Medizinische Hilfe in syrischen Kriegsgebieten

Die internationale Hilfsorganisation ist in Syrien aktiv und versorgt Geflohene im Irak, Libanon und in Jordanien.

Nach über fünf Jahren des Krieges sind die städtischen Ballungsräume in Syrien weitgehend zerstört. Aktuellen Angaben von Ärzte ohne Grenzen (Medecins Sans Frontieres, MSF) zufolge befindet sich die Hälfte der über 20 Millionen EinwohnerInnen auf der Flucht (Stand Dezember 2016): Rund 4,3 Millionen haben das Land verlassen, 6,6 Millionen Menschen wurden zu Binnenflüchtlingen. Genaue Angaben sind jedoch nicht möglich, da bislang nicht alle Geflohene von UNHCR registiert werden konnten.

Die syrische Regierung, verbündete Oppositionskräfte, die al-Nusra-Front, der "Islamische Staat" sowie kurdische Kräfte sind die fünf Hauptakteure in diesem extrem gewaltvollen Konflikt. Kriegsschauplätze sind häufig zivile Siedlungsgebiete, Rettungskräfte und Gesundheitseinrichtungen werden gezielt bombadiert. Ärzte ohne Grenzen erhielt bisher keine offzielle Genehmigung, in den von der syrischen Regierung kontrollierten Gebieten medizinische Nothilfe zu leisten.

Die Hilfsorganisation fasste 2014 den Entschluss, sich aus den besetzten Gebieten des "Islamischen Staats" zurückziehen: Nach der Entführung und späteren Freilassung von MitarbeiterInnen stimmten die Gruppenführer des IS dem Ansuchen von MSF nicht zu, den Einsatzkräften und PatientInnen der Organisation eine künftige Sicherheitsgarantie zu gewähren. Aktuell ist Ärzte ohne Grenzen lediglich in jenen Regionen tätig, die von Oppositionellen oder kurdischen Gruppen kontrolliert werden.
Kampagne #NotATarget © Ärzte ohne Grenzen / Médecins Sans Frontières (MSF)

Kampagne #NotATarget

Allein im Jahr 2015 kamen 23 syrische MSF-MitarbeiterInnen zu Tode, 58 wurden verletzt. 63 Einrichtungen, die von Ärzte ohne Grenzen unterstützt werden, wurden im selben Zeitraum 94 Mal angegriffen, wovon zwölf aufgrund der starken Zerstörung geschlossen werden mussten.

Um auf die extrem gefährlichen Umstände aufmerksam zu machen, unter denen die MSF-Teams täglich Leben retten, gibt es seit 2016 die Online-Kampagne #NotATarget, um Rettungsdienste, ÄrztInnen und vor allem auch PatientInnen vor Angriffen zu schützen.

Aktuelle Tätigkeiten von MSF in Syrien (Zusammenfassung)

  • Sechs medizinische Einrichtungen von MSF im Norden Syriens, 70 Gesundheitseinrichtungen werden von Ärzte ohne Grenzen unterstützt und beliefert, in weiteren 80 wird in akuten Notsituationen ausgeholfen
  • Medizinische Hilfe, Versorgung von Notfällen, chirurgische Eingriffe, vor- und nachgeburtliche Beratungen und Geburtshilfe im Bezirksspital von Aʿzāz im Gouvernment Aleppo
  • In Kobanê wird die Bevölkerung mit Hilfgütern versorgt und gegen Masern geimpft
  • Unterstützung für die einzige Verbrennungsklinik in Idlib im Norden Syriens; darüber hinaus chirurgische Eingriffe, psychologische Hilfe, Masern- und Hepatitis-Impfungen für Kinder bzw. Neugeborene
  • Im Gouvernment Darʿā werden sechs Krankenhäuser und Gesundheitseinrichtungen mit medizinischen und humanitären Hilfsgütern beliefert wie auch technisch unterstützt
Insgesamt 2,85 Millionen Euro spendeten ÖsterreicherInnen im Jahr 2015 für die Hilfsaktionen von Ärzte ohne Grenzen in Syrien und dessen Nachbarländern.

Spendenhinweis

Die einzelnen Einsätze von Ärzte ohne Grenzen können nicht seperat unterstützt werden. Die Organisation verteilt die Spendeneinnahmen nach Bedarf.
19.12.2016