Auch Mädchen sollen zur Schule gehen

Frauen im ländlichen Äthiopien sind ihren Männern unterstellt, oft dürfen sie selbst nichts verdienen und fristen ein Leben in Abhängigkeit. Das Entwicklungshilfeklub-Projekt bietet Hilfe zur Selbsthilfe für rund 600 Frauen und Töchter.

Das Leben im ruralen Äthiopien ist ohnehin kein leichtes, für Frauen ist es zudem von Unterdrückung geprägt. Von kleinauf fallen sie Diskriminierungen zum Opfer, eine Gleichstellung zwischen Mann und Frau scheint hier vielerorts noch fern.

Schon in jungen Jahren müssen Mädchen im Haushalt mithelfen, es gehört zu ihren Aufgaben, Wasser zu holen und Feuerholz zu sammeln. Während Buben zur Schule gehen dürfen, müssen Mädchen zu Hause bleiben. Im Alter von nur zehn Jahren werden sie an einen fremden Mann verkauft, wenige Jahre später verheiratet und von ihrer Familie weggerissen. Doch auch als erwachsene Frau ändern sich die Lebensumstände nur selten zum Besseren.
"Wenn du dann eine Frau bist ist dein Platz im Haus deines Mannes. Du kochst, wäschst, versorgst die Familie, kümmerst dich um das Vieh, arbeitest auf dem Feld. Aber mitzureden hast du nichts, du darfst nicht einmal ein Stück Land oder sonst etwas besitzen. Wenn du keine Kinder zur Welt bringst oder nur Mädchen, schickt dich dein Mann fort. Wenn er stirbt, erbst du nichts und bleibst als Witwe zurück" - Feyine, junge Mutter im Dorf Elele

Bildung als Schlüssel

Der Schlüssel lautet wie sooft Bildung. Denn diese stärkt, sie fördert Emanzipation und Unabhängigkeit, bietet den Mädchen und Frauen einen Weg aus der Armut. Das Projekt des Entwicklungshilfeklubs verfolgt hierbei einen besonders nachhaltigen Ansatz:
  • Zu je zehn Frauen werden Selbsthilfegruppen gebildet, gemeinsam erarbeiten sie Projekte und unterstützen sich sich gegenseitig bei der Realisierung dieser.
  • Innerhalb des Kollektivs erhalten die Frauen Spartipps, etwa wie sie mithilfe eines Gruppenkontos von Zinsen profitieren können.
  • Haben die Frauen sich ein wenig Geld angespart, erhalten sie für die jeweils ausgearbeitete Initiative ein kleines Startkapital, um beispielsweise eine Ziege oder Saatgut zu erstehen.
  • Die Anschaffungen sollen in Folge den Handel mit Gütern ermöglichen. Durch den Verkauf von landwirtschaftlichen Erträgen oder hergestellten Waren verfügen die Frauen über selbstverdientes Geld.
  • Im Rahmen von abendlichen Alphabetisierungskursen werden die Frauen im Lesen, Schreiben und Rechnen geschult.
  • Mädchen werden hinsichtlich ihrer Schulbildung gefördert, sie nehmen an Vorschulkursen und Nachhilfe teil. Die Schulabbrüche der Mädchen sollen dadurch verringert werden.
  • Schließlich umfasst das Projekt auch die Einbindung der Familienväter. Für ein nachhaltiges Umdenken der Eltern hinsichtlich der Relevanz der Bildung ihrer Töchter und um traditionelle Denkmuster zu durchbrechen, wird Bewusstseinsbildung betrieben.
Insgesamt soll dieses Angebot 600 Müttern und Töchtern in der Projektregion Hadiya-Zone (siehe Karte) zur Verfügung gestellt werden. Die Kosten für die Unterstützung einer Frau für ein Jahr belaufen sich auf 76 Euro. Der Entwicklungshilfeklub bittet unter Angabe der Projektnummer 315 um Spenden.
06.07.2017