2030 auf gleicher Augenhöhe?

Dem Weltfrauentag werden die Themen wohl noch lange nicht ausgehen. Denn die Ungleichheit zwischen Frauen und Männern ist in jeder Gesellschaft und in allen Bereichen traurige Realität. Weil gerechte und gleich entlohnte Arbeit ein wirksamer Schlüssel zur Gleichberechtigung ist, nimmt der diesjährige Internationale Frauentag das globale Ziel "fifty-fifty bis 2030" in Angriff.

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Weltweit geht nur die Hälfte aller arbeitsfähigen Frauen einer geregelten Arbeit nach. Eine traditionelle Auffassung von Arbeitsteilung, die Frauen in den privaten Bereich drängt, ist noch sehr weit verbreitet. © UN Photo/JC McIlwaine
Es war ein Mann, der zum Auftakt des diesjährigen Weltfrauentages alle Aufmerksamkeit auf sich zog. Der polnische Europa-Abgeordnete Janusz Korwin-Mikke behauptete während einer Plenardebatte im Europa-Parlament, Frauen müssten weniger verdienen, weil es ihnen an Körpergröße, Kraft und Intelligenz fehle.

So besorgniserregend und empörend diese Aussage sein mag – die Berichterstattung über den Vorfall war ebenso irritierend. Wäre Korwin-Mikkes Äußerung nämlich nicht auf Video festgehalten worden, würden viele gar nicht wissen, dass es die spanische Abgeordnete Iratxe Garcia-Perez war, die seine Frauenfeindlichkeit umgehend anprangerte (abgesehen von Gelächter und einigen Zwischenrufen): "Ich weiß, dass Sie sich sehr darüber aufregen und besorgt über die Tatsache sind, dass wir Frauen auch Bürger sind, auf gleicher Augenhöhe mit Ihnen. Ich muss europäische Frauen vor Menschen wie Ihnen verteidigen", erklärte sie entrüstet.

Korwin-Mikke quittierte Garcia-Perez' Konter bloß mit einem süffisanten Lächeln und auch vielen Medien war ihr Protest kaum eine Erwähnung wert. Die eigentliche Heldin der Stunde ist somit nur eine Erscheinung in dem Video, das die ewiggestrige Meinung eines rechten Politikers zeigt.

Fifty-fifty bis 2030

Der Vorfall ist auch deshalb relevant, weil die Plenardebatte geschlechtsspezifische Einkommensunterschiede zum Inhalt hatte. Die weltweite Gleichstellung von Frauen und Männern ist mit "Women in the Changing World of Work: Planet 50-50 by 2030" auch das heurige Thema des Internationalen Frauentages am 8. März (und wichtiger Teil der "Agenda 2030", den "Zielen für nachhaltige Entwicklung" der Vereinten Nationen). Zwar ist Frau- oder Mädchensein in Österreich wohl nicht dasselbe wie in einer autoritären Gesellschaft, dennoch gibt es universelle Erfahrungen, die Frauen rund um den Globus teilen. Die sogenannte "Einkommensschere" ist eine davon.

Die Wirtschaftsprüfung PwC International prognostiziert nach aktueller Auswertung ihres "Women in Work-Index", dass sich die Einkommensschere in Österreich erst 2058 schließen könnte. Hierzulande verdienen Frauen um 21,5 Prozent weniger als Männer in einer vergleichbaren Position. Der durchschnittliche "Gender Wage Gap" aller OECD-Länder liegt hingegen "nur" bei 16 Prozent. Dass Österreich hinsichtlich der (ökonomischen) Gleichberechtigung kein lupenreines Zeugnis ausgestellt werden kann, bestätigen weitere Zahlen: Mit einem Anteil von 23 Prozent weiblicher Führungskräfte erreichen heimische Unternehmen im EU-Vergleich lediglich den viertletzten Platz. Und fast die Hälfte aller erwerbstätigen Österreicherinnen arbeitet Teilzeit, während es bei Männern 11,6 Prozent sind. Frauen sind dadurch viel stärker von Altersarmut betroffen, erhalten sie durchschnittlich auch nur eine halb so hohe Pension.

