Bedrohte Freiheit und starke Frauen

Der Dokumentarfilm "Women of Freedom" bricht das Schweigen über Ehrenmorde in Palästina und beleuchtet die komplexen Hintergründe des grausamen Phänomens. Ein wichtiger Schritt zur Verbesserung der Lage ist ein offener Umgang mit dem Thema und die Stärkung von Frauen.

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Ehrenmorde sind ein Tabuthema in Palästina, das die Filmemacherin Abeer Zeiback Haddad mit ihrem Dokumentarfilm "Women of Freedom" erstmals offen behandelt. © Women of Freedom
Abeer Zaeibak Haddad weiß nicht sicher, ob es ein Märchen oder eine wahre Geschichte ist, an die sie immer wieder denken muss: Eine Großmutter, die ihre Enkelin im Schlaf mit Quecksilber vergiftet. Die Erzählung verfolgt sie, seit sie ein kleines Mädchen war und sollte darüber aufklären, was passiert, wenn Frauen die Ehre ihrer Familie verletzen.

Im Namen der Familienehre

"Ehrenmorde" sind der Stoff, den die palästinensische Filmemacherin Abeer Zaeibak Haddad in ihrem Dokumentarfilm "Women of Freedom" behandelt. Vier Jahre lang hat sie dafür nach Schicksalen gesucht, die das komplexe Thema von allen Seiten beleuchten. Der Film soll nicht nur das Schweigen über das Thema brechen, sondern auch gesellschaftliche und politische Rahmenbedingungen hinterfragen, unter denen "Ehrenmorde" ermöglicht und gedeckt werden. Mit Vorführungen in Israel und Palästina sollen vor allem Männern bleibende Bilder in den Kopf gesetzt werden. Die emotionelen Einblicke in das Leben der betroffenen Frauen sollen sie langsam zum Umdenken bringen.

Im Film spricht die Regisseurin mit Frauen, die knapp einem Mordversuch entkommen sind. Es kommen aber auch Männer und engagierte Menschen zu Wort, die die Situation für Frauen verbessern und ihre Rechte stärken wollen. Dabei wird klar, dass der Begriff Ehrenmord auch oft als bequemer Deckmantel für Morde dienen kann, deren Motiv ein ganz anderes ist.

Handelt es sich offiziell um einen "Ehrenmord", kommen Tätern in den beschriebenen Gebieten laut Gesetz mildernde Umstände zu Gute. Die Polizei verbucht Morde an jungen Frauen häufig als Selbstmord oder nimmt die Ermittlungen nicht ganz so ernst. Es macht das Leben vor allem für männliche Beteiligte einfacher. Aber wie die Geschichte mit dem Quecksilber zeigt, sind auch Frauen selbst oft Teil des gefährlichen Systems.
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Damit sich starke Frauen in Palästina nicht verstecken müssen, ist die Hilfe von NGOs nötig. © Women of Freedom

Schutz und Empowerment

Wer sich näher mit dieser verstrickten Materie befasst, merkt schnell, dass diese Praxis nicht nur das Produkt von kulturellen oder religiösen Traditionen ist. Die schwierige politische Lage in Israel und Palästina und eine patriarchalisch geprägte Gesellschaft spielen bedeutende Rollen. Eine schnelle und endgültige Lösung dieses Problems scheint unwahrscheinlich. Initiativen zur Bewusstseinsbildung, Aufklärung und Schutz für betroffene Frauen tragen aber einen wichtigen Beitrag zur Verbesserung der Lage bei.

Im Dokumentarfilm sieht man MitarbeiterInnen, die für die Telefonhotline der Non-Profit-Organisation SAWA arbeiten, die sich palästinensischen Frauen annimmt, die von Gewalt betroffen sind und für Gleichberechtigung kämpft. Auch die Young Women´s Christian Organisation (YWCA) Palästina setzt sich für Frauenrechte ein und arbeitet dabei mit Brot für die Welt zusammen. Im Projekt "Gemeinsam sind wir stark", werden Frauen Fähigkeiten vermittelt, um ihre sozialen und wirtschaftlichen Rechte einzufordern. Auch das Projekt "Fortbildung und Friedenserziehung" richtet sich speziell an Frauen- und Mädchengruppen. Durch stärkere Kompetenzen in den Bereichen Dialog und Konfliktlösung, sollen Frauen sich in einer männlich geprägten Gesellschaft besser durchsetzen lernen.
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© Ethnocineca

Über den Film

Titel: "Women of Freedom"
Regie: Abeer Zeibak Haddad
Palästina 2016

Der Film wurde im Rahmen des Dokumentarfilmfestivals "Ethnocineca" 2018 zum ersten Mal in Österreich gespielt und ist für den International Documentary Award nominiert.
AutorIn:
Elisa Heißenberger
08.05.2018