Ärzte ohne Grenzen

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© Walter Grösel

Ärzte ohne Grenzen leistet in Ländern medizinische Nothilfe, in denen die Gesundheitsstrukturen zusammengebrochen sind.

Helfen, egal wem, sich nicht einmischen, Neutralität unter allen Umständen: Diese Grundsätze stellte Henry Dunant im 19. Jahrhundert für das Rote Kreuz, die Mutter aller NGOs, auf.

Schon Dunants Zeitgenossin, die berühmte englische Krankenpflegerin Florence Nightingale, hatte das kritisiert: Hilfe verfehle ihr Ziel, wenn kriegsführende Parteien davon profitieren.

Heilen und schweigen. Auch Bernard Kouchner war mit Dunants Grundsätzen nicht ganz einverstanden. Der französische Arzt war während des Biafra-Kriegs (1967 - 1970) mit dem Roten Kreuz nach Nigeria gegangen, danach ereiferte er sich öffentlich über die vom Roten Kreuz auferlegte Schweigepflicht.

1971 war Kouchner einer von zwölf Gründern von Médecins Sans Frontières (auf Deutsch: Ärzte ohne Grenzen). Die Ärzte ohne Grenzen wollten anders sein. Gewiss, ihr oberstes Ziel ist und war es, Menschenleben zu retten, ihr Standpunkt, "dass alle Menschen - unabhängig von ihrer Nationalität, Hautfarbe, politischen oder religiösen Überzeugung - ein Recht auf Hilfe in lebensbedrohlichen Situationen haben", jenem des Roten Kreuz sehr ähnlich.

Nicht immer neutral

Die Ärzte ohne Grenzen mischen sich aber auch ein, beziehen Stellung, sind Zeugen. Mitbegründer Kouchner, der die Organisation 1979 im Streit verlassen und später französischer Außenminister werden sollte, formulierte es so: Die Ärzte ohne Grenzen sind stets unparteiisch, aber nicht immer neutral.

Helfen, egal wem, gilt für sie nicht immer. Ende 1994 zog sich die französische Sektion aus Hutu-Flüchtlingslagern im Kongo zurück, weil "es jetzt für Ärzte ohne Grenzen aus ethischen Gründen unmöglich geworden ist, weiter den Urhebern des ruandischen Völkermords zu helfen und sie zu unterstützen".

1995 wurden die "störenden Zeugen" aus Ruanda ausgewiesen, da sie über Massaker und Hinrichtungen berichteten. Weil "Völkermord nicht von den Ärzten gestoppt werden kann", hatten sie für ein bewaffnetes Eingreifen plädiert - ungewöhnlich für eine humanitäre Organisation. Zehn Jahre zuvor hatten sie Äthiopien verlassen müssen, nachdem sie über Zwangsumsiedlungen und Missbrauch von Hilfsgeldern berichteten.

2013 zog sich Ärzte ohne Grenzen nach 22 Jahren Einsatz aus Somalia zurück, da "Gewalt gegen Gesundheitspersonal in der somalischen Gesellschaft mittlerweile weitgehend akzeptiert wird".

Friedensnobelpreis

Für Aufsehen sorgte die Organisation Ärzte ohne Grenzen 2005, als sie nach dem Tsunami in Südostasien zweckgebundene Gelder an die Spender zurückzahlen wollte: Von den für die Tsunami-Opfer gespendeten 110 Millionen Euro hatte Ärzte ohne Grenzen in den betroffenen Gebieten nur 25 Millionen Euro verwendet. Die meisten Spender wollten das Geld nicht zurück, und Ärzte ohne Grenzen konnte einen Teil der zweckgebundenen Spenden nach deren Zustimmung in anderen Projekten einsetzen.

1999 wurde Ärzte ohne Grenzen mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet. Heute hat Ärzte ohne Grenzen Sektionen in 23 Ländern und ist die größte internationale Organisation für medizinische Nothilfe. Jährlich behandeln Ärzte ohne Grenzen neun Millionen Menschen.

Rund 25,8 Millionen Euro wurden im Jahr 2016 für Ärzte ohne Grenzen in Österreich gespendet. Damit ist Ärzte ohne Grenzen, was die Spendensumme angeht, nach Caritas, Rotem Kreuz und SOS Kinderdorf die viertgrößte NGO Österreichs.

Die österreichische Sektion der Ärzte darf schon seit 2001 das Österreichische Spendengütesiegel führen, Spenden an Ärzte ohne Grenzen sind von der Steuer absetzbar.
07.06.2017