Weil ich ein Mädchen bin

Am 11. Oktober sieht die Welt pink: Rathäuser, Museen und Wahrzeichen werden am Abend des 6. internationalen Mädchentags mit der kräftigen Farbe beleuchtet und so zu Symbolen des unermüdlichen Einsatzes für die Gleichberechtigung von Mädchen.

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Ein Mädchen macht ihre Hausaufgaben am Marktstand ihrer Eltern in Havanna, Kuba 2012 © Hannah Hauptmann
Es sind gravierende Missstände und Verstöße gegen die Menschenrechte – diese reichen von Armut, Krankheit und Analphabetismus über Gewalt und Unterdrückung bis zu Zwangsehe, Zwangsarbeit und Menschenhandel –, welche für das Kinderhilfswerk Plan International im Jahr 2003 den Ausschlag dafür geben, die besondere Förderung von Mädchen zu forcieren. Mit ihrer "Mädchen-Kampagne" schaffte es die NGO, auf die Lebensbedingungen von Frauen und Mädchen aller Länder aufmerksam zu machen und auch die Vereinten Nationen für ihr Anliegen zu gewinnen. Seit 2012 wird nun jährlich am 11. Oktober der Welt-Mädchentag begangen, die Kampagne von Plan International läuft seither unter dem Slogan "Because I am a Girl".

Die pakistanische Kinder- und Frauenrechtsaktivistin Malala Yousafzai, die 2014 im Alter von 17 Jahren zur jüngsten Trägerin des Friedensnobelpreises ernannt wurde, ist eines dieser "Girls": In ihrer ersten Ansprache vor den Vereinten Nationen zu ihrem 16. Geburtstag forderte Malala nicht bloß Regierungen auf, sich aufrichtig für gleiche Bildungschancen und Rechte für Frauen und Mädchen einzusetzen. Mit der Feststellung "We cannot succeed when half of us are held back" richtete sie sich direkt an die Betroffenen – und damit an 50 Prozent der Weltbevölkerung –, sich für Gleichberechtigung stark zu machen. Denn es könne nicht länger darauf gewartet werden, dass sich die Situation von selbst ändere.
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Die pakistanische Kinder- und Frauenrechtsaktivistin Malala Yousafzai erhielt 2014, im Alter von nur 17 Jahren, den Friedensnobelpreis. © UK Department for Intern. Development / CC BY-NC-ND 2.0

"Education first!"

Malala weiß, wovon sie spricht: Weil sie in Bloggbeiträgen den freien Bildungszugang für Mädchen forderte, wurde sie 2012 zu einem Opfer der Taliban. Bei einem gezielten Attentat schoss ihr ein Talib ins Gesicht, doch sie überlebte. Von ihrer neuen Heimat Großbritannien aus, setzt sie sich nun international für die Rechte von Mädchen und Frauen ein.

Malala endete ihre Ansprache vor der UNO mit dem Aufruf "education first!". Dass der Schlüssel zu einer offenen, friedlichen und florierenden Gesellschaft in der Bildung von Mädchen und Frauen liegt, wurde bereits in zahlreichen Studien, wie etwa "New Lessons. The Power of Educating Adolescent Girls" der US-amerikanischen Ökonomin Cynthia B. Lloyd aus dem Jahr 2009, bestätigt. Dennoch besuchen weltweit 62 Millionen Mädchen im Grund- und unteren Sekundarschulalter keinen Unterricht. Zählt man jene im oberen Sekundarschulalter hinzu, sind es sogar 130 Millionen – und somit über zehn Prozent aller weiblichen Personen unter 18 Jahren.

Den Teufelskreis durchbrechen

Aus Cynthia B. Lloyds Bericht geht hervor, dass eine Frau, welche in ihrer Jugend ein zusätzliches Jahr weiterführender Schulbildung in Anspruch nehmen konnte, ein um 10 bis 20 Prozent höheres Einkommen erhält.

"Mit der Möglichkeit, ihren Lebensunterhalt selbst erwirtschaften zu können, wird sie sich sowie ihre Kinder aus der Armut befreien können. Sie wird das, was sie verdient, in ihre Kinder investieren – in ihre Gesundheit, ihre Bildung und ihre Zukunft." Aus "Hintergrundinformationen zum Welt-Mädchentag", Plan International Österreich

Neben Armut, Diskriminierung und Gewalt gibt es zahlreiche Gründe, weshalb Mädchen nicht die selben Bildungschancen erhalten: In Entwicklungsländern wird jedes dritte Mädchen vor dem 18. Lebensjahr verheiratet, erklärt Plan International auf der Website ihrer "Because I am a Girl"-Kampagne. Eine frühe Schwangerschaft bedeutet meist auch das Ende des Bildungsweges, darüber hinaus zählen Schwangerschaften zu den häufigsten Todesursachen junger Frauen zwischen 15 und 19 Jahren.

Das alles sind Missstände, welche eher gestern als morgen hätten gelöst werden sollen. Immerhin: die Vereinten Nationen haben das Erreichen gerechter Machtverhältnisse und der Gleichberechtigung von Frauen und Mädchen in ihrer Agenda 2030 – den nachhaltigen Entwicklungszielen, die 2015 verabschiedet und innerhalb von 15 Jahren auf internationaler Ebene umgesetzt werden sollen – verankert.
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Kampagnen-Logo Because I am A Girl © Plan International

Die Welt sieht pink

Wie bei Kampagnen üblich, hat auch Plan International ein Erkennungsmerkmal für "Because I am a Girl" gewählt und damit selbst für eine Kontroverse gesorgt. Denn Infomaterial, Websites, Social Media Kanäle und sogar bestrahlte Wahrzeichen auf der ganzen Welt werden am 11. Oktober "pinkifiziert" und damit in jener Farbe gehalten, die zumindest in Industrieländern für das Vermitteln einer genderstereotypen Erziehung steht. Plan International lenkt ein und möchte die Symbolik der Farbe neu besetzt wissen: Kräftiges Pink stehe für Lebensfreude und Zuversicht und soll benachteiligte Frauen und Mädchen dazu motivieren, sich für die eigenen Rechte stark zu machen.

Empowerment durch Bildung also: jenes Ziel, für das sich auch die mittlerweile 20-jährige Malala Yousafzai unermüdlich einsetzt und sie zu einer der wichtigsten Stimmen für Mädchen und junge Frauen auf der ganzen Welt macht.
AutorIn:
Hannah Hauptmann
11.10.2017