2,7 Kilo Cornflakes, Haferflocken und Kekse
  • 1,4 Kilo Obst und Pudding
  • 0,9 Kilo Gemüse
  • 1,4 Kilo Zucker
  • 0,5 Kilo Kakao-, Kaffee- und anderes Getränkepulver
  • 0,4 Kilo kondensierte Milch
  • 0,2 Kilo Butter
  • 0,2 Kilo Käse
  • eine Packung Zigaretten
  • etwas Kaugummi

Daraus entstand eine der erfolgreichsten Hilfsaktionen und -organisationen überhaupt. Waren die CARE-Pakete anfangs persönlich adressiert - EmpfängerInnen wurden per Postkarte informiert, wann und wo das Paket abgeholt werden konnte - gab es alsbald auch "general-relief"-Pakete, die über das damalige Bundesministerium für soziale Verwaltung verteilt wurden. So kamen auch Menschen ohne Bekannte in Amerika zu Lebensmittelpakten, die meisten wurden an Altersheime, Krankenhäuser und Schulen geliefert.

Die ersten zehn CARE-Pakete trafen am 25. Juli 1946 in Österreich ein. Bis 1955 sollten rund eine Million folgen. Ab März 1947 wurden die Inhalte der Lebensmittelpakete flexibler und vor allem umfangreicher. Die Restbestände der US-Armee waren nämlich restlos aufgekauft, die Pakete wurden nun neu zusammengestellt.

Die enorme Bedeutung der CARE-Pakete im gebeutelten Nachkriegseuropa verdeutlicht folgende Anekdote: Einer Mutter wird im Oktober 1946 ihr Kind entführt, während sie sich bei einer Rotkreuz-Station in Wien-Ottakring um Milch anstellt. Medialer Aufschrei, Großeinsatz der Polizei und eine ausgeschriebene Belohnung nutzen alles nichts. Das Kind bleibt verschwunden. Erst als die junge Hilfsorganisation über Rundfunk und Presse eine Belohnung von fünf CARE-Paketen für zweckdienliche Hinweise auslobt, taucht das Kind wieder auf.

Everywhere statt Europe

Heute zählt CARE zu den größten privaten Hilfsorganisationen weltweit. CARE International ist mit 890 Projekten in 95 Ländern vertreten. CARE hilft weltweit bei Krisen und Katastrophen, führt zudem auch längerfristige Entwicklungsprojekte durch. Seit 2007 liegt ein besonderer Schwerpunkt der Arbeit auf der Stärkung von Frauen und Mädchen.

CARE International besteht aus 14 nationalen Mitgliederorganisationen. CARE Österreich wurde 1986 gegründet und betreute 2016 91 Projekte in 33 Ländern (2015: 70 in 30 Ländern).

Andrea Barschdorf-Hager, die Geschäftsführerin von CARE Österreich arbeitete von 1992 bis 2009 für Menschen für Menschen. Ehrenamtlich aktiv für CARE Österreich ist unter anderem die LIF-Gründerin Heide Schmidt.

CARE Österreich gehört zu den vom Finanzministerium begünstigten Spendenempfängern, das Österreichische Spendengütesiegel darf der Verein schon seit 2002 tragen.

Der neuen Aufgabenstellung als Hilfsorganisation wurde auch beim Akronym Rechnung getragen: CARE steht mittlerweile für "Cooperative for American Relief to Everywhere" und arbeitet weiterhin am "anywhere", um die Armut weltweit zu überwinden.
17.07.2017