Betreuung, Ausbildung und Sport für Straßenkinder

Rund 120 marginalisierte Kinder kommen täglich in die drei Tagesbetreuungszentren von Sonne International in Myanmar.

Die politische und wirtschaftliche Isolation - bedingt durch Jahrzehnte währende Militärdiktatur und unzählige ethnische Konflikte - führte zu einer enormen Verarmung der Bevölkerung Myanmars. Die medizinische Versorgungslage ist prekär, die Kindersterblichkeitsrate bis zum fünften Lebensjahr liegt bei über 10%.

Seit 2008 betreibt die Hilfsororganisation Sonne International ein Day Care Center für Straßenkinder und gefährdete Jugendliche in Yangon (auch Rangun genannt), der größten Stadt Myanmars. 2015 konnten zwei weitere Tagesbetreuungszentren eröffnet werden.

Die drei Day Care Center sind Tagesbetreuungs- und Ausbildungsstätten für täglich rund 120 Kinder. Sie kommen am Vormittag ins Zentrum, wo sie sich waschen können und anschließend eine warme Mahlzeit erhalten. Bei Bedarf werden sie medizinisch betreut, viele Kinder und Jugendliche sind durch das entbehrungsreiche Leben auf der Straße krank.

Nach einer Ruhephase werden die Kinder in Schreiben, Lesen, Rechnen und anderen Schulfächern unterrichtet. Außerdem versuchen die von Sonne International angestellten SozialarbeiterInnen sie zum Besuch der regulären (staatlichen) Schule zu motivieren, um ihre Reintegration in ein kind- und jugendgerechtes Leben zu ermöglichen.

2015 absolvierten zudem mehr als 70 Jugendliche ein einkommensschaffendes Trainingsprogramm in den Bereichen Schneiderei, KFZ-Mechanik oder Rattan-Flechtkunst. Die Kurse stellen fast immer die Basis für die darauffolgende Berufswahl der Jugendlichen dar.

Ziel des Tagesbetreuungszentrums ist es weiters, die Familienstrukturen so weit zu stärken, dass die Kinder und Jugendlichen wieder einer geregelten Beschäftigung nachgehen (Schulbesuch, Berufstätigkeit) und ihren Unterhalt nicht mehr auf der Straße bestreiten müssen. In einzelnen Fällen (und falls deren sinnvolle Verwendung gewährleistet scheint) werden Kleinkredite an die Eltern der Kinder vergeben.

Eine Chance für gefährdete Jugendliche

Sonne International hilft inhaftierten Kindern und Jugendlichen in der "Thanlyin Boys Training School", die etwa wegen illegalem Müllsammeln oder aufgrund anderer Bagatelldelikte in der geschlossenen Erziehungsanstalt des burmesischen Sozialministeriums gelandet sind. Die Unterstützung reicht von Freizeitgestaltung und Alphabetisierung bis hin zu Nahrungsversorgung der jugendlichen Insassen. Vordergründig ist dabei auch der wertvolle Einsatz der SozialarbeiterInnen und das Verhindern eines Verfahrens gegen die Kinder. Im Bedarfsfall werden Kleinkredite an die Familien der Jugendlichen vergeben.

Im Norden Yangons, im von Elendsvierteln geprägten Stadtteil North Dagon, leistet der Verein seit Dezember 2014 Hilfe zur Selbsthilfe für gefährdete Jugendliche: Im Sonne-Ausbildungszentrum erhalten rund 200 von Arbeitslosigkeit und Verelendung betroffene Jugendliche im Jahr eine Berufsausbildung. Obdachlose und jene Jugendliche aus anderen Sonne-Projekten erhalten über eine Ausbildung hinaus auch einen Schlafplatz im Zentrum, SozialarbeiterInnen kümmern sich umfassend um die Jugendlichen und deren Familien. Schließlich setzt die Hilfsorganisation auch zwei Pädagoginnen ein, um Straßenkindern in North Dagon das Lesen und Schreiben zu lehren.

Sport fördert die individuelle Entwicklung

Im März 2013 startete Sonne International unter Förderung des Sportministeriums ein Sportprojekt für Jugendliche aus den Sonne-Einrichtungen; obdachlose Jugendliche, Straßenkinder, Kinder aus unterprivilegierten Familien, SchülerInnen der Sonne-Schulen und der geförderten Klosterschule nehmen an dem Projekt teil.

Nachdem die Finanzierung durch das Sportministerium mit Februar 2015 endete, ist der Verein auf Spenden angewiesen, um dieses essentielle Projekt für die marginalisierten Jugendlichen fortzusetzen. Unter der Leitung von SporttrainerInnen und BetreuerInnen haben die Kinder dabei die Möglichkeit, verschiedenen Sportarten nachzugehen: Fußball, Badminton, Leichtathletik, Tischtennis oder Gymnastik.

Die Trainings und die Teilnahme an Wettbewerben ermöglichen einerseits einen strukturierteren Tagesablauf für die Jugendlichen, andererseits wird die individuelle Entwicklung und die psychosoziale Gesundheit gefördert. Überdies geht eine Förderung von Disziplin, Durchhaltevermögen und Teamgeist damit einher, langfristig tragen die regelmäßigen Sporttrainings zur Konfliktprävention und der gesellschaftlichen und sozialen Wiedereingliederung der jungen Menschen bei.
24.04.2017