16 Tage gegen Gewalt an Frauen

Jede 3. Frau weltweit wurde schon einmal Opfer physischer und/oder sexueller Gewalt. Zum Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen am 25. November startet auch eine 16-tägige Kampagne. Die Möglichkeiten zum Engagement sind vielfältig.

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Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zufolge, seien rund 35% der Frauen weltweit bereits einmal körperlicher und/oder sexueller Gewalt zum Opfer gefallen. © Pixabay
Ein überproportionaler Anteil der Opfer familiärer Gewalt ist weiblich, das zeigt etwa die Statistik der Wiener Interventionsstelle gegen Gewalt in der Familie. 2015 seien so etwa neun von zehn Opfer (Gesamt 2015: 6.163), der an die Interventionsstelle gemeldeten innerfamiliären Gewalttaten, Frauen gewesen. Im selben Jahr hielten sich in Wien 672 Frauen für durchschnittlich 50 Tage in einem der vier Wiener Frauenhäuser auf, 14.155 Mal wurde das niederschwellige Beratungsangebot des Vereins in Anspruch genommen. Die meisten Gewalttaten an Frauen passieren innerhalb des eigenen sozialen Umfelds.

In ganz Österreich hat jede 5. Frau seit ihrem 15. Lebensjahr sexuelle und/oder physische Gewalt erfahren. EU-weit ist es laut der bislang umfassendsten Erhebung zu Frauengewalt (Europäische Grundrechtagentur, 2014) gar jede 3. Frau, die bereits Erfahrungen mit Gewalt durch ihren Partner oder einen fremden Mann machen musste. Durchschnittlich 70% der Frauen, die angaben, bereits einmal von Gewalt betroffen gewesen zu sein, behielten dies bislang für sich.

Auch Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zur weltweiten Lage ergaben, dass rund 35% aller Frauen bereits einmal körperliche oder sexuelle Gewalt erfahren haben. Eine Analyse der WHO (2013) von zahlreichen nationalen Studien zur Gewalt an Frauen zeigte, dass Südostasien mit 37,7% die höchste Prävalenzrate aufweist, dicht gefolgt vom östlichen Mittelmeerraum und der Westpazifik-Region.

25. November - Internationaler Tag zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen

Die Entstehungsgeschichte des Gedenktages geht bis ins Jahr 1960 zurück, als die drei Schwestern Patria, Minerva und Maria Teresa Mirabal am 25. November nach monatelanger Folter vom dominikanischen Geheimdienst ermordet wurden. Grund dafür war ihre Beteiligung am Widerstand gegen das diktatorische Regime von Rafael Trujillo.

Das Centre for Women's Global Leadership rief 1991 erstmals zur Kampagne "16 Days of activism against Gender Violence" auf. An der Sensibilisierungskampagne von 25. November bis 10. Dezember - dem Tag der Menschenrechte - nehmen in diesem Sinne bereits hunderte weltweite Organisationen teil. 1999 erkannten die Vereinten Nationen den 25. November offiziell zum internationalen Gedenktag an.

Seit 2001 findet in diesem Zeitraum, auf Initiative der deutschen Menschenrechtsorganisation Terre des Femmes, zudem die Fahnenaktion "Frei leben ohne Gewalt" statt. Viele Vereine, Organisationen, Ministerien zeigen sich seither jährlich mit dem Hissen der blauen Fahne solidarisch und setzen somit ein Zeichen gegen Gewalt an Frauen und Mädchen.

Im Zuge der 16-tägigen Kampagne kann sich an zahlreichen Aktivitäten beteiligt werden. Der Verein Autonomer Österreichischer Frauenhäuser bietet dafür etwa einen Kalender, in dem auf zahlreiche Veranstaltungen im Rahmen der Kampagne in ganz Österreich hingewiesen wird. Angefangen bei einer offenen Diskussionsrunde am 1. Dezember zum Thema "Hass im Netz - Geschlechterspezifische Gewalt in Sozialen Medien" der Grünen in Wien bis hin zu einer Lesung der Autorin Ela Angerer zu ihrem Werk über familiäre Gewalt am 2. Dezember in Oberpullendorf.

Spendenprojekte für Frauen und Mädchen als Opfer von Gewalt

Internationale Hilfsorganisationen bieten ein breites Angebot an niederschwelliger Hilfe für Frauen als Opfer von Gewalt. Die Hilfsangebote reichen dabei von Soforthilfe in Form von Frauenhäusern und Krisenzentren, umfassender Beratung, psychologischer und medizinischer Betreuung bis hin zu nachhaltiger Hilfe zur Selbsthilfe in Form von Aufklärung und Schul- sowie Berufsausbildung für betroffene Frauen und Mädchen.

Österreichische NGOs wie beispielsweise Jugend eine Welt, Caritas, Missio, die Steyler Missionare, der Entwicklungshilfeklub und Aktion Familienfasttag bieten nationale und internationale Hilfsprojekte zum Schutz und zur Emanzipation von Frauen als Opfer von Gewalt.

In Weißrussland sind 80% aller Frauen zumindest einmal in ihrem Leben von häuslicher Gewalt betroffen, so die Caritas Oberösterreich. Die NGO unterstützt Frauen und ihre Kinder in Minsk mit Krisenplätzen und professionell ausgebildeten SozialhelferInnen. (Zum Projekt)

Der Osten der Demokratischen Republik Kongo ist für Frauen eine der gefährlichsten Regionen der Welt, die Vergewaltigungsrate ist hier besonders hoch. Missio ermöglicht traumatisierte Frauen und Kindern psychosoziale Betreuung und bietet Betroffenen Rechtsberatung. (Zum Projekt)

Auch Indien hat mit einer hohen Vergewaltigungsrate zu kämpfen. Die Steyler Missionare bieten thematische Sensibilisierung in ihren Schulen, Mädchen werden durch spezielle Workshops gestärkt. (Zum Projekt)

In Notsituationen - wie bei Gewaltvorfällen innerhalb der Familie - können Frauen und Mädchen im von der Aktion Familienfasttag unterstützten Krisenzentrum in der Hauptstadt Nepals Schutz suchen. Sie erhalten medizinische Versorgung, bei Bedarf eine schulische und berufliche Ausbildung und werden über ihre Rechte aufgeklärt. (Zum Projekt)

Jugend eine Welt setzt sich unter anderem für Frauen als Opfer häuslicher Gewalt im Norden Albaniens ein. Im Sozialzentrum Laura Vicuña besuchen die Frauen berufsbildende Kurse während ihre Kleinsten den hauseigenen Kindergarten besuchen. (Zum Projekt)

Mittels psychologischer Betreuung und Workshops zur Gewaltprävention wird Frauen und Kindern im ländlichen Nicaragua geholfen. Der Entwicklungshilfeklub unterstützt das lokale Projekt, wodurch vor allem auch ein gesellschaftliches Umdenken bewirkt werden soll. (Zum Projekt)
23.11.2016