Weltweit akuter Handlungsbedarf

Im Vorfeld des Internationalen Frauentages sprach Phumzile Mlambo-Ngcuka, die Präsidentin von UN Frauen, über die weitreichenden Maßnahmen, die weltweit zu einer egalitären Gesellschaft führen sollen. Frauen und Mädchen wenden immer noch mehr als doppelt so viel Zeit für Hausarbeit und die Betreuung von Familienmitgliedern auf, so Mlambo-Ngcuka. Typische Phrasen, wie "Veränderungen brauchen eben Zeit", sind deshalb ganz klar nicht Teil ihrer Botschaft. Die Präsidentin von UN Frauen sieht dringenden Handlungsbedarf:

"We want to construct a different world of work for women. As they grow up, girls must be exposed to a broad range of careers, and encouraged to make choices that lead beyond the traditional service and care options to jobs in industry, art, public service, modern agriculture and science. (…) This will take adjustments in parenting, curricula, educational settings, and channels for everyday stereotypes like TV, advertising and entertainment; it will take determined steps to protect young girls from harmful cultural practices like early marriage, and from all forms of violence." Phumzile Mlambo-Ngcuka, Präsidentin UN Frauen
Die Präsidentin von UN Frauen, Phumzile Mlambo-Ngcuka, zum Weltfrauentag 2017 © UN Women
Frauen als fester Bestandteil der Digital- oder Technologiebranche? Was derzeit noch wie eine Wunschvorstellung klingt (in der Digitalbranche sind drei Viertel der Arbeitskräfte männlich), muss bald zur Normalität werden. Ob das gelingen kann, entscheidet in hohem Maße die Politik der einzelnen Länder, wie Mlambo-Ngcuka erklärt. Denn erst wenn die soziale Infrastruktur (z.B.: Wasser- und Energieversorgung), die sozialpolitischen Rahmenbedingungen (z.B.: Elternkarenz und Kinderbetreuung) sowie Schutzmaßnahmen verbessert werden, gehört die Zukunft der Mädchen und Frauen tatsächlich ihnen selbst.

Eine Auswahl an Hilfsprojekten

Das Institut für Cooperation bei Entwicklungs-Projekten (ICEP) kämpft mit einem wirtschaftlichen Fokus gegen die globale Armut an. Einen seiner Schwerpunkte legt ICEP dabei auf die Förderung von Frauen, in persönlicher und wirtschaftlicher Hinsicht. So unterstützt der Wiener Verein etwa Frauen im kenianischen Limuru auf dem Weg in die unternehmerische Selbstständigkeit. (Zum Projekt)

In einem Slum Jinjas, der zweitgrößten Stadt in Uganda, haben Missionsschwestern 2009 eine Berufsschule für mittellose Mädchen eröffnet. Die Schülerinnen werden hier zur Friseurin, Näherin oder Köchin ausgebildet. Sie können Praktika in der Hotellerie oder im Catering absolvieren und werden nach Abschluss der Berufsschule bei der Arbeitssuche unterstützt. Mit der Unterstützung von Missio sollen junge Frauen auch weiterhin von dem Hilfsprogramm profitieren. (Zum Projekt)

Jugend eine Welt unterstützt die Arbeit der Schwestern vom Heiligen Kreuz, die seit über 30 Jahren im indischen Bundesstaat Meghalaya aktiv sind. In ihrem Gesundheits- und Sozialzentrum bieten die Schwestern 20 jungen Frauen aus abgelegenen Dörfern eine Ausbildung zur Schneiderin. Auch Selbsthilfegruppen zur Einkommenssteigerung, Ausbildung zur Krankenschwester sowie Computertrainings werden geboten. (Zum Projekt)

Seit zwei Jahrzehnten kämpft das guatemaltekische Frauenforum für Gleichberechtigung. Die Vertreterinnen im Departamentos Huehuetenango bieten auch Alphabetisierungskurse an, "denn Lesen und Schreiben sind wesentliche Voraussetzungen, um Arbeit zu erhalten", wie der Verein TwoWings, der das Frauenforum unterstützt, betont. (Zum Projekt)

Roma und Romnija bilden mit vermutlich 9 Prozent einen beachtlichen Anteil an der slowakischen Bevölkerung, doch sind sie meist massiven Diskriminierungen ausgesetzt. Das Welthaus-Projekt unterstützt das Frauennetzwerk "Agentinnen der Gleichberechtigung" zur Förderung von Roma-Frauen in der nordöstlichen Slowakei, das unter anderem Schulungen zu den Themen Projektmanagement und Gleichberechtigung organisiert. (Zum Projekt)